Kunstforum Wien zeigt Gerhard Richter

Gerhard Richter, geboren 1932 in Dresden, gilt als einer der bedeutendsten Maler der Gegenwart. Seine Bilder erzielen Millionenpreise. Das Bank Austria Kunstforum zeigt eine umfangreiche Retrospektive der Landschaftsbilder. Der Künstler behauptet gerne von sich, dass er in jedem Stil malen könne: Real, surrelal, abstrakt.

In der Ausstellung werden Bilder auf Basis von Fotomotiven, atmosphärische Landschaftsbilder mit augenzwinkerdem Hinweis auf die Ära der Romantik, abstrakte Gebirgsbilder und überaus interessante Übermalungen gezeigt.

Eine Ausstellung, die man nicht versäumen sollte. Noch zu sehen bis 14. Februar 2021.

http://www.kunstforumwien.at

Galerie Gut Gasteil zeigt Werke von Theresa Eisenmann und Peter Paszkiewicz

Ein strahlender Sommerabend. Christopher Barber stimmt auf der Gitarre die Gäste auf den Kunstgenuss ein.Weiters sorgen Wein, Schnaps, selbstgemachte Mehlspeisen und Schmankerlbrote für gute Stimmung. Der Innenhof des Gutes umschließt die Besucher mit einer ganz eigenen Atmosphäre, die nichts mit der üblichen „Vernissagelangweile“ zu tun hat. Zwischen Rosensträuchern und Olivenbäumchen stehen die maskulinen Stahlskulpturen von Johannes Seidl und die imposanten Wächterfrauen aus Keramik von Charlotte Seidl. Das Ehepaar Seidl renovierte das Gut Gasteil, das der Architekt Hubert Gessner 1924 baute, mit viel persönlichem Einsatz und eröffnete 1989 diesen wunderbaren Ort der Kunst und der Begegnung.

Therese Eisenmann

Therese Eichmann Zwei Frauen. Fotocredit: Bernhard Waldmann und Therese Eisenmann

Aufgewachsen am Fuße des Dachsteins prägte eine wilde, sehr urspüngliche Naturkraft ihre Bilder. Egal ob Tiere oder Frauenbildnisse aus verschiedenen Ländern, die Therese Eisenmann bereiste – immer strahlen ihre Werke einen vom allgemeinen Mainstream unabhängigen Kunstzugang aus.

Peter Paszkiewicz

Steinskulptur. Fotocredt: Peter Paszkiewicz

Als männliches Gegengewichtzu Eisenmanns Bildern wirken die abstrakten, kühlen Steinskulpturen des Bildhauers Peter Paszkiewicz. In Gmunden aufgewachsen absolvierte er die Bundesfachschule für Holz in Hallstatt, an der Akademie für bildende Künste in Wien entdeckte er den Stein als sein künstlerisches Material.

Charlotte Seidl: Große Frauen und kleine Szenen

Neben der Organisation der Ausstellungen und Betreuung der Künstler, die die weite Wiesenlandschaft rund um das Gut Gasteil mit ihren Werken bestücken, findet Chalotte Seidl noch Zeit und Kraft für ihre eigenen Werke. Das sind einmal die Keramikfrauen, wie die „Hohen Frauen“, die „Wartenden“, die „Wasserfrauen“ oder die „Flammenfrauen“. Dann die vielen hundert Keramikbilder, auf denen sie ihre Träume, Visionen oder eigene Erlebnisse erzählt. Bildergeschichten, die jeder Betrachter mit seiner eigenen Phantasie interpretieren kann.

Die Ausstellung Eisenmann und Paszkiewicz ist noch bis 23. August zu sehen.

Öffnungszeiten: Sa. So und Feiertag 10h bis 18h. Keine Voranmeldung nötig.

http://www.gutgasteil.at

Wilhelm Leibl in der Albertina

Wilhelm Leibl (1844-1900) gehört zu den wichtigsten Vertretern des Realismus. „Male den Menschen so wie er ist, da ist die Seele ohnehin dabei“ ist sein Motto.

Mit hingebungsvoller Geduld malt er Menschen aus seiner Umgebung, Verwandte, Freunde. Besonders berührend ist sein Bild „Drei Frauen in der Kirche“, an dem er vier Jahre arbeitete. Leider ist es in dieser Ausstellung nicht zu sehen, aber es ziert das Cover des Katalogs.

Die Ausstellung gibt einen guten Überblick über Leibls Schaffen. Besonders interessant sind die Frauenporträts, wie zum Beispiel das der lesenden Frau. In innerer Gefasstheit konzentriert sie sich ganz auf das Buch – es ist wahrscheinlich die Bibel. Die Augen sind gesenkt, dennoch spürt man das Wachsein, die Andacht. In dieser Bleistiftarbeit ist alles enthalten, was Leibls Porträts so wertvoll macht: Schlichtheit der Darstellung. Es gibt kein ablenkendes Beiwerk. Der Blick ist nach innen gerichtet, auf das Wesentliche. Posen und Prunk, mit denen Makart und später Klimt seine Figuren ausstatteten, sind Leibl fremd, weil sie vom Eigentlichen ablenken.

http://www.albertina.at

Caravaggio&Bernini. Kunsthistorisches Museum

Bild: Caravaggio: Johannes der Täufer

Eine höchst sinnliche, erotische, ja sogar theatralische Ausstellung!

War die Kunst bis ca. 1600 von einer kühlen, distanzierten Darstellung des Heiligen und ihrer Akteure, der Heiligen und Märtyrer, geprägt, so setzen Caravaggio und der um zwei Jahrzehnte jüngere Bernini auf Emotionen. Dramatische Darstellungen der Leidenden, Leidenschaften, wie sie vorher noch nie gezeigt wurden, charakterisieren das Werk dieser beiden genialen Künstler.

Caravaggios Leben war eine einzige emotionelle Hochschaubahn. In seinem kurzen Leben (1571-1610) bestimmte sein jähzorniger, rebellischer Charakter seinen Werdegang: In Rom war er bald der angesagte Maler. Als er in einem Streit seinen Widersacher tötete, musste er nach Malta fliehen, wo er ebenfalls in Raufhändel verwickelt wurde. Er starb mit 39 Jahren. Seine Vor-Liebe für schöne junge Männer spiegelt sich deutlich in seinen Werken wieder. Zum Beispiel in der Darstellung des Johannes des Täufers. Den haben sich viele wohl anders vorgestellt: Caravaggio malt ihn als verführerischen Jüngling, der seine Nacktheit und Lebens-Lust ganz offen zur Schau stellt. Zärtlich und provokant liebkost er den Widder.Sein Blick ist auf den Betrachter gerichtet und fordert ihn auf, die erotische Freude mit ihm zu teilen.

Bernini: Medusa. Foto:Andrea Jemolo. Sovrintnedenza Capitolina

Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) war ein weltgewandter Künstler, der seine Kontakte zur Kirche und den Fürsten geschickt auszunutzen wusste. Seine Theatralik ist subtiler als die Caravaggios. Was am Beispiel der Medusa deutlich wird: Ihr Leiden oder besser ihr Wissen um das nahende Ende (Perseus wird sie enthaupten) ist nur an dem leicht geöffneten Mund und den schmerzvoll zusammengezogenen Augenbrauen zu erahnen. Bernini war der Bildhauer der Dezenz, des Feingefühls.

Zwei nützliche Hinweise für Besucher der Ausstellung: Gleich beim Eingang zur Ausstellung, nach der Karten- und Timeslotkontrolle, findet man kleine Heftchen in Deutsch und Englisch zur freien Entnahme. Sie enthalten die gedruckte Version der Audioguides. Da der Druck klein ist und die Räume abgedunkelt sind, empfiehlt sich dennoch ein Audioguide. Allein schon wegen der sensiblen, um nicht zu sagen erotischen Stimme von Martin Löw Cadona, der die Texte zu den männlichen Darstellungen liest. Zu Hause kann man dann in Ruhe nochmals die Interpretationstexte nachlesen.

Wer die Ausstellung ohne die übliche Besucherflut genießen will, dem seien die Tage Do, Fr, Sa, So empfohlen, und zwar die Zeit nach 18h. Denn da verlassen die meisten Besucher die Ausstellung. Die Caravaggio-Bernini – Ausstellung bleibt jedoch an diesen Tagen bis 21h geöffnet. Die Ausstellung ist noch bis 19. Jänner 2020 zu sehen.

http://www.khm.at

Nein, der Titel bezieht sich nicht, wie man vermuten könnte, auf die Kunst. Sondern auf die Berge von Plastikmüll, die auf der Biennale täglich in den Bistros produziert werden. Vom Besteck über Teller, Becher und Verpackungen diverser Salate – alles Plastik. Ich saß am Ende des Tages in einem der Cafés in den „Giardini“ und beobachtete den Arbeiter, der an die fünf Riesensäcke mit diesem Abfall füllte, und stellte mir die Menge vor, die täglich von allen Bistros zusammen anfällt. Wohin damit? Ins Meer? Verbrennen? Alles keine Lösung. Ein Vorschlag zur Verbesserung: Geschirr, das man abwaschen kann.

Nun zu den Themen. Im Arsenal. Jahrmarkt oder Kunstmarkt beliebiger Sujets? Doch einige Schwerpunkte waren auszumachen, etwa die Welt Afrikas, ihre Zerstörung, die Ängste der Menschen in sprechenden Porträts ablesbar. Umwelt- Klimaprobleme treten eher in den Hintergrund. Digitalisierung und Sex mit Robotern scheint Künstler zu faszinieren und das Publikum zu unterhalten.

In den „Giardini“ bespielt erstmals eine Frau alleine den Österreichpavillon. Provokant und aufregend sollte es werden, hieß es im Vorfeld. Wer die Arbeiten von Renate Bertlmann kennt, weiß, dass alles mit einem Schuss Ironie zu nehmen ist. So auch in ihrem Biennalebeitrag. Ihrem Lieblingsthema, Vormacht und Ohnmacht des Penis, widmet sie ganze Innenwände. Im Innenhof blühen rote Rosen aus Muranoglas, in Diagonalen angeordnet. Auf den ersten Blick nett, aber nicht aufregend, wären da nicht die aggressiven Metalldornen auf jeder Blume.

Aufregender war der Russlandpavillon. Der Regisseur Alexander Sokurow bearbeitete in eindrucksvoller Form Kunstwerke aus der Petersburger Hermitage. Im Obergeschoss zitiert er die Geschichte des Verlorenen Sohnes von Rembrandt. Im dunklen Untergeschoss belebt der Installationskünstler Schischkin-Hokusai ebenfalls Bilder von Rembrandt. Auf von ihm übermalten Tableaus bewegen sich die Figuren und geben den Bildern neue Akzente. Eine starke, sinnliche Arbeit!

Infos:

http://www.labiennale.org

http://www.vela.avmspa.it

http://www.enit.at

http://vela.avmspa.it/it

https://www.labiennale.org/en

Bild: Helene Funk, Akt, in den Spiegel blickend. 1908

Durch die Ausstellung führte die Kuratorin Sabine Fellner

Wien, Stadt der Frauen? Ironie oder Statement? „Beides“, meint Sabine Fellner. Am Ende der Ausstellung gelangt man zur Überzeugung, dass Malerinnen in der Zeit zwischen 1900 und 1938 tatsächlich ein beachtlicher Durchbruch gelang. Obwohl ihnen das Studium an den verschiedenen Akademien verwehrt wurde, wurden sie als Künstlerinnen durchaus wahrgenommen. Sie stellten in der Sezession, im Hagenbund und in renommierten Galerien Wiens aus, waren gut mit dem Ausland vernetzt und waren anerkannte Weggefährtinnen der Wiener Moderne. Vielleicht waren sie nicht unbedingt die großen Neuerinnen, nie jedoch nur schlichte Nachahmerinnen. Um sich gegen die männliche Konkurrenz durchzusetzen, bedurfte es immenser Anstrengungen, sturköpfiger Ausdauer. Vor allem galt es, die Vorurteile in der Gesellschaft gegen Künstlerinnen, im Speziellen gegen Malerinnen, auszumerzen. „In der Zeit von 1900 bis 1938 machten die Frauen große Fortschritte in der Emanzipation. Nach 1945 war es aus. Entweder landeten die Künstlerinnen, weil sie Jüdinnen waren, in Lagern oder sie emigrierten.“ So Sabine Fellner. Die Bilder verschwanden in Kellern, in Privatdepots. An die Namen erinnerte sich nach 1945 kaum einer.

Sabine Fellners großes Verdienst ist es, die mehr als fünfzig Malerinnen aufgespürt zu haben. Ein wenig erzählt sie während der Führung über die schwierigen Wege des Findens.

Mit Verblüffung stellt man das immense künstlerische Potential dieser Frauen fest. Mutig malten sie Akte, obwohl Frauen der Zugang zum Aktstudium nicht erlaubt war. Mutig malten sie ihren eigenen nackten Körper oder den von geschundenen Frauen der Unterschicht. Der weibliche Körper war nicht mehr erotisches Objekt, den begierigen Augen der Bewunderer ausgesetzt, sondern opponierte gegen Macht, Männerblicke und Ausbeutung. „Gefälligere“ Themen, wie Stillleben oder Landschaften, wurden durch exzessive Pinselführung und glühende Farben zu selbstbewussten Manifesten der Eigenständigkeit.

Wer von den vielen Künstlerinnen dieser Ausstellung wird sich posthum doch noch einen Namen machen? Verdient hätte es jede einzelne.

Information zu Kunstführungen:

http://www.belvedere.at/kunstvermittlung

Joachim Meyerhoff, Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke. Kiepenheuer&Witsch

Joachim Meyerhoff nennt es einen Roman. Im Grunde aber ist es eine Autobiografie. Eine berührende und erheiternde, detailreiche Schilderung seiner Jahre in München. Er wohnt bei seinen geliebten Großeltern und absolviert die ihm verhasste Schauspielschule. Sein Leben könnte nicht kontrastreicher verlaufen: Die Großeltern sind gebildete Großbürger, er ein Philosophieprofessor in Pension, sie eine einst berühmte Schauspielerin. Sie teilen den Tagesablauf nach den alkoholischen Getränken ein: Am Morgen ist Champagnerzeit, zu Mittag leichter Wein, ab 18h Whikytime. Für die Kapriolen und Schwierigkeiten ihres Enkels haben sie jedes Verständnis. Der leidet unter der unsinnigen Ausbildung enorm, hat das Gefühl, man wolle ihm jede Scham austreiben und ihn total brechen und verbiegen.Voller Witz und absurden Einfällen reiht sich dieser Band in die Erfolgsserie seiner beiden anderen Bücher – „Tote fliegen hoch“ und „Wann wird es endlich so, wie es nie war“ ein.
Nach der Lektüre dieses Buches kann man sich nur wundern, wie Meyerhoff trotz dieser katastrophalen Ausbildung zu so einem tollen Schauspieler geworden ist. Wahrscheinlich, weil er sich nicht verbiegen ließ und seinen eigenen Weg und Stil fand.
Silvia Matras empfiehlt dieses Buch!