Luigi Reitani: Höderlin übersetzen. Gedanken über den Dichter auf der Flucht. Folio Verlag

In diesem Jahr feiert man den 250. Geburtstag Hölderlins. Aber die Feiern sind im Coronafeuer verpufft. Gerade rechtzeitig vor dem Ausbruch dieses kollektiven Wahnsinns brachte der Folioverlag diesen schmalen Band (104 Seiten) des verdienten Hölderlinkenners Luigi Reitani heraus.

Luigi Reitani ist Professor für Deutsche Literatur an der Universität Udine. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher zur Literatur der Goethezeit und zur österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Seine zweibändige kommentierte italienische Ausgabe der WErke Hölderlins wurde zahlreich prämiert.

In diesem Buch nun stellt er gleich zu Beginn die Frage: „Wozu heute (noch) Hölderlin lesen?“ Eine berechtigete Frage, hat doch Lyrik an sich heute nur wenig Leser. Und Hölderlin gilt ja selbst bei Literaturaffinen als Außenseiter. Man schreibt ihn als unverständlich ab. In einer Welt, in der nur der äußere Erfolg zählt, was gelten da Zeilen wie etwa diese:

Weh mir, wo nehm‘ ich, wenn/Es Winter ist, die Blumen, und wo/Den Sonnenschein. / Und Schatten der Erde?./ Die Mauern stehn/Sprachlos und kalt, im Winde/Klirren die Fahnen. ( 2. Strophe von „Hälfte des Lebens“)

Zeilen, die unter die Haut gehen, tief eindringen und im Gedächtnis, in der Seele bleiben. Hölderlin, der von sich selbst sagte: Die Deutschen können mich nicht brauchen, wusste, dass seine Lyrik nicht für die „Tüchtigen und ERfolgsstreber“ geschrieben ist. Damals nicht und heute erst recht nicht.

Indem Reitani an einzelnen Gedichten die Probleme des Übersetzens aufzeigt, öffnet er zugleich Wege zum Verstehen. Nur Wege, Vorschläge, nie Fixinterpretationen., denn „Hölderlin lässt sich nicht auf eine einfache Formel bringen.“

Ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte! Und vielleicht dann doch hin und wieder ein Hölderlin-Gedicht lesen!

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