Theater IG Fokus: Königin der Berge.

Markus Zett als Turin und Christian Kohlhofer als Kater

Nach dem gleichnamigen Roman von Daniel Wisser in einer dramaturgischen Fassung von Margit Mezgolich, die auch für die Inszenierung verantwortlich ist.

In einer ehemaligen Tankstelle in Ottakring popt das IG Fokus in diesem Jahr auf. Nach der erfolgreichen Inszenierung „Der Winter tut den Fischen gut“ in einem ehemaligen Kellerlokal in der Hütteldorferstraße etablierten sie sich nun in einer aufgelassenen Tankstelle. Ein Ort so trist wie ein Heim für unheilbar Kranke nur sein kann. Die Ausstattung von Agnes Hamvas ist genial dem Thema angepasst: Krankenhausbetten, Rollstühle, in denen auch das Publikum Platz nehmen kann. Besser nicht, wenn Sie nicht während der Aufführung plötzlich mitten ins Geschehen geschoben werden wollen. Sonst bieten sich noch harte Holzstühle oder an die Wand geklebte Sitze an. Es hat fatal den Anschein, dass das Publikum ruhig ein wenig die Schmerzen des Herrn Turin, der an Multipler Sklerose unheilbar erkrankt ist, mit erleiden soll. Und das recht ausgiebig, fast ein wenig zu lange. Eindreiviertel Stunden arbeitet Herr Turin an seinem Plan, in der Schweiz um Sterbehilfe anzusuchen. Aus der Schweizer Klinik kommt auch die dafür nötige Erlaubnis – aber wie dorthin gelangen? Turins Bemühungen, Selbstmord zu begehen, scheitern: Einmal stürzt er sich samt Rollstuhl aus dem Fenster, landet aber unbeschadet auf der darunterliegenden Terrasse, dann nimmt er eine gehörige Dosis von Pulvern ein, wird aber sofort gefunden und „überlebt“.

Diese Rolle eines schon verkrüppelten, seines Körpers nicht mehr Herr seienden Menschen spielt Markus Zett mit einem Realismus, der weh tut. Man hofft während der ganzen Zeit, dass ihm der Selbstmord gelingen wird.

Umgeben ist er von drei Schwestern((Karola Niederhuber Petra Strasser, Valentina Waldner), die sich heftigst bemühen, den Patienten am Leben zu erhalten. Denn ein Selbstmord in der Klinik würde deren Ruf ruinieren. Herrlich die drei Damen, die abwechselnd Schwestern, Ehefrauen und Schwägerin darstellen. Ihre Bemühungen um den Kranken gleiten in skrurrile Komik ab. Für Humor sorgt auch der Kommentar des toten Katers (Christian Kohlhofer), der so etwas wie ein guter Teufel ist und Turin zu netten Späßchen mit den Schwestern aufhetzt.

Eindringlich wird den Zuschauern ins Hirn gehämmert: Sterbehilfe ist eine zutiefst menschliche Geste der Barmherzigkeit. Leider ist in Österreich die Diskussion mit der ERinnerung an Euthanasie aus der NS-Zeit belastet. Ärzte, Verwandte, Freunde, die einem Kranken helfen und sein Leid beenden wollen, werden vom Gesetzgeber hart bestraft.

Es wäre nicht die IG FOKUS, wenn nicht immer wieder Szenen zum Schmunzeln den ERnst des Themas auflockern. Und doch ist man froh, wenn Herr Turin sein tödliches Getränk ungestört trinken darf. In der Inszenierung von Margit Mezgolich fasziniert gerade dieses Oszillieren zwischen (tödlichem!) Ernst und skurriler Komik!

Kunsttankstelle Ottakring, Grundsteingasse 45-47, Ecke Kirchstettengasse 1160 Wien.

http://www.igfokus.wordpress.com