Im Thalhof wird wieder gespielt!!

ie “wortwiege” im Thalhof unter der Leitung von Anna Maria Krassnigg ist wieder aktiv. Im wunderbaren Ambiente des Hotels “Thalhof”, wo schon Schnitzler und viele andere literarische Größen der Jahrhundertwende Urlaub machten, widmet man  sich auch heuer wieder dem Werk der großartigen Autorin Marie von Ebner-Eschenbach. Diese hervorragende Schriftstellerin wurde Jahrzehnte lang als harmlose Erzählerin von Dorfgeschichten verkannt. Erst durch die Biografie der Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl “Berühmt sein ist nichts” und die Leseausgabe ihrer Werke, herausgegeben von Evelyne Polt-Heinzl, Daniela Strigl und Ulrike Tanzer, kam frischer Wind in die Rezeptionsgeschichte dieser lange Zeit unterschätzten Autorin. 2017 formte Krassnigg aus der Erzählung “Die Totenwacht” das eindrucksvolle Drama “Am Ende eines kleinen Dorfes”. Die emotional tief gehende Rolle der Magd Anna, die vom präpotenten reichen Georg vergewaltigt wurde und ihm nach dem Tod ihrer Mutter stolz den Heiratsantrag vor die Füße schmeißt, spielte Petra Gstrein so eindrucksvoll, dass jetzt, ein Jahr später, mir noch die Szenen in Erinnerung sind.

2018 hat es sich die Theaterprinzipalin nicht leicht gemacht: Sie dramatisierte die Novelle Ebner-Eschenbachs “Das tägliche Leben”,  und die junge österreichische Schriftstellerin Theodora Bauer ließ sich davon zu einem dramatischen Gegenentwurf inspirieren. “Das tägliche Leben” ist ein Monolog, bewundernswert die Leistung der Schauspielerin Doina Weber. Eine Stunde lang steht sie auf einer Bühne (Lydia Hofmann), die mit bunten Schachteln und allerlei Krimskrams bestückt ist, und rätselt in der Rolle der Freundin der Verstorbenen, warum sich die im öffentlichen Leben so bewunderte Frau Gertrud am Vorabend ihrer silbernen Hochzeit erschossen hat. Fazit: Gertrud konnte die herablassende Behandlung ihres Ehemanns und ihrer Kinder nicht mehr ertragen. Sie wollte und konnte nicht mehr so tun, als ob alles in Ordnung sei und deshalb erschoss sie sich. “Es sind nur Nadelstiche, doch treffen sie immer dieselben Wunden”, erkennt die Freundin. Eine Ehe, die keine Ehe ist, eine Familie, für die Gertrud unsichtbar war – da zieht Gertrud den Tod dem Leben vor. Ein starker Text, doch als Monolog schwierig zu spielen. Es kam unweigerlich zu Längen, die auch die beste Schauspielkunst nicht überbrücken konnte.

Nach der Pause dann Theodora Bauers Gegenentwurf “Am Vorabend”: Aus Frau Gertrude wird die Gräfin Carné-Teguski (ebenfalls Doina Weber). Sie kommt mitten in der Nacht in die Polizeiwachstube und meldet, dass sie ihren Mann am Vorabend der silbernen Hochzeit umgebracht hat. Der junge, mit dieser Meldung völlig überforderte Polizist (köstlich Daniel Kamen) will das der Gräfin nicht glauben. Als seine Freundin Katharina (Petra Staduan) in Erwartung einer tollen Liebesnacht erotisch aufgepeppt in die Wachstube hereinschneit, ist das Chaos perfekt. Gute Situationskomik mit dem ernsten Hintergrund: Die Frau heute wehrt sich. Sie hat lange genug neben einer Hülle als Ehemann herleben müssen. Deshalb hat sie ihn kühlen Kopfes die Treppen hinunter gestoßen. Sie will ein neues Leben oder überhaupt ein Leben. Wie das aussehen soll,  das lässt die Autorin offen. Großer Spaß und viele kluge Lebensweisheiten der Gräfin!

Mit Theodora Bauer hat Krassnigg ein echtes Schreibtalent an Land gezogen.

Informationen und Tickets:

www.thalhof-wortwiege.at, Telefon: 0676/5625502

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