Burgtheater: „Dämonen“ nach Fjodor Dostojewskij

In der Übersetzung „Böse Geister“ von Swetlana Geier. Fassung von Sebastian Huber

Titelfoto: Maria Happel und Oliver Nägele

Mein Zugang zu diesem Abend: Ich hatte den Roman nicht gelesen und daher große Schwierigkeiten, den Sinn des Stückes zu erfassen. Meine Bewunderung gilt Sebastian Huber, der versuchte, aus dem 1000 Seiten Konvolut eine verständliche Fassung zu erstellen, was nicht immer gelang. Das lag zu einem Teil an der schweren Verständlichkeit mancher Darsteller, wie etwa von Dagmar Litzenberger Vinet als Dascha. Sie huscht durch den Raum als verlorene Seele, hat kaum was zu reden und zu entscheiden. Wenn sie redet, versteht man in der 3. Reihe Balkon nichts. Das haben auch andere Besucher bestätigt. Weiters war ich (und viele andere um mich herum) in der ersten Hälfte (die eine quälende Überlänge von zwei Stunden hat) damit beschäftigt, das Who is Who zu klären. In der Pause, in der zahlreiche Besucher das Weite suchten, versuchte ich mit Hilfe anderer und des Programmheftes herauszufinden, wer welche Rolle und Ideologie vertritt. Denn in der ersten Hälfte passiert nicht viel, es wird geredet und geredet, alle politischen Denkspiele vom Kommunismus über Sozialismus und Diktatur abgehandelt. Im Vorfeld der Premiere versprach man eine Komödie. Gelacht wurde nicht.

Nach der Pause – die Reihen hatten sich gelichtet – erster Auftritt von Nicholas Ofczarek als Nicolai Stawrogin: „Warum bin ich überhaupt hierhergekommen?“ Mit dieser Frage löst er das erste und ehrliche Gelächter im Publikum aus – Beifall und Rufe wie: Das fragen wir uns auch. Ofczarek nimmt diese ungewollten Heiterkeitsausbrüche gelassen hin.

Nach der Premiere las ich in Wikipedia (vielen Dank an diese Institution !) den Inhalt nach – das hätte ich vorher tun sollen, aber ich hatte auf die Kraft der Dramatisierung und der Schauspieler vertraut, die mir diesen schwierigen Roman näher bringen würden. Doch die Erhellung blieb aus, rätselhafte Regieeinfälle (Johan Simons) und eigenwillige Kostüme (Greta Goiris) erschwerten die Erleuchtung. Warum muss die leicht behinderte Ehefrau von Stawrogin (Sara Viktoria Frick) in weißen Hotpants, weißem Tüllschleier mit Rosen auf dem Boden herumkriechen, hopsen und sonst allerlei Unverständlichkeiten von sich geben? Warum der tosende Lärm (Musik? und Kettengerassel) vor jeder neuen Szene? Eine Anspielung auf die aktuelle Kriegssituation? – das scheint mir zu simpel. Dass Maria Happel als Gutsherrin Stawrogina vorne Mini, hinten eine barocke Schleppe trägt, ließe sich noch als Anspielung auf die enge Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart interpretieren. Dass Jan Bülow einmal im gelben Outfit, dann im weißen Mantel erscheint, verwirrt. Ich lese später, dass der weiße Mantel ein Gestapomantel sei. Das war vom Balkon aus nicht zu erkennen. Birgit Minichmayr als Domina?? Sie knallt mit der Peitsche und brüllt ihre Verachtung heraus. Welche Rolle sie in dem ganzen Stück spielt, bleibt unklar. Zusammenfassend ist zu sagen: Das Ensemble bemüht sich redlich, den theoretischen Über- und Unterbau, die verschiedenen Politansichten verstehbar über die Bühne zu bringen. Aber die Faszination, die Theater ausmacht, blieb aus.

Freundlicher Applaus vom Publikum, das sich vor allem selbst beklatschte, weil es vier Stunden durchgehalten hatte.

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