Drago Jancar: Die Nacht, als ich sie sah. Szenische Lesung. Akademietheater.

Es lasen: Der Major: Michael Maertens, Die Mutter: Barbara Petritsch Der deutsche Arzt: Roland Koch, Die Haushälterin: Katharina Pichler, Der Partisan: Branko Samarovski

Bearbeitung und Szenische Einrichtung: Patrick Steinwidder

Drago Jancar zählt zu den wichtigsten Schriftstellern Sloweniens. Sein Roman „Die Nacht, als ich sie sah“ ist ein packendes Dokument, geschrieben nach einer wahren Begebenheit. Im Jahre 1944 werden Ksenja Hribar, Vorbild für die Protagonistin Veronika, und ihr Mann Rado aus der Burg Strmol von Partisanen entführt. Ihre sterblichen Überreste wurden erst 2015 im nahen Wald gefunden. Dem Autor gelingt es, mit diesem Roman ein Bild des damaligen Jugoslawien in all seiner Zerrissenheit zu entwerfen: Da gab es noch die königstreuen, serbischen Soldaten, die deutsche Besatzung, die Tito-Partisanen und mitten drin die Bevölkerung, die von allen Seiten aufgerieben wurde. Jede Partei hatte ihre Sicht auf das Leben, auf den Wert des Lebens. Veronika und ihr Mann wollen keine politischen Schranken akzeptieren. In ihrer Burg gibt es das Wort Krieg nicht. Man lädt Pianisten, deutsche Ärzte und Schriftsteller ein. Man beschäftigt Leute aus dem Dorf und bezahlt sie gut. Veronika holt sogar einen ihrer Leute aus dem Gefängnis, gerade den, der sie dann an die Partisanen verraten und sich an der Ermordung beteiligen wird .

Ein Roman, der subtil und unaufdringlich das wirre Geschehen der Jahre 1944 und später entwirrt, ohne Schuldzuweisungen. Steinwidder und den Schauspielern gelang das Kunststück, dieses feingesponnene Werk in der kurzen Zeit der Lesung griffig und berührend an das Publikum heranzutragen. Dass eine Lesung den Roman nicht ersetzen kann, ist eine bekannte Tatsache. Mein Rat: unbedingt lesen!

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