Lena Gorelik, Null bis unendlich. Rowohlt Verlag

Lena Gorelik liebt und pflegt einen schwierigen Stil. Der Leser soll sich anstrengen, über die Zeitsprünge, die abrupten Änderungen in den Protagonisten nachdenken. Denn nichts ist fix in dieser Liebesgeschichte, die auch wieder keine ist. Fix scheint nur die Liebe zu Zahlen zu sein. Elf, Null, Eins, Zwei – sie geben als Kapitelüberschriften Struktur und den drei Menschen, um die es sich handelt, Halt. Die Sprache ist so sprunghaft wie die Charaktere. Nils Liebe – so heißt der männliche Protagonist – erklärt Sanela gleich zu Beginn des Romans, dass er beschlossen hat, sie nicht mehr zu lieben. Am Ende dann kommt er zur Erkenntnis und dem Geständnis, dass er sie liebt. Viel zu viel wird da um die Liebe herumgeredet.
Sanela ist als Kind aus dem jugoslawischen Kriegsgebiet alleine nach Deutschland gekommen, kann nicht die Sprache und weiß nicht viel über das Land. Der überaus intelligente Schüler Nils Liebe freundet sich mit ihr an, hilft ihr, sich zurecht zu finden. Die Freundschaft hält so lange, bis Salena nach einer Reise in ihr Heimatdorf, wo sie nach dem Grab es Vaters sucht, einen Selbstmordversuch begeht. Da trennt er sich von ihr.

Fünfzehn Jahre später hat Sanela einen Sohn, den sie Nils-Tito nennt und der autistische Züge hat. Ihr Ehemann Clemens ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Da meldet sie sich wieder bei Nils Liebe, der inzwischen ein international anerkannter Journalist geworden ist. Sie beginnen ihre Freundschaft von neuem. Als Selena unheilbar krebskrank wird, geht Nils Liebe mit ihr durch die Hölle, bleibt aber bis zum Ende bei ihr.
Ganz ohne Kitsch und Lamento handelt die Autorin das Thema Sterben ab. Fast grausam -lustvoll führt sie aus, welche Qualen die kranke Sanela sich und Nils Liebe zufügt, um nicht in Selbstmitleid zu verfallen. Als sie eine letzte Reise ans Meer unternehmen, verschwindet sie aus dem Leben, indem sie ins Meer hinausschwimmt.
Nils Liebe nimmt die Vaterstelle für den verwaisten Nils-Tito ein.
Lena Gorelik ist keine Autorin, die „berührt“. Ihr Stil ist kalt, schneidend, erbarmungslos. Man muss sich darauf einlassen wollen.