Theater Akzent: Alan Bennett, Die souveräne Leserin. Es las: Birgit Minichmayr. Musik: „Sonare“ und der Countertenor Alex Mühlbacher

Sicher erinnern Sie sich, mit welchem Vergnügen Sie dieses Buch gelesen haben und dabei ununterbrochen geschmunzelt, oft gekichert oder gar laut gelacht haben. Alan Bennett gelingt es mit der feinen Klinge des Humors, gebrämt mit einem Hauch Ironie, ein ungewöhnliches, fiktives Charakterbild der Queen zu entwerfen. Er stilisiert sie zu einer klugen, hinterlistigen Dame, die mit Charme die Heerschar ihrer Bediensteten in Aufruhr bringt, Politiker dezent auf ihre Unbelesenheit, um nicht zu sagen Kulturlosigkeit stößt eund ihren allzu geregelten Pflichtenalltag durch Bücher zu versüßen. Gut verpackt, gleichsam durch die Hintertür des Humors, bekommt man auch eine Lektion über den Wert der Literatur mit. Fazit: Ein Leben ohne Bücher geht gar nicht – flott ausgedrückt. Das vermittelt auch die Queen ihren Mitarbeitern, die mit diesem neuen „Hobby“ ihrer Chefin gar nicht einverstanden sind.

Nun las Birgit Minichmayr „Die souveräne Leserin“ im ausverkauften „Akzent“. Leider kürzte sie zu Gunsten der Musik den Text so kräftig, dass manche Szenen sich nicht voll entfalten konnten, nur angerissen wurden. Um die Queen zu charakterisieren, verlieh sie ihr eine hohe, leicht krächzende Stimme, was aber den Charakter der toughen Queen so gar nicht traf. Dazu spielte das Streichquartett Sonare aus vollen Saiten und der Countertenor Alex Mühlbacher begeisterte das Publikum mit seinem jungenhaften Sopran. Man hörte viel englische Musik und fühlte sich wie in einem englischen Teesalon aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. Fazit: Mehr Text wäre besser gewesen!

Begeisterter Applaus!

http://www.akzent.at