Hans Neuenfels: FAST NACKT. Letzte Texte

Mit einem Nachruf von Elke Heidenreich

Ich habe nie die legendären „Skandalinszenierungen“ Neuenfels gesehen, wie zum Beispiel den „Lohengrin“, wo er Raben als Hofschranzen auftreten ließ. Aber ich erinnere mich noch sehr gut an seine Inszenierung an der Josefstadt: Heiner Müller, Quartett. Da durften sich Elisabeth Trissenar, die Ehefrau von Hans Neuenfels, und Helmut Lohner ein exzellentes Altersduell liefern. Es war Lohners letzter Auftritt, und er schien es geahnt zu haben. Das Spiel dieser beiden Schauspielgranden war einfach grandios!

Nun also ist Hans Neuenfels im Februar 2022 gestorben. Dieses Buch ist gleichsam eine melancholische Rückschau – nein, nicht wie man vermuten würde, auf seine großartigen, skandalumwitterten Inszenierungen, sondern auf seine privaten Gedanken, Wünsche und Ideen, durchaus auch auf die Zukunft gerichtet, und auf das Zusammenleben mit seiner geliebten Ehefrau Elisabeth Trissenar. Ohne sie – so Neuenfels – könnte er die drohende Dialyse, dreimal pro Woche an einer Machine angehängt sein, nicht durchstehen. Wie um sich vor allzu großen Gefühlsäußerungen zu schützen, schreibt er über sich in der 3. Person, die er Johannes nennt, um dann unvermutet in die Ichform überzugehen. Das Buch ist keiner Planung unterworfen, wie die Gedanken fließen, so ist es geschrieben. Das Nachwort von Elke Heidenreich erhellt manches, was Hans Neuenfels unerklärt lässt.

Ein Buch für Theaterliebhaber.

http://www.eisele-verlag.de