Volksoper: Verdi: Rigoletto

Nach Victor Hugos, Le roi s’amuse, Text von Franceso Maria Piave, Musik: Giuseppe Verdi

Zu einer der berührendsten Szenen zählt das Geständnis Gildas (Rebecca Nelson), das sie ihrem Vater Rigoletto (Boaz Daniel) nach der Befreiung aus den Gemächern des Duca macht. Vor einer schlichten Wand, ganz ohne die oft recht störende Szenerie des Filmsets der 1960er Jahre, in die der Regisseur Stephen Langridge das Geschehen versetzt, ist man ganz auf die Stimmen der beiden konzentriert. Rebecca Nelson hat die leichte Schärfe in den hohen Tönen, mit denen sie im ersten Teil zu kämpfen hatte, verloren und Boaz Daniel seine vielleicht durch leichte Indosponiertheit bedingte Heiserkeit ebenfalls. Mit „Caelo, dammi coraggio“ gelingt Rebecca Nelson das berührende Geständnis eines Mädchens, das von dem Mann, den sie liebt, entehrt wurde. Die Arie Rigolettos “ Piangi , fanciulla“ spendet Trost und Verstehen..

Insgesamt entwickelt sich die Oper nach der Pause zu intensiver Dramatik, zu ergreifenden Szenen, etwa wenn Rigoletto die Hofgesellschaft mit einem verzweifelten Schrei „pietà“ um Mitleid anfleht. Man vergisst, dass es Filmleute sind, sieht eine Gesellschaft, die egal ob adelig, bürgerlich, voller Missgunst und Schadenfreude auf das Leid reagiert. Die Idee des Regisseurs, das Geschehen parallel zu einem Filmdreh mit dem Titel „Maledizione“ („Verwünschung, Fluch) zu setzen, führt besonders in den Anfangsszenen zu unnötiger Verstörung. Etwa wenn während des Vorspiels in einem Bordell eine Prostituierte vergewaltigt und ermordet wird. Schon klar, dass damit auf den Fluch Monterones – ausgezeichnet gesungen von Andreas Mitschke) und auf die Verderbtheit des Duca (Pavel Valuzhin) angespielt wird. Im Film wird die Rolle des Verführers umgedeutet zu einem Star, der sich die Frauen „nimmt“, wie er will. Dem aber auch die Frauen willig zu Füßen liegen. So gesehen relativiert der Regisseur die Vorwürfe der Frauen, wie sie in der metoo-Bewegung aufplopen, und eröffnet eine andere Sichtweise. Pavel Valuzhin ist nicht unbedingt der strahlende Student, für den Gilda sich opfert, eher ein gedankenloser Verführer, der nichts anderes über Frauen weiß als: La donna è mobile…“

Sehr dicht und voller Innigkeit ist die Schlussszene, in der Rebecca Nelson mit der Arie „La sul caelo“ das Publikum voll mitnimmt und Boaz Daniel als gebrochener Vater in seinem Leid und der Erkenntnis, was er mit seiner Rache ausgelöst hat, überzeugen.

Insgesamt zeigt die Volksoper mit „Rigoletto“ eine sehenswerte Ensembleleistung. In den Rollen des Sparafucile überzeugen weiters Yasushi Hirano und Annely Peebo als Maddalena. Lorenz C. Aichner dirigiert das Orchester der Volksoper mit Verve, hin und wieder etwas zu laut.

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