Angelo Branduardi: Liederabend. Wiener Konzerthaus

Er kam, sang und siegte!

Im Großen Saal des Konzerthauses spürte man die Erwartungen. Sie waren gekommen, um „ihren“ Branduardi“ zu erleben. Manche im Outlook dem Sänger nicht unähnlich: lange, weiße Locken, jugendlich aber immer noch. Blaues Licht, leichte Nebelschwaden bereiten das „Erscheinen“ des Meisters vor. Begleitet von seiner Band:

Antonello D‘ Urso -Gitarre, Stefano Olivato – Bass, Fabio Valdemarin – Keybord, Davide Raggazzoni – Schlagzeug.

Und natürlich: Angelo Branduardi -Gitarre und Violine und seine unverkennbare, sanfte Stimme!

Angelo Branduardi zählt zu den bekanntesten „cantautori Italiani“, die von 1970 bis in die frühen 90er Jahre die Musikbühne Italiens und darüber hinaus beherrschten. Sie sangen von der Liebe zur Natur, zum Menschen, gegen Krieg und gegen politische Machtströmungen.

Suoni tra le malghe

Ein lauer Sommerabend in den frühen 90er Jahren: Publikum und Angelo Branduardi marschieren gemeinsam auf eine Alm. um dort gemeinsam die Natur und die Musik zu genießen. Das Trentino lud (und lädt immer noch) den ganzen Sommer über im Rahmen von „Suoni tra le malghe“ (Musik auf den Almen) Musiker und Publikum zu Konzerten unter freiem Himmel und freiem Eintritt.

Die Stimmung war ein bisschen „Little Woodstock“: Man saß im Kreis, in der Mitte Branduardi, er sang über die Schönheit der Natur, man summte mit. Leise klang der Abend aus mit dem zärtlichen Song: Primavera, in dem es heißt: Du bist das Gras, die Blume, der Vogel. Dann stieg man gemeinsam ab ins Dorf.

Angelo Branduardi im Konzerthaus

Sonnenuntergang und Sternenhimmel sind im Konzerthaus durch eine geschickte Licht- und Bühnenregie ersetzt. Branduardi streicht hart die Saiten der Violine und beginnt ohne einleitende Worte mit dem aufmüpfigen Song: „Si può fare“ das Publikum zu provozieren: Du kannst die Verbesserung der Welt wollen oder es bleiben lassen, kannst weiter nur ans Kaufen und Verkaufen denken – du hast die Wahl! Die Richtung des Abends ist vorgegeben: Kritik an der Gegenwart. Als leuchtendes Vorbild wird der Heilige Franziskus genannt. Herrlich singt Angelo Branduardi den berühmten „Sonnengesang“, ohne auch nur einen Hauch von Kitsch. Mit Anleihen aus der mittelalterlichen Musik folgt „Il Sultano di Babilonia“ : die Legende erzählt von Franziskus, der mit seinen Gefährten nach Babylon reist, dort gefangen genommen und geschlagen wird. Aber der Sultan hört seine Lieder und lässt ihn frei… Dazu Branduardi: „Dieser Song hat hohe Aktualität“ und spielt wohl an die Reise des Papst Franziskus in die Emirate an.

Nach der Pause hüllt Angelo Branduardi sein Publikum in die kalte Romantik der Eisberge ein: In einem traumhaften Song begleitet er den Seefahrer Franklin auf seiner Reise zum Nordpol, wo sich seine Spur zwischen den weißen Bergen verliert: “ e alle sue spalle si chiuse il mare“…Es folgt eine kurze, beklemmende Stille, bevor der Jubel losbricht! Danach das heitere Grusellied: Il topolino: Die Maus wird von Katze gefressen, die vom Hund, der mit dem Stock geschlagen usw. Kanonartige Kinderreime, mit denen Branduardi und seine Band das Publikum zum Mitsingen und Mitklatschen anfeuert. Danach folgt – ja muss folgen: La pulce dell`acqua, der Hit, mit dem Brandurardi bekannt wurde. Und wie ein Rattenfänger zieht der Meister die Menschen mehr und mehr in seinen Bann. Viel Applaus, Standing Ovation! Als Zugabe – ganz ungewöhnlich für Branduardi: Ein zartes Liebeslied.

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