Kultursommer Semmering: Rainer Maria Rilke. Ein Abend für drei Stimmen.

Mit Tamara Metelka, Nicholas Ofczarek. Violine: Nikolai Tunkowitsch

„Reiten, reiten, reiten, durch den Tag, durch die Nacht“ – wer hat da nicht die Stimme Oskar Werners in Erinnerung? Sie peitscht den Cornet, lässt, Krieg, das Fest, die Geliebte für eine Nacht und den Tod fast hymnisch aufrauschen. Ein Wagnis allemal, das Ofczarek und seine Frau Tamara Metelka eingingen, wissend, dass sie gegen diese unvergessliche Stimme nicht ankönnen. Deshalb wählten sie einen ganz anderen Weg: Fast nüchtern, abgehackt, Wort für Wort wie Schicksal in das Pubikum geworfen, ein Rhythmus, der sich nicht ändert, egal, ob Cornet durch die ungewisse Nacht reitet, ein zärtlich-intimes Gespräch mit dem Marquis führt, das rauschende Fest in den Armen der Gräfin erlebt, inmitten der Feinde einen Heldentod stirbt. Die oft quälende Geräuschmusik der Violine (Nikolai Tunkowitsch) verstärkte diesen nüchternen Rhythmus. Was allerdings nicht ganz so einsichtig war, warum abwechselnd Ofczarek und Metelka lasen.

Nach der Pause wurde es spannend(er), da neben dem bekannten Gedicht „Karussell“ auch passend zur Zeit und den Sorgen der Menschen die wunderbaren Gedichte „Herr, es ist Zeit, der Sommer war groß“ und „Die Blätter fallen“ die Seele der Zuhörer erreichten. Wunderbar zart das Gedicht „Geburt der Venus“ – da passte die Aufteilung in männlich und weibliche Stimme sehr gut. Die abschließenden Texte „Tod der Geliebten“ und „Gedanken über den Tod“ entließen niemand in Tristesse. Denn Rilke feiert das Leben, immer, auch wenn er über den Tod dichtet. Ein großartige Schluss.

http://www.kultursommer-semmering.at