Radek Knapp, Der Gipfeldieb. Verlag Piper

Wir wissen: Radek Knapp bezaubert mit leisen Tönen, kleinen Ereignissen und Beobachtungen und mit feinem Humor. So auch wieder in dem neuen Roman „Der Gipfeldieb“. Der Icherzähler ist in Polen geboren, bei seinen Großeltern aufgewachsen und mit 12 Jahren von seiner Mutter „zwangsweise“ nach Wien entführt worden. Diesen Bruch in seinem Leben konnte er ihr lange nicht verzeihen. Gegen seinen Willen bekommt er mit 34 Jahren die öst. Staatsbürgerschaft -irgendwie von seiner Mutter eingefädelt. Darüber ist er gar nicht glücklich, denn es droht ihm die Einberufung zum Heer. Diesem kann er sich durch eine geeschickt Charade entziehen und leistet 3 Monate Zivildienst im Altersheim.
Dieser Plot klingt aufs erste nicht gerade umwerfend interessant. Was aber der Autor daraus macht, ist feinste Prosa. In schlichter Sprache kommen Entdeckungen über das Leben daher,dass man nur so staunt. Man fühlt sich wie Alice im Wunderland: Die einfachsten Dinge des Lebens werden ganz neu gesehen. Wendungen im Leben des Icherzählers sind ungewohnt, verblüffend. So auch seine Entscheidungen. Ob er die Fixanstellung im Altersheim annehmen soll? Köstlich dazu der Weg zur Entscheidungsfindung. Der Erzähler ist keiner, der sich dem Mainstream hingibt, denn er weiß:“Alles, was altmodisch ist, hat eine große Zukunft vor sich.“ So schätzt er auch besonders Menschen, die sich nicht in das Schema Ottonormalverbraucher einordnen lassen, wie etwa den Gipfelstürmer, der von allen großen Gipfeln einen Stein abgebrochen hat. Aus dieser Sammlung schenkt er dem Erzähler einen – er soll sein Glücksstein werden.
Radek Knapp reiht sich mit diesem Roman in die große Tradition der Schelmenromane ein. Sein Schelm stellt sich ähnlich wie Don Quijote gegen den Strom der Zeit. Das Buch tut gut, weil es von der Langsamkeit im Leben schwärmt, von schrulligen, liebenswerten Menschen erzählt und von einer Abwendung von der so genannten digitalen, schönen, neuen Welt.