Eine etwas andere Alice

Im Schubertheater hatte „Alice“ nach dem Roman von Lewis Carroll in der Fassung und Regie von Simon Meusburger gestern Premiere. Schon der ziemlich rätselhafte Beginn verriet, dass man sich vom üblichen Aliceklischee „nettes Mädchen hat märchenhafte Abenteuer“ verabschieden muss. Hier ist nichts lieblich oder niedlich. Außer vielleicht der Schlafmaus, die mitten in ihrer absurden Erzählung einschläft. Alice ist eine selbstbewusste, um nicht zu sagen selbstgerechte kleine Person. Die Figuren, denen sie begegnet, wirken aburd, bedrohlich und skurril. Besonders die Königin. Sie erscheint als Riesenfigur, die bis zur Decke reicht. Lewis Carroll selbst tritt im Stück auf und fantasiert von kleinen Mädchen, an die er sich immer erinnern wird. (Ob er pädophile Neigungen hatte, ist nicht bewiesen, ist aber aus seinen Briefen an seine diversen kleinen Mädchen fast anzunehmen). Die Aufführung betont das Hintergründige, das Absurde und das Albtraumartige in der menschlichen Seele.

Claudia Six und Lisa Zingerle schufen witzige, liebenswerte Puppen. Was mich persönlichjedoch störte, war  die überstarke Präsenz der Schauspieler auf der Bühne. Sie verschwanden nicht wie sonst in anderen Stücken, die man im Schuberttheater schon gesehen hat, hinter den Puppen, so dass man total den Spieler hinter den Puppen vergessen konnte, sondern blieben immer im Bewusstsein und in der Sicht des Zuschauers. Das zerstörte oft die Stimmung.

Das Publkum dankte mit anhaltendem Applaus.

Weitere Aufführungen unter: www.schuberttheater.at