Macbeth im Rahmen von Impulstanz.

Musik: Kurt Schwersik, Choreografie: Johann Kresnik, Bühnenbild: Gottfried Helnwein. Tänzer und Tänzerinnen: TANZLINZ

Meine Empfehlung: Den Inhalt meint man zu kennen, dennoch ist es hilfreich, die Inhaltsangabe im Programmheft zu lesen, um sich zu erinnern, wer wen umbringt. Denn während der Performance bleibt keine Zeit mehr, sich zu orientieren. Der Anfang der Zweistunden-Blutorgie ist ja noch recht „gemütlich“: Da liegen die Leichen, fest in weißen Tüchern eingewickelt, in Badewannen, können aber auch Leichenwannen sein, wie man sie aus Fernsehkrimis kennt. Macbeth und Banquo haben erfolgreich(!) die gegen König Duncan revoltierenden Adeligen niedergemetzelt. Blut rinnt. Das große Tor im Hintergrund öffnet sich unter gewaltigen Schlägen – ein Art Priestermönch schüttet Blut und Gedärme in den Orchestergraben. Aus dem heraus hämmern die Pianisten Bela Fischer und Stefanos Vasileiadis in die Tasten. So weit, so grauslich. Anders wird es nicht mehr. In dem aus glänzend weißem Lack ausgelegten Raum (Bühnenbild Helnwein) macht sich das Blut ausgezeichnet. Damit ist das Wesentliche schon gesagt. Es folgt ein Mord nach dem anderen. -Genau nach Shakespeare.

Getanzt wird mit mörderischer Hingabe. Messertänze wie bei Derwischen, Blutrauschtänze. Tänze der Verzweiflung, Tänze der Raserei – Lady Macbeth stürzt sich aus Reue oder Verzweiflung in den Blutfluss. Einzige Abwechslung und kurze optische Atempause: Eine überdimensionierte Kinderstube, die an Alice im Wunderland erinnert. Mitten im Spiel werden die Kinder Macduffs brutal ermordet. Langsam bekomme ich genug von den Mörderspielen und warte auf das nahe Ende, bis Macduff Macbeth in einem furiosen Messerduell-Tanz tötet.

Großartige Leistung der Tänzer. Blutrausch und Totentänze verlieren im Laufe des Abends ihre Wirkung.

Freundlicher Applaus, begeistertes Kreischen einer Kleingruppe.

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