Burgtheater: Calderon: Das Leben ein Traum.

Regie: Martin Kusej

Tun wir einmal so, als wüssten wir nichts über das Stück, das Calderon schrieb. Dann ist man beeindruckt von: der absoluten Düsternis des Bühennbildes (Annette Murschetz), von so manchen Schauspielern, wie etwa Franz Pätzold als Prinz Sigismund. Weniger beeindruckt ist man von der Länge – man hätte gar gern auf den langen Schlussmonolog der Rosaura (J ulia Rieder) verzichtet, zumal er nicht im Ursprungstext steht.

Worum es Kusej geht? – Nicht um das Stück, wie Calderon es schrieb (eine heiter- leicht melancholische Komödie oder Tragikkomödie). Kusej formte es zu einer Dystopie um – wie halt immer, wenn Erziehungstheater angesagt ist. Nur was ist die Meldung? -Dass ein junger Mensch, den man nackt in einen verfallenen Turm sperrt, dann plötzlich zum König gemacht, nicht edel und gut sein wird? – Das wissen wir alle. Dann steckt man ihn vor Schreck über seine Grausamkeit – no na – wieder in den Turm zurück und redet ihm ein, alles war nur ein Traum. Dann holt man ihn wieder raus und hofft, dass er nun geläutert ist. Dieser Sigismund ist nicht geläutert, sondern nur clever: Er hat gelernt, er muss den Gerechten und Weisen spielen, damit er an der Macht bleibt. Dieses Täuschungsmanöver gelingt Franz Pätzold hervorragend. Aber was ist mit dem Vater? Ein Vater, der seinen Sohn im Turm verkommen lassen will, dann ihn herausholt, über ihn richtet, weil er gar so grausam ist? Was soll man da denken? Dieser Vater (Norman Hacker) schwankt zwischen gespielter Güte und Erbärmlichkeit.

Wozu die Rahmenhandlung rund um Rosaura in diesem düsteren Spiel gut sein soll, versteht man nicht. Bei Calderon ist sie Teil der Komödie, hier passt sie irgendwie nicht ganz dazu.

Fazit: Ein interessanter Abend, um eine Stunde zu lang. Er wirft Fragen auf, die unbeantwortet bleiben. Von Calderons Stück ist das alles ziemlich weit entfernt.

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