Theater Scala: Glorious! Komödie von Peter Quilter

Untertitel: Die wahre Geschichte der Florence Foster Jenkins, der schlimmsten Sängerin der Welt.

Deutsch von Horst Johannig. Inszenierung und Textfassung: Rüdiger Hentzschel. Musikalische Leitung: Fritz Fischer. Bühne: Rüdiger Hentzschel. Kostüme: Anna Pollak

Florence Foster Jenkins (1868-1944) wurde als Tochter eines reichen Großindustriellen in Philadelphia geboren. Schon als Kind entwickelte sie eine Leidenschaft für Musik und Gesang, allerdings gänzlich ohne Talent und Gehör. Sie wollte immer nur eines : singen. Was sie auch tat. In Nobelhotels, in den ersten Tonstudios. Gegen Lebensende mietete sie die New Yorker Carnegie Hall und malträtierte die Gehörgänge des dennoch begeisterten Publikums.

2013 sah und hörte man am Volkstheater die großartige Maria Bill in dieser Rolle. 2015 verkörperte mit dem Mut der Selbstverleugnung Maryl Streep diese Rolle. Subtil und vielschichtig zeigte sie die verletzliche und empfindsame Seite von Florence Foster Jenkins. An ihrer Seite ebenso großartig: Hugh Grant als Ehemann und Simon Helberg als Pianist Cosmee Mac Moon.

Gegen solche Schauspielkaliber anzutreten braucht Mut. Den hat Tania Golden im Übermaß. Man muss ihren körperlichen und stimmlichen Einsatz bewundern: Sie kreischt und schreit, was das Zeug hält (Ohrstöpsel sind hilfreich!). Wirbelt über die Bühne, tänzelt, lacht und gurrt, gibt eine selbstzufriedene Florence, selbstzufrieden mit sich und ihrem Gesang. Ganz so dümmlich war aber Florence Foster Jenkins nicht. Sie hatte gesundheitliche Probleme und war gehörig von Selbstzweifeln geplagt. Der Foster, die Tania Golden verkörpert, ist Kritik an ihrem Tun fremd, muss auch allen Personen, die um sie herum tänzeln, fremd sein: Rafael Wagner spielt den Pianisten Cosmee McMoon ebenso brav und einlienig wie auch Hendrik Winkler den Ehemann Beyfield. Claudia Marold muss als bewundernde Freundin den Kreis der Adorierenden vervollkommnen. Einzig Bettina Soriat als Dienstmädchen Maria und Alexandra Maria Timmel dürfen gegen diesen Stimmterror aufmucken.

Der Regisseur Rüdiger Hentschel setzt auf Klamauk und“ Komödie total“ und verzichtet gänzlich auf differenzierte Figurenzeichnung. Tiefe darf nicht erwartet werden. Aber das wollte das Publikum auch gar nicht. Begeisterter Zwischenapplaus nach den einzelnen „Arien“ und starker Beifall und Fußgetrampel am Schluss. Dem Publikum gefiel es. Und das zählt letztendlich. Das wusste ja schon die Foster seinerzeit!

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