Philipp Hochmair: Stifters Novelle „Der Hagestolz“

Stifter und Bruckner! Die beiden an einem Abend, vereint im Theater Akzent.

Ein ganz anderer Hochmair! – Er schreit nicht, reißt sich nicht das Gewand vom Leib, hüpft nicht – er sitzt einfach und liest.

Dazu spielen die hervorragenden „Oberösterreichischen Salonisten“ Stücke von Anton Bruckner. Auch ein neues Hörerlebnis! So hat man Bruckner noch nie vernommen: frisch, flott, dann wieder still, zart. Peter Gillmayr Violine, Andrej Serkow Bajan (die osteuropäsiche Variante des Akkordeons), Judith Bik Violoncello und Roland Wiesinger Kontrabass zaubern die genau zur jeweiligen Textpassage passende Musik. Da kehren die jungen Männer übermütig von einem Fest zurück, dazu einen Bruckner, der rhythmisch passend heftig und kräftig jung klingt. Dann wieder tropft Schwermut aus den Instrumenten, wenn der alte Oheim auf sein Leben zurückblickt.

Der Zusammenklang zwischen Hochmairs Vortrag und der Musik machte den Abend besonders reizvoll und zu einem intensiven Erlebnis.

Was Philipp Hochmair, der sonst mit Jedermann, Werther und anderen wilden Kalibern aus der Literatur durch die diversen Bühnen tobt, wohl zu dieser stillen Erzählung bewogen haben mag? – Vielleicht, um zu beweisen, dass er es auch anders kann. Und ja – er kann es. Schon die Auswahl der Textstellen bewies, wie sehr er sich mit dieser Novelle vertraut gemacht hat. Fast kommen die Tränen, wenn er den alten Oheim in seiner selbstgewählten Einsamkeit nach der Liebe des Neffen Viktor schreien lässt. Es geht Stifter wie immer um das Thema Liebe. Bitter muss am Schluss der Geschichte der alte Mann erkennen: Zu spät, das Leben kann nicht noch einmal besser gelebt werden. Doch Viktor kann es. Er ist jung. Und hat verstanden, was ihm der einsame Greis auf den Lebensweg mitgeben wollte.

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