Hofmannsthal: Das Bergwerk zu Falun

Landestheater Salzburg. Salzburger Festspiele 2021

© SF/Ruht Walz.: Marcel Kohler als Elis

In einem dnklen Trümmerhaufen von Betonhohlziegeln (Bühnenbild Muriel Gerstner) irrt Elis (Marcel Kohler) umher, trifft auf rätselhafte Gestalten. Alles sieht nach Endzeit, Untergang oder Unterwelt aus: Aufgebaute Mauern stürzen ein, dunkle Figuren versuchen sie vergeblich wieder aufzubauen. Wo sich diese Unterwelt der Untoten befindet, rätselt man das ganze Stück hindurch. Rätsellösungen für die verkopfte (manche würden sagen: poetische) Sprache und für die Bilder zu finden, ist die Hauptaufgabe der Zuseher. Was auf die Dauer ermüdet.

Versuch einer Inhaltsangabe (ohne Gewähr auf Richtigkeit)

Elis ist der Welt abhanden gekommen. Er hat sich in die schöne, glänzende Bergkönigin verliebt. Aber die Oberwelt hält ihn noch fest. Dort lebt die junge, ziemlich handfeste und der Gegenwart verbundene Anna. Elis verspricht ihr die Ehe. Doch am Hochzeitstag verlässt er sie und entschwindet ins Bergwerk zur Bergkönigin. Schon aus dieser sehr vereinfachten Inhaltsangabe ahnt man, wo der junge Hofmannsthalt überall in der Literatur gestöbert haben muss: Da wäre einmal das umgekehrte Undinethema: Der Mann sehnt sich nach der Unterwelt im Berg, wird in der Oberwelt untreu. Dann wäre Freud zu nennen mit seiner Psychothese vom ES, Ich und Überich. Nicht zu vergessen: Ibsen, Peer Gynt. Ganz sicher ist der junge, 25-jährige Hofmannsthal auch bei den Romantikern fündig geworden, die Erzählungen von E.T.A. Hoffmann „Die Bergwerke von Falun“ muss er gekannt haben. Die sollen ja auf eine wahre Begebenheit zurückgehen. Im Bergwerk von Fallun habe man eine Leiche eines in Vitriol eingebetteten jungen Mannes, der vor 50 Jahren verschüttet worden sei, fast unversehrt gefunden. Dass Hofmannsthal das Drama nicht sofort fertig stellte und erst viele Jahre später wieder daran zu arbeiten begann, es aber nie veröffentlichte, lässt darauf schließen, dass er starke Zweifel an dem Sujet hatte und es vielleicht nie auf der Bühne sehen wollte.. .

Gute Frage: Warum nun gerade dieses Werk?

Diese Frage mag sich wohl so mancher Besucher am Ende der Vorstellung gestellt haben. Man wolle Hofmannsthal zum 100-jährigen Jubiläum besonders feiern, meinte Schauspielintendantin Bettina Haring in einem ORF-Interview. „Jedermann“ und das Libretto zu „Elektra“ sind zu wenig Hofmannsthal? Wenn schon noch einer, dann wären andere Dramen besser geeignet als dieser Publikumsschreck.

Eines muss besoders gelobt werden: Das Team unter der Regie von Jossi Wieler schlug sich tapfer. Sprachen die unverständlichsten Sätze mit der selbstverständlichen Gelassenheit aus, wohl mit dem Hintergedanken: Über den Sinn mag sich das Publikum den Kopf zerbrechen, wir spielen nach Vorlage. Dieses war wohlwollend genug, die Schausspieler mit Applaus zu belohnen.

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