Elina Garanca: Lieder von Verdi bis Gardel. Wiener Konzerthaus

Elina Garanca – der Name garantiert einen Abend von höchster Qualität. Elina Garanca heißt nicht nur Qualität – das bringen einige andere auch. Elina Garanca betört! Und das können nur wenige. An diesem Abend konnte man die Betörung am eigenen Herzen nachempfinden, spüren: Perfektion und stimmliche Bravour sind bei ihr Voraussetzung. Der künstlerische Ausdruck, den sie jeder Rolle einschreibt, ist das Plus, das nur wenige Sängerinnen haben. Jede Arie ist tief empfunden. Die Garanca steigt, obwohl auf dem Konzertpodium stehend, in die Rolle ein, braucht kein Bühnenbild, kein Kostüm.

Begleitet vom volltönenden Wiener Kammerorchester, das Ehemann Karel Mark Chichon mit Verve dirigiert, serviert Elina Garanca dem Publikum ein echtes Gourmetprogramm. Untertitel: Komplikationen der Leidenschaft. Gleich zu Beginn ist sie die Eboli – einmal erotisch hochgeladen im „Schleierlied“ und gleich darauf die reumütig Büßende. In ihrem sehr sexy-eleganten Abendkleid ist sie die verkörperte Verführung. Erinnerungen an Don Carlo in der Pariser Oper 2018 steigen auf – Garanca musste das Schleierlied im Fechtanzug singen! Selbst in dieser ziemlich absurden Verkleidung gelang es ihr, der Rolle eine sehr persönliche, sehr weibliche Note zu verpassen. Mit ihrem lockenden Mezzosopran führte sie an dem gestrigen Abend in den Garten, lässt Duft und Farben in ihrer Stimme aufsteigen und braucht kein Bühnenbild, kein Kostüm, um der Arie die erotische Farbe zu geben. Gleich darauf ist sie die von Reue erfüllte Eboli, die über ihre eigenen bösen Intrigen zu tiefst verstört ist.

Eine weitere Glanzrolle an diesem Abend war die Adriana Lecouvreur: Eine gefeierte Schauspielerin gesteht ihrem Publikum, dass sie sich nur als „demütige Magd“ der Poesie sieht. (Diese Rolle wird allgemein mit der Netrebko in Verbindung gebracht. Sie singt sie landauf, landab bei jedem Event, mit dem Effekt, dass aus der Paraderolle eine perfekte, aber platte Arie wird). Elena Garanca betrat quasi Neuland und reüssierte auf allen Linien. Sie war die Magd, das Instrument, das sich den Worten des Dichters unterordnet.

Verspielte Komplikationen nach der Pause

Ein bewährtes Rezept: Entlasse das Publikum mit heiteren Liedern. So geschah es auch. „Ich habe so viele Hosenrollen gespielt und glaube daher, ein wenig von der männlichen Psyche zu verstehen. Deshalb habe ich Lieder ausgesucht, die überwiegend von Männern gesungen werden“, erklärte sie zu Beginn des zweiten Teiles. Egal ob Gardels berühmter Tango „El dia que me quieras“, oder Sorozábals „No puede ser“ oder Gastaldons „Musica proibita“ – Gardel, Villazon und Pavarotti waren die besseren Interpreten. Garanca forcierte, kam aber an das männliche Timbre nicht annähernd heran. Dennoch: Standing Ovation, Begeisterung bei allen! Und dazwischen der Ruf „Happy Birthday!“ Als das Publikum das Geburtstagslied anstimmte, riet Ehemann Chichon: „Maybe we try it together!“ Und Elina Garanca war zu Tränen gerührt!

Zum Dank für Begeisterung und Geburtstagswünsche gab es drei Zugaben, zuletzt die Habanera aus „Carmen“.

Konzert im Rahmen des Liedzyklus. Karten und Infos:

http://www.konzerthaus.at