Beyond Dystopia

Ausstellung in der „AG 18 Urban Art Gallery- Kuratiert von „Improper Walls“

Mut und großen Optimismus bewiesen Margot und Michael Schmitz, als sie im Oktober 2018 die „AG 18 Urban Art Gallery“ gründeten. Der Name der Galerie ist Programm: Im Zentrum der Ausstellungen stehen Künstler aus dem städtischen Bereich, die in erster Linie für den öffentlichen Raum arbeiten und auf dem internationalen Kunstmarkt (noch) nicht reüssieren. „In Österreich ist es nicht einfach, ein Publikum zu finden, das sich für diese Sparte der Kunst interessiert. Wer Kunst als Spekulationsobjekt oder als Imageaufwertung kauft, wird in dieser Galerie nicht fündig werden. Unsere Zielgruppe sind Menschen, die mit Neugier und Entdeckerfreude in die Ausstellung kommen. Durch moderate Preise und inhaltliche Vielfalt reizen wir die derzeit noch geringe Kaufbereitschaft an“, erklärt Michael Schmitz im Interview mit der Autorin des Beitrages.

In der aktuellen Ausstellung „Beyond Dystopia“ stellen nur österreichische Künstler aus. Einige kommen nur aus der Street Art – Szene, einige haben sich unter anderem auch mit Street-Art beschäftigt. Es ist nicht immer leicht, in den Werken die Beschäftigung mit der Street Art -Szene nachzuvollziehen. Ursprünglich wurde sie ja aus dem öffentlichen Protest heraus geboren. Street Art war und ist ein Mittel, politisch brisante Themen im öffentlichen Raum, besonders auf Mauern zu diskutieren, zu verbreiten. Den Kunstinteressierten bekannt sind die „murales“ von Diego Rivera (1886-1957). Der mexikanischen Künstler malte die Geschichte Mexikos auf Riesenwände, um das Selbstbewusstsein der Menschen und den Stolz auf ihre Vergangenheit zu stärken. Mitte des 20.Jahrhunderts entstanden auch in Europa die ersten „murals“ oder „murales“. Als die Hirten des sardischen Bergdorfes Orgosolo erfuhren, dass auf ihren Bergweiden ein NATO Truppenübungsplatz geplant war, begann sich der Protest unter anderem auch auf den Mauern mit starken Bildern erffolgreich zu artikulieren. Als das Ladadika-Viertel in Thessaloniki durch die überbordende Nachtclubszene an Reiz verlor und die kleinen Geschäfte und Hotels wegzogen, begannen unbekannte Künstler durch Mauerbilder auf den Verfall hinzuweisen. Thessalonikis Stadtväter erkannten den touristischen Wert dieser murales und gründeten 2012 ein „Street Art Festival“ mit deutlichem Protestcharakter.

Thessaloniki, Ausschnitt aus den „murales“ November 2016, (Foto: Silvia Matras)

Stoßrichtung der „urban art“

Anders als in der „Street Art“ ist die „urban art“, wie sie in der Galerie AG18 gegenwärtig gezeigt wird, nicht unbedingt an ein Protestthema gebunden. Titel und Bildgestaltung weisen auf eine eher willkürliche Aussage hin, die sich der Betrachter selbst zurechtlegt. Etwa Fatis an islamische Kunst erinnernde Blütenarabeske oder Marielle Lehners Wolken-Naturbild in Hellblau. Geheimnisvoll ist David Leitner „Wandgemälde“, eine Mischung aus Collage, Murales und Installation. Eine deutlich aggressive Handschrift weisen hingegen die Bilder des Künstlers „Golif“ auf: Die Gesichter aus schwarzen Pinselstrichen auf grünem Grund, die Augen mit schwarzer Maske verdeckt, sind Warnung, vermischt mit Aggression und Abwehr. Colin Linde spielt mit Farben und Formen eines Miro, alles durch ein zerbrochenes Smiley ironisiert. Den gebrochenen Menschen, der zum Objekt wird, das beliebig bemalt, missbraucht und ausgestellt wird, zeigt Linda Steiner mit der blauen Skulptur.

Das Spannende an dieser Ausstellung liegt gerade in der Vielfalt der Themen, der Darstellungsformen, in dem völlig neuen Blick, den der Betrachter in sich aufrufen muss

Die Ausstellung ist noch bis Ende Februar oder länger (genaues Datum ungewiss) zu sehen.

AG18 – URBAN ART GALLERY, Annagasse 18 1010 Wien.+43 1 293 51 26, +43 699 1236 9480, 0ffice@ag18.at

https://AG18.at/art

Kuratorin: Bärbel Vischer, Kustodin MAK Sammlung, Gegenwartskunst

Sheila Hicks, geboren 1934 in Nebraska, ist eine der wenigen Künstlerinnen, die Malerei und Webkunst miteinander verknüpfen. Ihr großes Wissen um indigene Webpraktiken ist neben dem Studium der Malerei und Architektur Grundlage ihres Oeuvres.

In vier großzügig ausgestalteten Räume entwickelt sich eine Dramaturgie des Raumes aus Malerei und Skulptur. Im ersten Raum spielt die Sheila Hicks mit „Bildern“ aus Längsfäden, die im Farbverlauf in verschiedenen Rot- und Blautöne changieren.

Foto: Silvia Matras

Immer wieder aber werden aus Webbildern Halbreliefs, in denen Architekturmerkmale dominieren, indem sie die Fäden zu dreidimensionalen Säulen oder Kuben bündelt..

An Bäume und Wurzeln erinnern die in sich verschlungenen Seile, die ein bizarres Schattenbild an die Wand werfen. Daneben ragt wie eine Mahnsäule ein Baumrumpf aus geflochtene Garnenbis an die Decke. An der Stirnseite liegt ein Hügel aus gelb-orangefarbigen Pölstern aufgeschichtet. Vorhänge wehen vom Boden bis zur Decke. An orientalische Sitzkissen wiederum erinnern die in verschiedenen Größen und Farben gewebten Gebilde an der gegenüberliegenden Wand. Kommt man näher, eröffnet sich ein buntes Fadengewirr, als sähe man auf einen herbstlichen Waldboden. Der Interpretation sind keine Grenzen gesetzt.

Fotos: Silvia Matras

Am meisten beeindruckt der Raum mit monumentalen Webbildern, die Gebetsteppiche oder Tore zu alten Palästen sein könnten. Shella Hicks zitiert damit die Webkunst aus Marokko oder Peru, mit der sie sich lange befasst hat. Diesen Werken hat die Kuratorin Bärbel Vischer eindrucksvoll die Skuptur „Tor zum Garten“ von Walter Pichler gegenüber gestellt.: Ein mächtiges Tor, das den verschlossenen Eingang zu einem ägyptischen oder griechischen Palast oder zum Garten Eden sein könnte. Vielleicht spielt hier das Thema der Macht, deren Zugang der Allgemeinheit verschlossen bleibt, eine Rolle.

Abendliche Stimmung im MAK. Foto: Silvia Matras

http://www.MAK.at

„Beethoven bewegt.“ Kunsthistorisches Museum

Sie müssen vor den Vorhang! – die Ideengeber und Kuratoren dieser für das Museum innovativen Ausstellung: Andreas Kugler, Jasper Sharp, Stefan Weppelmann, Andreas Zimmermann.

Und natürlicher die Ausstellungsgestalter: Dani Mileo, Joris Nielander (Tom Postma Design, Amsterdam)

Diese Ausstellung überrascht, fasziniert und begeistert durch das Unerwartete! Nichts in den vier Sälen entspricht dem üblichen Ausstellungsklischee. Schon die immens vergrößerte Skulptur des Hörrohrs im Halbstock (John Baldessari) ist ganz und gar ungewöhnlich: Ruft man laut in das Rohr hinein, so hört man Musik des ertaubten Giganten. Vielleicht schaut deshalb die Büste des Kaisers ein wenig grantig drein, denn in keinem hehren Museum darf man schreien, schon gar nicht laut.

In Zusammenarbeit mit dem Musikverein entstand dieses einmalige Erlebnis von Synästhesie. Schauen und Hören verbinden sich, und man ist sofort gefangen von den unterschiedlichsten Gefühlen und Eindrücken. Noten wirbeln computereingefangen über die Zeichnungen von Jorinde Vogt. Vom Plafond hängt die geheimnisvolle Skulptur eines zertrümmerten Klaviers der Künstlerin Rebecca Horn. Die kaputten Tasten fahren mit einem ziemlichen Knall heraus – als hätte Beethoven gerade voller Wut auf das Instrument eingehämmert. In der Mitte steht prominent die Skulptur von Rodin „Das eherne Zeitalter“. Da mag man sich fragen, welchen Bezug sie zu Beethoven hat. Sich fragen, sich wundern, bewundern ist in dieser Ausstellung die Maxime. Alles darf gedeutet werden. Nicht beliebig, sondern mit Sorgfalt und Bedacht ist hier einem Genie und seinen genialen Zeitgenossen nachzuhorchen. Bei den Klängen der „Waldsteinsonate“ und der letzten Klaviersonate in c-moll op.111. Mit welcher Wucht und innerem Kampf Beethoven seine Kompositionen zu Papier brachte, erkennt man in den Originalnotenblättern: wild, wütend, durchgestrichen, überschrieben, ausradiert. (Alles Saal I)

Saal II: Stille

Im abgedunkelten Saal der Stille leuchten die Bilder in zweifacher Form: real von den Wänden und im Bodenspiegel. Es ist die Stille des Staunens, der Ehrfurcht vor der Größe des/der Genies. Magie erstrahlt und lässt jeden verstummen vor der Wucht des Eindrucks, wie aus Dunkel das Helle der Werke hervorstrahlt: Der machtvolle Prometheus, der Feuerbringer, der Menschenermöglicher, dann die boshaften Caprichos Goyas, der ebenso an Taubheit litt wie Beethoven und ebensolche genialen Werke aus seinem Leiden heraus schuf. An der Stirnwand fährt ein Eisbrecher durch das wässrige Eis, über das ein Mensch marschiert. Er scheint mit kraftvoller Ruhe das Schiff zu ziehen. Es ist der Künstler selbst, der sich dem Risiko Tod aussetzt und dabei filmen lässt. Wie ein Schritt aus der Idee hinaus in die nüchterne Realität: das originale Hörrohr Beethovens. Sich vorzustellen, welche Qualen es ihm verursachte! In der Stille dieses Raumes bekommt der Laie eine leise Ahnung von der Wucht, die den Künstler zu seinem Schaffen zwingt.

Saal III

Oben, in der Kuhle zwischen Decke und Wand, läuft das Bekenntnis Beethovens zur Natur als sinnstifende Lebenskraft: „Wie froh bin ich einmal in Gebüschen, Wäldern, unter Bäumen, Kräutern, Felsen wandeln zu können. Kein Mensch kann das Land so lieben wie ich- geben doch die Wälder, Bäume, Felsen den Widerhall, den der Mensch wünscht.“ – Den Widerhall der Natur“ kann Beethoven in seiner Seele hören, aus ihm schöpft er Kraft. Diese machtvolle Quelle setzt er um. Dazu sollte man Teile der 3. Sinfonie hören – aber leider, viel zu leise. Schade.

Saal IV – der Saal der Ver-Wunderung

Zwei Künstlerinnen reden und tanzen – „Beethoven bewegt“? – eine Minimalperformance zu einer vom Zuhörer ungehörten Musik. Verwundern darf sein. Vorher konnte man ausgiebig bewundern.

http://www.khm.at und http://www.beethovenbewegt.at

Die Ausstellung ist noch bis 24. Jänner 2021 zu sehen. Unbedingt ansehen!!

Zu Besuch bei der Modedesignerin und Malerin Lilo Almog im Atelier in der Millöckergasse 4.

Vis à vis des Papagenoportals des“ Theater an der Wien“ tritt man direkt von der Gasse aus in das verzauberte und bezaubernde „Gwölb“ der Künstlerin. Lilo Almog ist zwar kein Geheimtipp mehr – längst ist sie den Frauen bekannt, die nicht (nur) in H&M oder Zara herumlaufen wollen. Die vielmehr der Meinung sind, was frau trägt, ist Ausdruck ihrer Persönlichkeit.

Lilos Mode ist keine haute couture-Mode im klassischen Sinn. Was heißt, sie macht keine „Schneidermode“ nach den Maßen der Kundin. Ihre Jacken, Mäntel und Kleider passen vielen, den Schlanken wie auch den Molligen. Die Modelle überzeugen durch die Individualität, die Besonderheit der Stoffe, die teilweise mit von ihr entworfenen Mustern selbst bedruckt sind.

Aktuell arbeitet Lilo an Jacken, Boleros und Gehröcken. Mal aus einem bunten Mustermix zusammengesetzt, mal eher streng in Schwarz und Beige.

Jacken und Bolero (Detail) Fotos: Silvia Matras

Als Malerin bevorzugt Lilo Almog fast barock anmutende Motive von Pflanzen und Tieren. Man fühlt sich in die Zeit des phantastischen Realismus zurückversetzt, an Bilder von Fuchs oder Hutter. Ein Hyperrealismus, der ans Surreale grenzt, macht das Faszinosum ihrer Bilder aus.

Gefährlich nah! (Foto: Silvia Matras9
Der tiefe Blick (Foto: Silvia Matras)

Besuch jederzeit nach telefonischer Vereinbarung möglich: 0699/11737707

http://www.lilo-almog.at

Kuratiert von Charlotte Seidl.

Es ist ein strahlender Winternachmittag. Vom Gut Gasteil schaut man auf die weite Landschaft, Hügel, Wälder und Wiesen. Rund um das Gut stehen die hochragenden Frauenfiguren von Charlotte Seidl. Aus blauer, naturfarbener oder leicht rötlicher Keramik. Im Hof des Gutes begrüßen andere dieser imposanten Frauenfiguren die Gäste. Im großen Schauraum knistern große Holzscheite im Kamin. Die Wände sind mit Bildern aus den kürzlich vergangenen Austellungen geschmückt. Zwei Werke von Robert Hammerstiel (gestorben am 23. November 2020) fallen sofort ins Auge: Leuchtende Farben,voneinander scharf abgesetzt wie in Holzschnitten, sind seine typischen Stilmittel. Farben der Befreiung: Rot, Lila, Orange.

In der Galerie selbst, durch die Charlotte Seidl persönlich jeden Gast führt, sind unter anderem die zart-abstrakten Bilder von Lubomir Hnatovic zu sehen. Diese reine Poesie des Lichtes und der Farben erinnert an Turner. Neu im Kreis der Gasteilkünstler ist die Malerin Mona Seidl. Sie lebt am Traunsee. Ihre Werke sind Traumbilder des Sees. Immer wieder begeistern die poetischen Naturabstraktionen von Nadja-Dominique Hlavka. Träume am Wasser, Träume von Pflanzen, eingebettet in zart blau-grüne Farben, die in einem hellen Tag verschwimmen. Charlotte Seidls Sammlung der Keramikbilder hat sich vergrößert. Auffallend viele Frauenfiguren, die heiter und unbeschwert zu sein scheinen, bevölkern die Bildertraumwelt.

Seit mehreren Jahrzehnten wirkt Charlotte Seidl als Vorreiterin auf dem Gebiet der Ausstellungskunst. Intensiv arbeitet sie an der Schließung der Gräben, die sich zwischen Künstler, Kunstwerk und dem Publikum auftun. Sie hat Künstler ausgestellt, lange bevor sie bekannt wurden. Oder besser gesagt: Viele wurden durch sie bekannt und starteten vom Gut Gasteil aus ihren Weg in Museen und Galerien der großen Städte. Daher öffnet jede Ausstellung neue Wege für Künstler und Publikum.

Weitere Künstler in der Ausstellung „full house“: Daniele Panteghini, Anna Maria Brandstätter, Andrea Trabitsch, Mela Diamant, Andreas Sagmeister, Lotte Seyerl, Edgar Holzknecht, Manfred List, Marina Horvath. Die Ausstellung ist noch am 14., 15. bzw. am 21., 22. Dezember 2020 jeweils von 10-18h und den ganzen Winter über bis zum 25. April gegen Voranmeldung zu sehen.

Am 1. Mai 2021 wird die nächste Ausstellung mit Werken von Leena Naumanen und Angi Eisenköck eröffnet.

http://www.gutgasteil.at

Titelfoto: Mike Kelley:Kondor

Rafael Jablonka, 1952 in Polen geboren, zählt zu den profiliertesten Kunstkennern, seine Sammlung zur amerkinaschen und deutschen Kunst der 1980-er Jahre zu den bedeutendsten in der Kunstwelt. In einer Reihe von Ausstellungen werden in der Albertina Werke aus dieser umfangreichen Sammlung gezeigt werden. Für die jetzt laufende wählte Jablonka Werke von Künstlern seiner eigenen Generation, worauf der Titel hinweist.

In einem Gespräch mit Eric Fischl (Katalog S 21) erzählt Rafael Jablonska, dass er zunächst ein „etwas naiver Kurator“ war und später „Kunsthändler aus Not“ wurde. Tatsächlich ist sein Weg zum Kunstssammler recht ungewöhnlich: Zunächst studiert er in Krakau Bauwesen. Da ihm die Arbeit im Baubüro zu eintönig erschien, übersiedelte er in die BRD und begann Kunstgeschichte zu studieren, freundete sich mit Künstlern seiner Zeit an, reiste oft in die USA und begann sich auch für die amerikanische Kunst zu interessieren. Es war also der Weg eines kunstbesessenen Laien, der mit frischem und unverstelltem Blick seine Sammlung anreicherte. Die Unbekümmertheit, die aus dieser Sammlung den Besucher anweht, ist wohl eines der großen Plus. Mit diesem frischen, „naiven“ Blick lässt sich auch am besten die Sammlung betrachten. Sie verlangt keine spezielle éducation. Der Überraschungeffekt wirkt stark und direkt. Gleich im ersten Saal staunt man über die Serie der Installationen von Mike Kelley (s. Titelfoto): Bunte Glasbehälter, riesige Flaschen, in denen ganze Bauwerke oszillieren, blinken, schnarren, krachen. Eine laute, grelle Welt, aber im abgedunkeltem Raum fast schon ein Mythos. Ein Mythos von einer Zukunft, die wir gar nicht so wollen, aber in ihrer Präsentationsform doch goutieren.

Die Verblüffung ist groß – Eric Fischls Catboy – auf den ersten Blick eine heitere Figur im Katzenlook, doch aus dem Maul guckt ein scheuer Kinderblick. Francesco Clementes ernster Blick, in Rot vor schwarzem Hintergrund, lässt den Betrachter so schnell nicht los.

Diese sehr individuelle kleine Auswahl zeigt, mit vieviel Buntheit im künstlerischen Spektrum die Ausstellung aufwartet. Unbedingt ansehen. Sie ist noch bis 21. Februar zu besichtigen.

http://www.albertina.at

Kunstforum Wien zeigt Gerhard Richter

Gerhard Richter, geboren 1932 in Dresden, gilt als einer der bedeutendsten Maler der Gegenwart. Seine Bilder erzielen Millionenpreise. Das Bank Austria Kunstforum zeigt eine umfangreiche Retrospektive der Landschaftsbilder. Der Künstler behauptet gerne von sich, dass er in jedem Stil malen könne: Real, surrelal, abstrakt.

In der Ausstellung werden Bilder auf Basis von Fotomotiven, atmosphärische Landschaftsbilder mit augenzwinkerdem Hinweis auf die Ära der Romantik, abstrakte Gebirgsbilder und überaus interessante Übermalungen gezeigt.

Eine Ausstellung, die man nicht versäumen sollte. Noch zu sehen bis 14. Februar 2021.

http://www.kunstforumwien.at

Galerie Gut Gasteil zeigt Werke von Theresa Eisenmann und Peter Paszkiewicz

Ein strahlender Sommerabend. Christopher Barber stimmt auf der Gitarre die Gäste auf den Kunstgenuss ein.Weiters sorgen Wein, Schnaps, selbstgemachte Mehlspeisen und Schmankerlbrote für gute Stimmung. Der Innenhof des Gutes umschließt die Besucher mit einer ganz eigenen Atmosphäre, die nichts mit der üblichen „Vernissagelangweile“ zu tun hat. Zwischen Rosensträuchern und Olivenbäumchen stehen die maskulinen Stahlskulpturen von Johannes Seidl und die imposanten Wächterfrauen aus Keramik von Charlotte Seidl. Das Ehepaar Seidl renovierte das Gut Gasteil, das der Architekt Hubert Gessner 1924 baute, mit viel persönlichem Einsatz und eröffnete 1989 diesen wunderbaren Ort der Kunst und der Begegnung.

Therese Eisenmann

Therese Eichmann Zwei Frauen. Fotocredit: Bernhard Waldmann und Therese Eisenmann

Aufgewachsen am Fuße des Dachsteins prägte eine wilde, sehr urspüngliche Naturkraft ihre Bilder. Egal ob Tiere oder Frauenbildnisse aus verschiedenen Ländern, die Therese Eisenmann bereiste – immer strahlen ihre Werke einen vom allgemeinen Mainstream unabhängigen Kunstzugang aus.

Peter Paszkiewicz

Steinskulptur. Fotocredt: Peter Paszkiewicz

Als männliches Gegengewichtzu Eisenmanns Bildern wirken die abstrakten, kühlen Steinskulpturen des Bildhauers Peter Paszkiewicz. In Gmunden aufgewachsen absolvierte er die Bundesfachschule für Holz in Hallstatt, an der Akademie für bildende Künste in Wien entdeckte er den Stein als sein künstlerisches Material.

Charlotte Seidl: Große Frauen und kleine Szenen

Neben der Organisation der Ausstellungen und Betreuung der Künstler, die die weite Wiesenlandschaft rund um das Gut Gasteil mit ihren Werken bestücken, findet Chalotte Seidl noch Zeit und Kraft für ihre eigenen Werke. Das sind einmal die Keramikfrauen, wie die „Hohen Frauen“, die „Wartenden“, die „Wasserfrauen“ oder die „Flammenfrauen“. Dann die vielen hundert Keramikbilder, auf denen sie ihre Träume, Visionen oder eigene Erlebnisse erzählt. Bildergeschichten, die jeder Betrachter mit seiner eigenen Phantasie interpretieren kann.

Die Ausstellung Eisenmann und Paszkiewicz ist noch bis 23. August zu sehen.

Öffnungszeiten: Sa. So und Feiertag 10h bis 18h. Keine Voranmeldung nötig.

http://www.gutgasteil.at

Wilhelm Leibl in der Albertina

Wilhelm Leibl (1844-1900) gehört zu den wichtigsten Vertretern des Realismus. „Male den Menschen so wie er ist, da ist die Seele ohnehin dabei“ ist sein Motto.

Mit hingebungsvoller Geduld malt er Menschen aus seiner Umgebung, Verwandte, Freunde. Besonders berührend ist sein Bild „Drei Frauen in der Kirche“, an dem er vier Jahre arbeitete. Leider ist es in dieser Ausstellung nicht zu sehen, aber es ziert das Cover des Katalogs.

Die Ausstellung gibt einen guten Überblick über Leibls Schaffen. Besonders interessant sind die Frauenporträts, wie zum Beispiel das der lesenden Frau. In innerer Gefasstheit konzentriert sie sich ganz auf das Buch – es ist wahrscheinlich die Bibel. Die Augen sind gesenkt, dennoch spürt man das Wachsein, die Andacht. In dieser Bleistiftarbeit ist alles enthalten, was Leibls Porträts so wertvoll macht: Schlichtheit der Darstellung. Es gibt kein ablenkendes Beiwerk. Der Blick ist nach innen gerichtet, auf das Wesentliche. Posen und Prunk, mit denen Makart und später Klimt seine Figuren ausstatteten, sind Leibl fremd, weil sie vom Eigentlichen ablenken.

http://www.albertina.at

Caravaggio&Bernini. Kunsthistorisches Museum

Bild: Caravaggio: Johannes der Täufer

Eine höchst sinnliche, erotische, ja sogar theatralische Ausstellung!

War die Kunst bis ca. 1600 von einer kühlen, distanzierten Darstellung des Heiligen und ihrer Akteure, der Heiligen und Märtyrer, geprägt, so setzen Caravaggio und der um zwei Jahrzehnte jüngere Bernini auf Emotionen. Dramatische Darstellungen der Leidenden, Leidenschaften, wie sie vorher noch nie gezeigt wurden, charakterisieren das Werk dieser beiden genialen Künstler.

Caravaggios Leben war eine einzige emotionelle Hochschaubahn. In seinem kurzen Leben (1571-1610) bestimmte sein jähzorniger, rebellischer Charakter seinen Werdegang: In Rom war er bald der angesagte Maler. Als er in einem Streit seinen Widersacher tötete, musste er nach Malta fliehen, wo er ebenfalls in Raufhändel verwickelt wurde. Er starb mit 39 Jahren. Seine Vor-Liebe für schöne junge Männer spiegelt sich deutlich in seinen Werken wieder. Zum Beispiel in der Darstellung des Johannes des Täufers. Den haben sich viele wohl anders vorgestellt: Caravaggio malt ihn als verführerischen Jüngling, der seine Nacktheit und Lebens-Lust ganz offen zur Schau stellt. Zärtlich und provokant liebkost er den Widder.Sein Blick ist auf den Betrachter gerichtet und fordert ihn auf, die erotische Freude mit ihm zu teilen.

Bernini: Medusa. Foto:Andrea Jemolo. Sovrintnedenza Capitolina

Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) war ein weltgewandter Künstler, der seine Kontakte zur Kirche und den Fürsten geschickt auszunutzen wusste. Seine Theatralik ist subtiler als die Caravaggios. Was am Beispiel der Medusa deutlich wird: Ihr Leiden oder besser ihr Wissen um das nahende Ende (Perseus wird sie enthaupten) ist nur an dem leicht geöffneten Mund und den schmerzvoll zusammengezogenen Augenbrauen zu erahnen. Bernini war der Bildhauer der Dezenz, des Feingefühls.

Zwei nützliche Hinweise für Besucher der Ausstellung: Gleich beim Eingang zur Ausstellung, nach der Karten- und Timeslotkontrolle, findet man kleine Heftchen in Deutsch und Englisch zur freien Entnahme. Sie enthalten die gedruckte Version der Audioguides. Da der Druck klein ist und die Räume abgedunkelt sind, empfiehlt sich dennoch ein Audioguide. Allein schon wegen der sensiblen, um nicht zu sagen erotischen Stimme von Martin Löw Cadona, der die Texte zu den männlichen Darstellungen liest. Zu Hause kann man dann in Ruhe nochmals die Interpretationstexte nachlesen.

Wer die Ausstellung ohne die übliche Besucherflut genießen will, dem seien die Tage Do, Fr, Sa, So empfohlen, und zwar die Zeit nach 18h. Denn da verlassen die meisten Besucher die Ausstellung. Die Caravaggio-Bernini – Ausstellung bleibt jedoch an diesen Tagen bis 21h geöffnet. Die Ausstellung ist noch bis 19. Jänner 2020 zu sehen.

http://www.khm.at

Nein, der Titel bezieht sich nicht, wie man vermuten könnte, auf die Kunst. Sondern auf die Berge von Plastikmüll, die auf der Biennale täglich in den Bistros produziert werden. Vom Besteck über Teller, Becher und Verpackungen diverser Salate – alles Plastik. Ich saß am Ende des Tages in einem der Cafés in den „Giardini“ und beobachtete den Arbeiter, der an die fünf Riesensäcke mit diesem Abfall füllte, und stellte mir die Menge vor, die täglich von allen Bistros zusammen anfällt. Wohin damit? Ins Meer? Verbrennen? Alles keine Lösung. Ein Vorschlag zur Verbesserung: Geschirr, das man abwaschen kann.

Nun zu den Themen. Im Arsenal. Jahrmarkt oder Kunstmarkt beliebiger Sujets? Doch einige Schwerpunkte waren auszumachen, etwa die Welt Afrikas, ihre Zerstörung, die Ängste der Menschen in sprechenden Porträts ablesbar. Umwelt- Klimaprobleme treten eher in den Hintergrund. Digitalisierung und Sex mit Robotern scheint Künstler zu faszinieren und das Publikum zu unterhalten.

In den „Giardini“ bespielt erstmals eine Frau alleine den Österreichpavillon. Provokant und aufregend sollte es werden, hieß es im Vorfeld. Wer die Arbeiten von Renate Bertlmann kennt, weiß, dass alles mit einem Schuss Ironie zu nehmen ist. So auch in ihrem Biennalebeitrag. Ihrem Lieblingsthema, Vormacht und Ohnmacht des Penis, widmet sie ganze Innenwände. Im Innenhof blühen rote Rosen aus Muranoglas, in Diagonalen angeordnet. Auf den ersten Blick nett, aber nicht aufregend, wären da nicht die aggressiven Metalldornen auf jeder Blume.

Aufregender war der Russlandpavillon. Der Regisseur Alexander Sokurow bearbeitete in eindrucksvoller Form Kunstwerke aus der Petersburger Hermitage. Im Obergeschoss zitiert er die Geschichte des Verlorenen Sohnes von Rembrandt. Im dunklen Untergeschoss belebt der Installationskünstler Schischkin-Hokusai ebenfalls Bilder von Rembrandt. Auf von ihm übermalten Tableaus bewegen sich die Figuren und geben den Bildern neue Akzente. Eine starke, sinnliche Arbeit!

Infos:

http://www.labiennale.org

http://www.vela.avmspa.it

http://www.enit.at

http://vela.avmspa.it/it

https://www.labiennale.org/en

Bild: Helene Funk, Akt, in den Spiegel blickend. 1908

Durch die Ausstellung führte die Kuratorin Sabine Fellner

Wien, Stadt der Frauen? Ironie oder Statement? „Beides“, meint Sabine Fellner. Am Ende der Ausstellung gelangt man zur Überzeugung, dass Malerinnen in der Zeit zwischen 1900 und 1938 tatsächlich ein beachtlicher Durchbruch gelang. Obwohl ihnen das Studium an den verschiedenen Akademien verwehrt wurde, wurden sie als Künstlerinnen durchaus wahrgenommen. Sie stellten in der Sezession, im Hagenbund und in renommierten Galerien Wiens aus, waren gut mit dem Ausland vernetzt und waren anerkannte Weggefährtinnen der Wiener Moderne. Vielleicht waren sie nicht unbedingt die großen Neuerinnen, nie jedoch nur schlichte Nachahmerinnen. Um sich gegen die männliche Konkurrenz durchzusetzen, bedurfte es immenser Anstrengungen, sturköpfiger Ausdauer. Vor allem galt es, die Vorurteile in der Gesellschaft gegen Künstlerinnen, im Speziellen gegen Malerinnen, auszumerzen. „In der Zeit von 1900 bis 1938 machten die Frauen große Fortschritte in der Emanzipation. Nach 1945 war es aus. Entweder landeten die Künstlerinnen, weil sie Jüdinnen waren, in Lagern oder sie emigrierten.“ So Sabine Fellner. Die Bilder verschwanden in Kellern, in Privatdepots. An die Namen erinnerte sich nach 1945 kaum einer.

Sabine Fellners großes Verdienst ist es, die mehr als fünfzig Malerinnen aufgespürt zu haben. Ein wenig erzählt sie während der Führung über die schwierigen Wege des Findens.

Mit Verblüffung stellt man das immense künstlerische Potential dieser Frauen fest. Mutig malten sie Akte, obwohl Frauen der Zugang zum Aktstudium nicht erlaubt war. Mutig malten sie ihren eigenen nackten Körper oder den von geschundenen Frauen der Unterschicht. Der weibliche Körper war nicht mehr erotisches Objekt, den begierigen Augen der Bewunderer ausgesetzt, sondern opponierte gegen Macht, Männerblicke und Ausbeutung. „Gefälligere“ Themen, wie Stillleben oder Landschaften, wurden durch exzessive Pinselführung und glühende Farben zu selbstbewussten Manifesten der Eigenständigkeit.

Wer von den vielen Künstlerinnen dieser Ausstellung wird sich posthum doch noch einen Namen machen? Verdient hätte es jede einzelne.

Information zu Kunstführungen:

http://www.belvedere.at/kunstvermittlung

Joachim Meyerhoff, Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke. Kiepenheuer&Witsch

Joachim Meyerhoff nennt es einen Roman. Im Grunde aber ist es eine Autobiografie. Eine berührende und erheiternde, detailreiche Schilderung seiner Jahre in München. Er wohnt bei seinen geliebten Großeltern und absolviert die ihm verhasste Schauspielschule. Sein Leben könnte nicht kontrastreicher verlaufen: Die Großeltern sind gebildete Großbürger, er ein Philosophieprofessor in Pension, sie eine einst berühmte Schauspielerin. Sie teilen den Tagesablauf nach den alkoholischen Getränken ein: Am Morgen ist Champagnerzeit, zu Mittag leichter Wein, ab 18h Whikytime. Für die Kapriolen und Schwierigkeiten ihres Enkels haben sie jedes Verständnis. Der leidet unter der unsinnigen Ausbildung enorm, hat das Gefühl, man wolle ihm jede Scham austreiben und ihn total brechen und verbiegen.Voller Witz und absurden Einfällen reiht sich dieser Band in die Erfolgsserie seiner beiden anderen Bücher – „Tote fliegen hoch“ und „Wann wird es endlich so, wie es nie war“ ein.
Nach der Lektüre dieses Buches kann man sich nur wundern, wie Meyerhoff trotz dieser katastrophalen Ausbildung zu so einem tollen Schauspieler geworden ist. Wahrscheinlich, weil er sich nicht verbiegen ließ und seinen eigenen Weg und Stil fand.
Silvia Matras empfiehlt dieses Buch!