Platzmangel oder: Dresscode in der Oper dringend nötig!

In Wien überstürzen sich die kulturellen Ereignisse, stehlen einander die Show, müssen aus Platzmangel verlegt werden – so das Eröffnungskonzert der Wiener Festwochen, das vom Rathausplatz nach Schönbrunn transferiert wurde – wo es thematisch auch besser hinpasste. Am Rathausplatz stellt man gerade die Kulissen für den Lifeball auf – eine Mischung aus ägyptisch-antikischem Luxor-Luxuspomp mit einem Schuss Klimt, von dem man ja auch das Motto: Ver Sacrum ausborgte. Goldene Kühe, die mich an den Tanz ums goldene Kalb erinnern, goldbehelmte Jünglinge – kurz alles Gold, Geld, um das es ja letztendlich geht. Aidsbekämpfung als toller Vorwand für Aufwand.

So auch in der Burg. Zum Galaabend strömten Adabeis und Geldadel im Abendlook – weiße Pelzstola durfte nicht fehlen. Allerdings finde ich die Idee, auf die Eintrittskarte „Elegante Abendkleidung“ als Dresscode zu setzen, ganz gut. Das sollte Meyer auch auf die Opernkarte schreiben lassen. Wieso merkt er eigentlich nicht, wenn er lächelnd Abend für Abend auf der Treppe steht und „Gäste empfängt“, wie manche da angezogen, besser ausgezogen sind? In Babyshort, Ruderleiberl und den Rucksack voll mit Getränken und Speckbrot? Aber zurück zur Burg. Dort rechtfertigten Florez und Netrebko wenigstens zum Teil die hohen Ticketpreise. Den Rest des Abend konnte man unter „nett“ verbuchen. Brave Texte von Rilke oder Zweig zum Thema Frieden und Toleranz – das riecht sehr nach Gutmenschaktion, auch wenn sie von Simonischek oder Minichmayr gelesen werden.  Dass Netrebko ihren Verlobten mit auf die Bühne bringt, um seine Karriere zu puschsen, ist verständlich, aber ihm nicht gerade nützlich. Im Terzett mit ihr und Bezala konnte er nur schwer mithalten. Insgesamt ein freundlicher Abend mit wenig Tiefgang …den sollte er wohl auch nicht haben. Aber nachdenklich stimmt er schon..Während für den Lifeball alles  Gold und Lametta aufgeboten wird, werden die Flüchtlinge  in schnell errichteten Zelten untergebracht. Aus Platzmangel – heißt es.

Aber weiter zu den restlichen EVents, zu Jonas Kaufmann. Er sang nicht im Zelt, sondern im Konzerthaus. Sein Operettenabend war ausgebucht, eine „gmahte Wiesn“. Das Publikum dankte mit frenetischem Apllaus, wohlwollend über die Schwächen seiner Stimme im ersten Teil und die mangelhafte Technik (er sang mit Mikro) hinweghörend. Im Moment kann Kaufmann ja alles singen. Selbst zu Fuchs, du hast die Gans gestohlen werden die Fans noch applaudieren. Ich hatte ihn jedenfalls schon besser gehört. Abe die Stimmschwäche erkklärt sich wohl aus der langen Liste der Konzerte, die Kaufmann seit dem 14. April im Zweitagesrhythmus wuer durch die Lande gegeben hatte.

Vor und in der Oper gibt man ein Wagnerspecial. Live am Platz können alle mithören – vom Mitsehen kann man bei der schlechten Qualität der Videowall nich reden. Wie immer meine Frage: Wann, Herr Direktor, bekommen wir eine bessere Leinwand???