Great Voices: Aida Garifullina im Wiener Konzerthaus

Wieder einer der erfolgreichen Abende aus der Liederabendserie „Great Voices“. Diesmal musste sich Aida Garifullina den Applaus mit dem wunderbaren Dirigenten Jochen Rieder teilen. Er führte das ORF Radiosymphonieorchester Wien mit einer Intensität durch die Romantik, die direkt ans Herz ging, und hatte mindestens zu gleichen Teilen an dem Erfolg des Abends beigetragen.

Romantik pur stand auf dem Programm! Mit der heiter-tänzerischen Ouvertüre „Si j’etais Roi“ von Adolphe Adam eröffnete Jochen Rieder den Abend. Und schon war man in einer schwebenden, leichten Stimmung, die den ganzen Abend über anhielt. Mit „Ah! Je veux vivre“, dem Walzerlied Juliettes aus Charles Gounods „Roméo et Juliette“ war Aida Garifullina noch nicht ganz glücklich – zu wenig temperamentvoll, zu statisch klang diese Hymne an die Schönheit des Lebens. Doch bei einem Liederabend ist das erste Lied oft heikel, der/ die Interpretin muss im Saal Stimme und Person positionieren. Gespannt warteten alle auf „Casta Diva“ aus Norma und dachten sich vielleicht im Stillen: Sie traut sich, diese Ikonenarie von Callas und Bartoli im Konzertsaal zu singen! Ganz ohne Netz der Opern-Dramatik, die diese Arie ja so kostbar, so einmalig macht. Und: Garifullina schaffte es. Allein mit der Gestaltung ihrer Stimme. Berührte durch die Schlichtheit, sich selbst als Person ganz zurücknehmend

Nach der Pause: Antonin Dvorak! Nach der flott gespielten Konzertouvertüre „Karneval“ sang Aida Garifullina sehr berührend das bekannte Lied an den Mond aus der Oper „Rusalka“ . Hier kam ihre warme Mittellage voll zur Geltung. Mit der berühmten Arie „Addio del passato“ aus Verdis „Traviata“ entlockte sie dem Publikum Bravorufe, das die manchmal scharf klingenden Höhen gerne pardonierte. Vollkommen zur Geltung konnte sie ihre warme Mittellage in den letzten drei Liedern (Tschaikowsky: Aus den sechs Romanzen, Massenet „Elegie“ und die bekannte „Mattinata“ von Leoncavallo) bringen. Jochen Rieder führte das Orchester am Ende noch in die romantische Stille eines Dorfes, wo die Welt noch in Ordnung ist: Massenet, „Tristesse du soir“ – ach, man hätte gerne noch Stunden dem Orchester und seinem einfühlsamen Dirigenten zuhören wollen.!

Garifullina gab zwei Zugaben: Puccini und Gianni Schicchi

In der kommenden Saison werden Jonas Kaufmann, Juan Diego Flórez, Anita Rachvelishvili und Simon Keenlyside gemeinsam mit Marina Rebeka im Rahmen von „Great Voices“ im Konzerthaus auftreten.

http://www.greatvoices.at