A. Tschechow: Onkel Wanja. Sommerspiele Perchtoldsdorf

Regie: Michael Sturminger, Bühne: Paul Sturminger, Kostüme: Renate Martin

Ein Bretter-Wald als Bühnenbild – wohl als Anspielung auf die Abholzung des ehemaligen Waldes, der das Gut umgab. Der Klimawandel – ein Thema, das jetzt jeden Regisseur beschäftigt. Ja, wichtig, aber bereits auf zu vielen Bühnen, da und dort aufgesetzt, inflationär.

Kostüme, die sich keiner Zeit zuordnen lassen – heutig, urgestrig, aber nicht russisch. Die Musik – auch nicht zuzuordnen, weder heutig, noch 1900.

Also: All das soll wohl als Mittel gegen Tschechow-Klischees wirken. Kein Birkenwald, keine russische Langeweile. Die dann doch, denn sie stellt sich unweigerlich ein, wenn die alte Kinderfrau (Inge Maux) zum x.ten Mal Tee serviert – auf dem Podium, wo später ausführlich geschlafen wird und sonst nix passiert als dass einer ausgiebig schläft. Lange. Später wird darauf gevögelt. Flexibilität ist ja heute alles!

Alexander, ehemals gefeierter und allseits verehrter Professor im Ruhestand (Andreas Patton), kehrt nach jahrelanger Abwesenheit mit seiner jungen Frau (Virginia Hartmann) auf das Gut zurück. Das Leben in der Stadt ist zu teuer geworden. Auf dem Gut rackern Onkel Wanja (Jörg Witte) und Sonja (Laura Laufenberg). Der Professor quält mit seiner Arroganz, seinem Egoismus und seiner Eitelkeit alle. Nur dass dieser Professor ein eher moderater Quälgeist ist. Der Konflikt, der sich aus dieser egozentrischen Figur ergeben soll, bleibt lange aus, bricht dann im 2. Teil erst aus, weil er eben so im Text steht. Da sorgt dann Jörg Witte für ein wenig Aufregung. Brüllt seine Wut über das verpfuschte Leben aus seiner Seele, schießt ein wenig in der Gegend herum – das wars dann auch. Am Ende gehen Professor und die zu Tode gelangweilte Ehefrau ab, und alles ist wie immer: öde. Also doch Tschechow. Aber eher missverstanden. Lebensüberdruss und Langeweile, wie das französische l´ennui dans la vie, müssten anders gespielt werden. Mag sein, dass die Erinnerung an Hartmanns Inszenierung im Akademietheater (2012) mit Ofczarek und Voss einen unvoreingenommenen Blick auf die Inszenierung Sturmingers verhindert hat.

Ausgiebiger Applaus.

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