Friedrich Dürrenmatt: „Die Physiker“. Theater zum Fürchten in der Scala.

Was für ein Theatergenuss!! Da vertraut ein Regisseur, nämlich Peter M. Preissler, tatsächlich dem Text! Und setzt auf die Wirkung der Worte, die dieses Stück damals, in den späten 60er Jahren und 2019, hatte und hat. Denn die Angst vor den nicht abzusehenden Folgen der Wissenschaft ist heute genau so groß wie damals, als Dürrenmatt das Stück schrieb.

Also: In einem durchaus nachvollziehbaren Bühnenbild (Martin Gesslbauer) einer psychiatrischen Klinik – elegant, ist ja eine Luxusabteilung mit Sonderbetreuung – agieren die Krankenschwestern, der Kommissar, die angeblichen Kranken. Ohne in verkrampften Klamauk zu verfallen, wie man es unlängst im Volkstheater erlebte. Die leise Situationskomik, die dem Stück innewohnt, wird diskret ausgespielt. Da darf Ernesti alias Einstein (Bernie Feit) durchaus die Zunge zeigen und in eine Art Infantilsprache verfallen. Beutler alias Newton (Hermann J. Kogler) spielt einen leicht Verwirrten mit übertriebenem Hang zur Ordnung. Und Möbius (Randolf Destaller) gleitet gekonnt von der Rolle des Irren, dem Salomon erscheint, in den durchaus vernunftbegabten Mahner vor den Konsequenzen, die seine wissenschaftlichen Ergebnisse für die Gesellschaft haben werden. Das Ende, das von vielen Theaterleuten und Kritikern gern als fade Moralpredigt abgekanzelt wird und deshalb oft zu irrem Klamauk gesteigert wird, ist hier als kühles Kalkül inszeniert. Möbius weiß: Nichts, was einmal gedacht wurde, kann zurückgenommen werden. Die Menschheit hat keine Chance davonzukommen. Diese Mahnungen dringen jedem denkenden Zuschauer ins Hirn ein, da braucht es keinen Klamauk. Deshalb bleibt auch der Triumph der Irrenärztin, Dr. Mathilde von Zahnd, (Christina Saginth) eher nüchtern. In der Nüchternheit umso schrecklicher. Mit der Frage: Was wissen wir schon, wo uns die Digitalisierung hinführen wird, gehen wir Zuschauer nach Hause.

Eine Aufführung, die man nicht versäumen sollte.

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