Burgtheater: Alles kann passieren! Ein Polittheater.

Foto: Georg Soulek/Burgtheater

Ein Projekt von Doron Rabinovici und Florian Klenk

Mitwirkende: Stefanie Dvorak, Sabine Haupt, Petra Morzé, Barbara Petritsch

Etwa eineinviertel Stunden wurden Reden von Salvini, Orban und Kickl und anderen Rechtspopulisten der Reihe nach vorgelesen. So weit, so löblich. Möchte man meinen. Doch die Frage: „Cui bono?“ entstand schon während der Aktion. Denn man darf annehmen, dass alle Zuhörer mit der Gesinnung gekommen waren, um mit ihrer Anwesenheit ein Zeichen gegen die FPÖ und die Rechtspopulisten in Europa und den Staaten zu setzen. Der lang anhaltende Auftrittsapplaus für Florian Klenk machte das deutlich.

Daher – Cui bono? Denn Sukkus und Intention all dieser Reden sind hinlänglich bekannt. Man „erzog“ also das falsche Ansprechpublikum. Es wirkte wie eine Demonstration – nur im Theater statt auf der Straße und daher auch nicht nach außen hin wirksam. Nach der 4. oder 5. Rede wiederholten sich die Parolen, die Art der Reden und es wurde schlichtweg langweilig. Peinlich wurde es, als Petra Morzé Kickls Bierzeltsprache nachahmte, was nicht einmal als Parodie darauf durchgehen konnte.

Die Einlinigkeit der Themen liegt in der Natur der Sache: Es ging in den Reden gegen Migranten, gegen Europa, für mehr Nationalismus, für die Hochhaltung „christlicher Werte“ – alles klar, oft gehört, oft diskutiert und kommentiert. Was fehlte, war eine kritische Auseinandersetzung in Form einer Podiumsdiskussion, um zu relativieren und auf berechtigte Forderungen und Ängste der Bevölkerung einzugehen. Was noch zu bedenken wäre: So ein Abend vertieft eher noch die Gräben, die sich quer durch die Bevölkerungsschichten auftun. Ausgleich, Beruhigung nach der Ibizaaffäre wäre nötiger!!!

Ein Buchtipp für alle Interessierten:

Nina Scholz und Heiko Heinisch, Alles für Allah. Wie der politische Islam unsere Gesellschaft verändert. Molden Verlag.

Nina Scholz arbeitet am Ludwig-Boltzmann-Institut in Wien, Heiko Heinisch u.a. am Institut für Islamische Studien und war Koautor des ÖIF_Forschungsberichtes zur Rolle der Moscheen im Integrationsprozess. Beide widmen sich seit mehreren Jahren integrationspolitischen Fragen, sowie dem Thema Europa, Menschenrechte und Islam. Ihr Buch ist ein unaufgeregter Faktenbericht darüber, wie streng islamische Lebens- und Glaubensvorstellungen seit etwa zwei Jahrzehnten unser Zusammenleben beeinflussen. Mit diesen Fakten im Hintergrund hätte man die Reden diskutieren müssen.

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