Theater in der Otto Wagner Villa: „Geliebtes Louiserl, dein Otto Wagner“

Louise Wagner: Beatrice Gleicher, Otto Wagner: Peter Färber

Text, Konzept und Idee: Beatrice Gleicher. Regie: Erhard Pauer

In diesem wunderschönen Raum (s.Foto oben) arbeitete einst Otto Wagner an seinen Entwürfen. Es ist der einzige Raum im Erdgeschoß, der in seiner ursprünglichen Form erhalten blieb. Die Villa wurde ja nach dem Tod Wagners (1841-1918) mehrmals verkauft, stand lange leer, verfiel, bis der Maler Ernst Fuchs sie 1972 erwarb und innen nach seinem Geschmack gestaltete.

Beatrice Gleicher, Gründerin des Schauspielvereins „KunstSpielerei“ sucht und findet immer wieder für ihre historisch-biografisch angelegten Theaterabende die passenden Spielorte, wie etwa das Palais Schönborn, wo sie als Berta Zuckerkandl in ihrem Salon Gäste empfing. Nun also Otto Wagner in einem imaginären Gespräch mit der 1915 verstorbenen Ehefrau Louise, von ihm zärtlich Louiserl genannt. Ein Tischchen mit dem Foto seiner geliebten Louiserl, zwei Sessel und ein Klavier – mehr braucht es nicht an Requisiten. Ist doch der Raum selbst bestmöglichste Bühne.

Erst langsam beginnt der Zuschauer zu verstehen, dass Otto Wagner ein imaginäres Gespräch mit seiner toten Ehefrau hält. Sie gehen aufeinander zu, ohne sich zu berühren. Er redet über seine Sorgen und Pläne, die er noch hat. Erinnert sich an die Vergangenheit, an die schreckliche erste Ehe, an die schwierige Scheidung, an die zweimalige Hochzeit mit seiner geliebten Louiserl, die ihm kluge Beraterin, Zuhörerin, erotisch aufregende Gefährtin war. Sie hört sich seine Klagen über das mangelnde Interesse des Kaiser Franz Josef und des Bürgermeister Lueger an, erinnert ihn sanft an sein Versprechen, für seine Kinder immer gut zu sorgen, streicht an ihm vorbei und er meint, sie neben sich zu spüren. Es ist ein anregendes Spiel zwischen der trüben Wirklichkeit, in der ihm seine Gefährtin fehlt, und der (im Traum) herbeigesehnten Präsenz. Peter Färber hat fatale Ähnlichkeit mit Otto Wagner, verkörpert den nie rastenden, leicht aufbrausenden Architekten ausgezeichnet. Beatrice Gleicher ist eine fürsorgliche, ihn gleichsam aus dem Jenseits behütende Gefährtin, gleichzeitig aber sehr real. Aus diesem Vexierspiel zwischen real und irreal bezieht der Abend seine Stärke und Faszination.

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