Hans Jürgen Heinrichs, Der kürzeste Weg führt um die Welt. Die Andere Bibliothek

Mit 75 unternimmt Hans Jürgen Heinrichs eine Rückschau auf sein Leben und geht seinen ERinnerungen als Vielreisender, Literaturinteressierter, Ethnologe und Menschensammler nach.

Herausgekommen ist ein Band ohne kontinuierliche Erzählung. Eher ein Sammelsurium an Erinnerungen. Für Literaturinteressierte sind die unterschiedlichsten Begegnungen und Liaisonen mit Intellektuellen, Dichtern, Forschern und Philosophen eventuell interssant. Als junger, unbekannter Student lernt Heinrichs bei einer langweiligen Lesung Ingeborg Bachmann kennen. Sie verlassen gemeinsam den Saal, rauchen und beginnen ein belangloses Gespräch. Der junge Student weiß zuerst nicht, welch berühmte Schriftstellerin er vor sich hat.Aus der ersten Begegnung wird mehr, Freundschaft oder noch mehr? Ingeborg Bachmann ist anfangs eher zurückhaltend, hört zu. Er, der junge Student gibt ordentlich an, beeindruckt sie mit Hölderlin, Nietzsche. Sie beginnen, einander ihre Gedichte vorzulesen. Die Liaison zwischen Frisch und Bachmann wird ausgespart, wie verbotenes Terrain. Dazwischen immer wieder Belanglosigkeiten. Doch Bachmann genießt das Zusammensein mit dem viel Jüngeren. Sie reisen nach Neapel, träumen, lesen, reden, rezitieren, genießen den andenren. Dann ein Abschied: Du kommst wieder, ja? fragt Ingeborg, die sich inzwischen Borgia nennt.

Dieser an die 100 Seiten lange Abschnitt ist wohl das Beste an dem Buch, wirkt wie eine kostbare Miniatur zwischen vielen, vielen Seiten von Belanglosigkeiten. Viele berühmte Namen fallen, alle nur anskizziert. Sie dienen dem Autor als Spiegel, als Bestätigung der Bedeutung, die er sich selbst durch andere gibt. Sein Erzählstil bleibt im Ungefähren stecken, hängen. Das mag stellenweise reizvoll sein,wird aber mühevoll, wenn man von den vielen Namen überfordert ist.

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