Drago Jancar: Nordlicht

Folio Verlag. Aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof.

Jänner 1938. Josef Erdmann wartet in Maribor auf seinen Geschäftspartner Jaroslav. Doch der kommt und kommt nicht. Es vergehen Tage, Monate, Erdmann schickt Telegramm um Telegramm, doch von Jaroslav keine Nachricht. Erdmann mietet sich in ein Hotel ein, wo er sich jedoch bespitzelt glaubt, wechselt das Hotel, doch das Gefühl, verfolgt zu werden, verstärkt sich. Zunächst bewegt er sich in der „besseren Gesellschaft“, die ihn jedoch bald aus ihren Kreisen verstößt. Im Laufe der langen Wartezeit lernt er die ganze für den aufkommenden Nationalsozialismus und Rassismus Besetzungsliste kennen. Den Kopfvermesser, den Judenauskenner. Seine Liebe zur schönen, ziemlich abgehobenen Margarete löst sich in Nichts auf. Bald taucht er in die weniger schicke Gesellschaft von Maribor ein und ersäuft seine Verzweiflung im Alkohol. Totale Hysterie bricht bei den Menschen aus, als ein seltsames „Nordlicht“ am Himmel erscheint. Alle regieren panisch. Erdmann erscheint das seltsame Licht wie die Ankündigung eines Weltübels. Am Ende der ziemlich wirren Situation wird er in die Psychiatrie eingeliefert. Zwischen diesen in Ichform erzählten Kapiteln schiebt Jancar „Faktenkapitel“ ein, die das Aufkommen des Judenhasses und des Nationalsozialismus dokumentieren.

Auch wenn das Feuilleton sich mit Lob überschlägt – ich gestehe: Den „Roman“ – der eigentlich keiner ist, ich würde ihn eher „Maribor – Momentaufnahmen aus 1938 nennen – überforderte meine Lesegeduld. Mir fehlte in dem „Roman jeglicher epische Faden, mit dem Icherzähler schafft Jancar keine Identifikationsfigur, die einzelnen Kapitel sind Impressionen aus einer verlorenen Provinzstadt mit den typischen Personen, die fast in jedem Roman, der den Nationalsozialismus zum Inhalt hat, aufmarschieren. Nach Jancars Roman „Die Nacht, als ich sie sah“ eine Enttäuschung!

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