Stammgäste. Jüdinnen ud Juden am Semmering. Herausgegeben von Daniella Spera. Amalthea Verlag

Der Semmering ist nicht erst seit Ende des 19. Jahrhunderts ein Treff- und Knotenpunkt der Künstler und Reichen. Kaufleute wählten auf ihrer Reise vom Norden in den Süden schon immer gerne diesen Pass. Mit dem Ausbau der Südbahn wird er für viele jüdische Familien der Mittelpunkt des Gesellschaftslebens sommers wie winters. Reiche jüdische Familien, Unternehmer und Kunstschaffende bauten Villen, Hotels im großen Stil, wo man sich traf. Bekannte Namen wie Freud, Schnitzler, später Farkas und viele andere mehr prägten das kulturelle und gesellschaftliche Bild.
Heute sind noch einige dieser einmaligen Architekturbeispiele erhalten und gegen Voranmeldung auch zu besichtigen,. Viele haben während des 2. Weltkrieges "den Besitzer gewechselt", wie das so schön euphemistisch heißt. Daniella Spera hat die Geschichte der noch bestehenden und der leider schon verschwundenen Villen genau recherchiert, Fotos ausgegraben und namhafte Kenner der Historie wie Georg Markus, Oliver Ratkolb, Richard Weihs und viele mehr um Beiträge gebeten. Es entstand ein Band, der anders als in den üblichen Klischeeslogans der Tourismusbranche von einer Zeit spricht, da jüdische Kultur bedeutsam für diese Region war.
Ein Buch, das immer wieder zum Blättern, Lesen und Nachdenken anregt. Ein Buch, das man nicht irgendwo in den Bücherregalen verschwinden lassen , sondern gleich neben der Fernsehzeitschrift als geeignete Alternative zu dem langweiligen Programm immer wieder zur Hand nehmen sollte. Jedes einzelne Kapitel birgt Überraschungen, Neues. Obwohl das Buch einiges wiegt, wäre es dennoch eine gute Idee, es im Gepäck mitzunehmen, wenn der Semmering auf dem Reiseplan steht, um darin vor Ort zu schmökern. Man sieht die Gegend dann mit anderen Augen.


