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Grafenegg, 6. September 2026: Ein Sonntag des feierlich-fröhlichen Abschieds von Rudolf Buchbinder

Silvia Matras
9. Sept.
4 Min. Lesezeit

Rudolf Buchbinder und das Orchestra Giovanile Luigi Cherubini © Wolf-Dieter Grabner
Rudolf Buchbinder und das Orchestra Giovanile Luigi Cherubini © Wolf-Dieter Grabner

Wie für dieses Fest bestellt, gab die Sonne ihren Segen über diesen Tag. Sie wärmte von früh bis fast zum Einbruch des Abends, überzog die Wiesen und Bäume mit dem ganz besonderen Licht des Spätsommers. Musik lag in der Luft, von 11h früh bis spät in die Nacht. Mit spielerischer Fröhlichkeit wurde der Abschied des Mannes gefeiert, der durch 20 Jahre hindurch dieses wunderbare Festival geleitet hat: Rudolf Buchbinder!


Matinee: Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker: Bruno Delepelaire, Ludwig Quandt, Solène Kermarrec (die einzige Frau!), Nikolaus Römisch, Uladzimir Sinkevich, Moritz Huemer, Martin Menking,Knut Weber, Stephan Koncz, David Riniker,Constantin Heise, Martin Löhr


Mit Charme moderierte Ludwig Quandt die Matinee ein. Eigentlich gab es ja nichts zu lachen, meinte er, denn ihnen allen seien am Vortag vom englischen Zoll bei der Ausreise die Celli konfisziert worden. Nun mussten alle mit ihrem "Zweitcello" spielen. "Ich hoffe, man hört es nicht", meinte er verschmitzt lächelnd. Was man hörte, war höchste Qualitäst und ganz besonders sympathisch: ihre große Spielfreude.

Als Einstimmung spielten sie den "Hymnus für 12 Violoncelli" von Julius Klengel - eine sanfte Melodie, die als "Geburtshelfer des Ensembles" bei jedem Auftritt zu hören ist - so Ludwig Quandt.

Bis zur Pause hörte man Bekanntes ("La vie en rose" von Louis Guglielmi und Edith Piaf)und vor allem die Komposition des Kollegen Stepahn Koncz: "Swing on Dworak", der den Applaus dafür bescheiden und glücklich lächelnd entgegennahm.

Nach der Pause ging es weiter mit leicher Kost auf hohem musikalischen Niveau. Witzig das Stück von Giovanni Solima "Dust on my bow" (Staub auf meinem Bogen). Da war wohl zu viel Staub, denn die Katze raunzte einmal ordentlich. Bekanntes wie "Titanic" von James Horner und "Clap Yo' Hands" von George Gershwin lockten mit Tanzlust, ebenso die Tangos von Astor Piazzolla. Als Zugabe spielten sie den bekannten Song "Spiel mir das Lied vom Tod" von Ennio Moricone aus dem Western" Once Upon a Time in the West" und "Yesterday" der Beatles - zwei ideale Rausschmeißer und Stimmungsaufbereiter.


Mit bester Stimmung ging es in den Mittag. Manche hatten ihre Picknickkörbe dabei, andere Bücher. In der Sonne oder eher im Schatten wurde diskutiert oder auch ein kurzes Schläfchen gemacht. Ab 16.30 lud das


Quintetto Aneda zu einem beschwingten Abend ein. Emanuele Buzi an der Mandoline, Norberto Goncalves ebenfalls Mandoline, Valdimiro Buzi mit ener selten zu hörenden Mandola, Andrea Pace mit der Gitarre und Emiliano Piccolini am Kontrabass sorgten weiter dafür, dass der Nachmittag mit Schwung und Leichtigkeit in den Abend überging. Von Cimarosa über Verdi, Rossini, Luciano! Bellini, Ennio Morricone und Nino Rota erklangen ganz im Sinne des Tagesthemas heitere und schwingende Melodien.


Gleich danach gab der bekannte und allseits geschätzte Musikkritiker Wilhelm Sinkovicz ("Presse") eine ebenso humorvoll-beschwingte Einfühung zum Abendprogramm. Bis dahin fanden alle Events im jüngst eröffneten "Buchbindersaal" statt. Aber der "Wolkenturm" war natürlich für das Abendkonzert reserviert.


Orchestra giovanile Luigi Cherubini und Rudolf Buchbinder


Riccardo Muti konnte das Konzert leider nicht wie vorgesehen dirigieren, da er sich dringend operieren lassen musste. Daher leitete Rudolf Buchbinder das geänderte Programm vom Klavier aus.

Zu Beginn gab es herzliche Dankesworte von der Landeshauptfrau Mikl-Leitner für das großartige Engagement,mit dem Buchbinder das Festival Grafenegg geleitet hat.


Das "Orchestra giovanile Luigi Cherubini" wurde von Riccardo Mutii ins Leben gerufen. Es gibt jungen Musikern drei Jahre lang die Möglichkeit, ihr Können in der Praxis zu verfeinern.


Domenico Cimarosa (1749-1801): "Il matrimonio secreto" -Ouvertüre

Mit dieser leichten und leichfüßigen Oper ohne Tiefgang aber voller Grazie hatte der Komponist am Wiener Hof unter Leopold II. einen Riesenerfolg. Kaiser und Publikum waren so begeistert, dass die Truppe noch am selben Tag ein Dacapo spielen musste.

Das junge Orchester spielt die Ouvertüre - noch ganz ohne Dirigent Buchbinder - flott drauf los, ohne Ängstlichkeit vor möglichen "Fehlern": Musik ist ihre Freude und die des Publikums dann ebenso.

Wolfgang Amadeus Mozart: "Konzert für Klavier und Orchester in C-Dur"

Nach dem Meister Cimarosa komponiert wenig später Mozart dieses Klavierkonzert, Was für eine Flut an Themen perlt da über das Publikum herein - spielerisch leicht wechselt Mozart wie ein hüpfendes Kind von Thema zu Thema. Das Klavier hält sich noch zurück, hört zu und steigt nur ein, wenn es der Überschuss an Freude so will. Dann das Andante - darüber ist Schweigen der beste Kommentar. Denn die Tränen der Begeisterung und Rührung (ja, Rührung, zugegeben) fließen. Buchbinders Hände gleiten hauchleicht über die Tasten, schaffen flirrendes Flüstern, leisses Flehen. Das Orchester folgt schwerelos. Glücklich hört man zu und möchte, dass es nicht endet. Aber wie das bei Mozart immer der Fall ist - aus Rührung wird Übermut, Spaß im 3. Satz, dem allegro vivace.


Wolfgang Amadeus Mozart: "Konzert für Klavier und Orchester in d-Moll.

Mit Marschmusik beginnt der erste Satz, das Klavier kämpf um Anerkennung, am Ende verklingt alles sehr leise, wehmütig. Aber im 2. Satz, da übernimmt das Klavier die Führung, leitet die Themen, die dunkel und melancholisch erklingen. Am Ende siegt wie immer bei Mozart der Übermut, der kecke Einfall: Alle Traurigkeit wird mit einem heiteren Ende weggefegt.

Durch dieses Seelenbad der Gefühle leitet Rudolf Buchbinder die jungen Musiker dezent und mit Respekt vor deren Können. Deshalb lässt er streckenweise das Dirigieren sein und hört ihnen zu. Das Publikum ebenso. Begeisterter Applaus, alle stehen geschlossen auf und zeigen damit Buchbinder und den jungen Musikern ihre Hochachtung. Zum Abschluss reichen viele Zuhörer ihm Rosen und bedanken sich mit persönlichen Worten. Was für ein bewegender und würdiger Abschied!







 
 
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