Theater in der Josefstadt: Ostrowskij, Der Wald

Regie: Stephan Müller, Bühnenbild und Video: Sophie Lux, Kostüme: Birgit Hutter

Ein Abend (im ausverkauften Haus) voller Genuss, Spielfreude auf der Bühne -siehe Foto oben – und Spaß im Publikum. Was braucht es für so eine gelungene Aufführung? – Zunächst einmal einen griffigen Text, dann einen Regisseur, der sich nicht klüger als der Autor dünkt. Das ist Stephan Müller, ein Altmeister des Theaters, der nicht mit dem Hackbeil, sondern mit der feinen Klinge der Intelligenz und des richtigen Gespürs für Komödie, das Ensemble leitet. Wenn das Bühnenbild auch noch passt und ohne großen Aufwand Atmosphäre schafft, dann ist der Erfolg vorprogrammiert. Und zuletzt natürlich ein Ensemble, das die Komödie im Blut hat. Ohne diese bis in die kleinste Rolle gut aufeinander eingespielte Truppe ginge ja gar nichts!!!

Ostrowskij hat mit dem Stück „Der Wald“ das Kunststück vollbracht, Kritik in alle Personen hineinzupacken, Kritik die über den Rahmen der Bühne hinausstrahlt ins brisant Politische. Da ist einmal die habgierige Gutsbesitzerin Raissa, ganz hervorragend von Andrea Jonasson dargstellt. Sie zählt und hütet das Geld, möchte es vermehren, verkauft Stück für Stück ihres Waldes. Der Wald ist ihr gleichgültig, ihre Diener sind ihr gleichgültig, die Bauern verachtet sie. Sie spielt die Gottesfürchtige, die Mitleidsvolle, hat aber null Skrupel, alle nach Lust und Laune zu missbrauchen.Doch man kann ihr nicht böse sein, versprüht doch Jonasson in ihrem Spiel viel augenzwinkernden Charme. Ihr Gegenspieler ist der schlaue Bauer Iwan Petrow. Zur großen Freude eine Wiederbegegnung mit dem quicklebendigen Marcello de Nardo! Auch ihm schaut die Gier aus den Augen, er buckelt vor der Gutsherrin, blinzelt aus seiner Pelzmüzze, um ihre Schwachstellen genau zu orten. Sein Sohn (Tobias Reinthaller) wirkt wie der Schatten seines Vaters, auch ihm geht es ums Geld. Ganz bezaubernd ist Susanne Wiegand als die Haushälterin Ulita. Wie sie knickst, den Rock lüpft, ist ein köstliches Glanzstück. Ihr zur Seite Till Firit als der stocksteife Diener Karp, an diesem Abend als Einspringer für den erkrankten Alexander Strömer. Gegenspieler zu diesen Hofschranzen sind die vagabundierenden Schauspieler Gennadij und Arkadij. Was da Herbert Föttinger und Robert Meyer an komödiantischem Feuerwerk abziehen, zählt zu den Sternstunden des Theaters. Wie aus einer Shakespearekomödie herausgefallen geistert Meyer als ein dumm- schlauer Puck durch den Wald und den Park, während Föttinger sich als Hamlet oder Oberon in die Scheinwelt des Theaters flüchtet. Es spielen ja alle ihr Spiel, und alle wissen es. Diese Doppelbödigkeit genießen Schauspieler und Publikum in gleichem Maß. Die schwierige Rolle des unfreiwilligen Liebhabers der alten Gutsbesitzerin meistert Claudius von Stolzmann mit verblüffender Unbekümmertheit.

Alle Fotos: Moritz Schell

Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus und Bravorufen.

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