H.C.Artmann nach H.v.Kleist: Der zerbrochene Krug.

Im neuen Kellertheater SCALARAMA, dirket unter den Räumen des Theaters“ Scala“

Der langgezogene Kellerraum unter der Scala wurde ausgeräumt und als Theaterstätte adaptiert. In der Mitte der Längsseite sind der Schreibtisch des Richters, oberhalb sein Bett aufgebaut. Links und rechts davon die Bänke für die Zeugen. Auf der gegenüberliegenden Längsseite hat man die Zuschauersessel in 2 Reihen aufgebaut. Warum ich das so genau beschreibe? Weil es für die Zuseher, die ganz am rechten oder linken Rand sitzen, zeitweise problematisch wird, den Text zu verstehen. Denn notgedrungen sprechen Richter, Schreiber und Rat einmal nach rechts zu den Zeugen, dann nach links zur Gegenseite. Mein Rat: Wenn möglich Karten in der Mitte ergattern!

Zum Stück: H.C. Artmann hat das Stück irgendwo auf dem Land im breiten Dialekt, den man leicht im Wienerisch-Niederösterreichischen ortet, angesiedelt. An der Wand hängen das Bild des Kaisers Franz Josef und ein schlichtes Kreuz, das bei jedem Wutausbruch des Richters (Peter Faerber) zu Boden fällt und vom Bauer Vitus Dimpfl (Ronald Seboth) unermüdlich aufgehängt wird. Nicht ohne sich zu bekreuzigen. Dass der Richter der schuldige Schurke ist, weiß man gleich zu Beginn, wenn er herumschwafelt, wie er zu den Wunden am Kopf gekommen ist. Nun liegt es an den Schauspielern, die Spannung und die Aufmerksamkeit des Publikums aufrecht zu erhalten. Was nicht immer gelingt, denn manche Szenen wiederholen sich zu oft oder sind nicht wirklich nötig – etwa das lange Hin- und Her um den Wein und den Käse.

Die Regisseurin Bettina Arens hat besonders deutlich gemacht, wie sehr dieser Richter Adam ein unappetitlicher Harry Weinstein ist. Wann immer es geht, greift er der Magd (Anna Sagaischek) auf den Hintern. Zu Eva (Lisa Carolin Nemec) ist er mit einer schäbigen List in die Kammer geklettert, mit dem Zweck, sie erpresserisch zu vergewaltigen. So weit kommt es nicht, weil ihr Verlobter Ruprecht (Johannes Sautner) den Lüstling vertreibt. Bei der Flucht des Missetäters geht ein Krug in Scherben. Dass der Schuldige ihn ersetzen soll, fordert die Mutter Evas, Frau Rull (Petra Strasser), lautstark. Und wie es Kleist und Artmann so wollen, wird Adam von Eva entlarvt – eine nette Umkehr der biblischen Erzählung. Gespielt wird vom Ensemble mit sehr viel Verve. Aber irgendwie bleibt den Zusehern das Lachen im Hals stecken – hat das vielleicht mit der allzu deutlichen Aktualität zu tun?

Zuletzt noch ein Tipp: Bringen Sie eine Decke mit, es ist recht kühl im Keller!

Infos und Karten:

http://www.theaterzumfuerchten.at