Sally Potter: The Party. Burgtheater.

Regie: Anne Lenk, Bühne: Bettina Meyer. Kostüme: Sibylle Wallum. Aus dem Englischen von Frank Heibert.

Überraschung Nr. 1: Es darf in der Burg gelacht werden. Das ist einem ja in letzter Zeit so ziemlich vergangen!

Überraschung Nr. 2: Man braucht für diese Aufführung ausnahmsweise keine Gehörschützer! ( Für“Bakchen“ und „Dies irae“ – unbedingt!)

Wo Sally Potter draufsteht, da ist Lachen, zumindest Schmunzeln, angesagt.Sie weiß, wie man der (britischen) Gesellschaft, besonders den Intellektuellen zu Leibe rückt. Als Filmemacherin hat sie sich mit „Orlando“, „Tango Lesson“ und eben auch mit „The Party“ einen Namen gemacht.

Alles muss trendig sein, über drüber. Man trinkt, man raucht sich ein, man ist lesbisch, man ist esoterisch, man ist rebellisch, man ist kritisch-zynisch, man ist karrierebewusst. Nein – karrieresüchtig. Janet (schusselig und sehr deutsch: Dörte Lyssewski) ist mit Leib und Seele linksliberale Politikerin, hat intensiv für ein soziales Gesundheitssystem gekämpft. Nun ist sie zur Gesundheitsministerin ernannt worden. Das muss gefeiert werden. Sie lädt Freunde zur Party.

Auf drei verschiedenen Ebenen lässt Bettina Meyer die Figuren parallel agieren – was durchaus witzige Gleichzeitigkeiten ermöglicht. Im Badezimmer und Flur wird gekotzt, in der Küche gekocht, im Wohnzimmer steht der esoterische Coach Gottfried (Markus Hering) Kopf, der dritte stiert vor sich hin. Dieser dritte ist Bill, der Ehemann der frischgekürten Gesundheitsministerin – großartig Peter Simonischek. Er stiert und schweigt die Hälfte des Stückes. Als er endlich redet, platzt die Bombe, die das „amikale Beisammensein“ zerlegt. Ab da ist nichts mehr wie früher. Großarartig auch Regina Fritsch als die intellektuelle Zynikerin, die letztlich als einzige unbeschadete aus dem Schlamassel hervorgeht. Ein gutes Schauspielerteam, eine spritzige Handlung (bis auf das zu häufige Kotzen), ein überraschender Schluss: Und schon ist es ein gelungener Abend.

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