Clémence Michallon: Our last resort. Blanvaletverlag
- Silvia Matras
- vor 5 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Untertitel: Teilst du das Zimmer mit einem Mörder? Deutsch von Urban Hofstetter
Der Verlag teilt das Buch dem Genre Psychothriller zu. Das ist nur zum Teil zutreffend. als es um zwei ungeklärte Morde geht. Worum es aber der Autorin mehr geht, ist die Chronik einer Sekte und ihrer Opfer:
Gabriel und Frida sind eines der vielen Kinder, die keine Eltern mehr haben oder nie gehabt haben. Ungeliebte, ungewollte, unbequeme Kinder, abgeschoben in diese nach fast klösterlichen Regeln geführte "Festung", aus der es kaum oder nur sehr schwer ein Entkommen gibt. Geführt wird es von einem geheimnisvollen Émile, mit unnachgibiger Härte. Das Leben in dieser Festung ist eintönig, freudlos, asketisch. in dieser emotionalen Wüste schließen Gabriel und Frida Freundschaft, werden verraut wie Geschwister. So wie alle Mädchen wird auch Frida mit 18 Jahren von Émile vergewaltigt. Beihilfe leistet eine gewisse Elisabeth, die so etwas wie die rechte Hand des Direktors ist.
Darauhin beschließen Gabriel und Frida zu fliehen. Davor jedoh zünden sie das Büro dieses Ungeheuers an. Dabei kommt nicht Émile ums Leben, sondern seine Helferin.
Das Leben in der freien Wildbahn fordert alles von ihnen ab: Sie kämpfen sich durch bittere Armut, studieren, bekommen einen lukrativen Job. Gabriel heiratet die reiche und schöne Anna. Nach 2 Jahren wird sie tot im Wasser aufgefunden. Mord! Und der Ehemann wird beschuldigt
Die Autorin rollt den Roman von 2 Zeitebenen auf: Einmal kehrt sie gedanklich in die Zeit ihrer Kindheit zurück, dann wieder springt sie in die jüngste Vergangenheit, dann nach dem Mord an Anna. Bis dann ein neuer Mord passiert und wieder Gabriel verdächtigt wird....
Insgesamt ein leicht lesbarer Roman mit intressanter Kerngeschichte über die Kindheit in einer Sekte (Österreichische Leser werden sofort an Mühl erinnert). Für Spannung sorgen die zwei - mit der toten Elisabeth eigentlich drei Morde. Die Aufklärung jedoch folgt nicht der Logik, sondern eher vagen "Gefühlserkenntnissen". Das trübt ein wenig das Lesevergnügen.

