Theater Akzent: Krokodile fliegen doch!

In seinem gleichnamigen Satireband behauptete Hugo Wiener, dass Krokodile nicht fliegen. Bela Koreny (s. Titelfoto) jedoch meint, sie fliegen doch! An diesem besonderen Abend im Theater Akzent brachten unter Korenys inspirierter Begleitung am Klavier Lilian Klebow, Stella Grigorian, Karl Markovics und Wolf Bachofner die Viecher doch zum Fliegen! Lilian Klebow zeigte ihre satirisch-komische Seite, Stella Gregorian ließ ihre Vergangenheit als Opernsängerin aufblitzen, Karl Markovics besang das Hintergründige, um es Wienerisch auszudrücken: das Hinterfotzige, und Wolf Bachofner war für den Wiener Schmäh zuständig.

Markovics überraschte das Publikum mit subversivem Humor („Mein Weib will mich verlassen“ und „Der guade, oide Franz“) und einem bösen Lied über die Karriere eines österreichischen Beamten („Der Beamte/ Kreisler). Mit Irrwitz spielte er den an Un- und Wedersinn unübertroffenen Skatch „Grünbaum konferiert mit sich selbst“. Den stärksten Moment des Abends lieferte er mit dem Lied von Charles Aznavour in deutscher Fassung : I bin a Homo. Es ist ein Lied über das Dilemma eines jungen Menschen, der sich in seinem von der Umwelt aufoktrouiertem Geschlecht nicht wohl fühlt. Ein Lied des Leidens, als Zugabe und Vorschau auf seinen „Aznavourabend“ am 22. Mai 2024 im Akzent. Was den Markovics zum Markovics macht, ist seine unbändige Kraft, jeden Song expressiv und stark „menschelnd“ spielend zu singen. Lilian Klebow war einmal die hintergründige Hildegard Knef („Von nun an gings bergab“), dann die ironische Diseuse in dem bösen Lied über die brave Frau. Gleich wieder wechselte sie zu heiteren Schmunzel- und Zungenbrechersongs. Stark wirkte Wolf Bachofner mit seinem „Gschupften Ferdl“ und Lacherfolg hatte er – eigentlich Woody Allen – mit dem absurden Text „Als ich einmal einen Elch schoss“. Stella Grigorian versuchte sich als „Seeräuber Jenny“ und „Goldfinger“. Innig sang sie eine Ballade eines russischen (?), armenischen (?) oder georgischen (?) Komponisten.

Bela Koreny war nicht nur ein charmanter Confrencier und flotter Begleiter am Klavier, sondern vor allem der Gestalter, der dem Abend die leicht melancholische Erinnerungsnote verlieh. So ließ er den ersten Teil des Abends in einer kleinen Bar enden, wo alle bei Kerzenschein den bekannten Schlager „The world goes round“ sangen und auf den gelungenen Abend anstießen.Manch einem im Publikum stiegen Erinnerungen auf an schummrige Abende in einer geliebten Wiener Bar, wo ein Klavierspieler, vielleicht Bronner oder Kreisler romantische, böse, intelligente Songs intonierte. Oder an ein Rendevous in einem kleinen Café, in dem der Pianist Melodien von Liebe, Walzerseligkeit und Wein intonierte. Vielleicht kam auch dem einen oder anderen der bittere Gedanke, dass diese „wienerischen“ Orte längst nicht mehr existieren oder wenn, dann als Kulisse für Touristen.

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