Stille Tage im Flachgau

Foto: Schloss Iglhauser, Fotocredit: Silvia Matras

Die Weyerbucht am Mattsee gehört zu den wenigen Plätzen, wo sich nicht die Gesellschaft trifft, die gesehen werden will, sondern die Menschen, die noch eine Sommerfrische nach guter alter Manier suchen. Ruhepol ist das Schloss Iglhauser. In den alten Mauern wohnt es sich wie in Zeiten, als ein Schloss noch ein Schloss war: Zimmer mit Kachelöfen, Möbel ohne „Designgehabe“. Alles gemütlich. Gefrühstückt wird bei Schönwetter in dem Vorgarten, der von weißen Blütenpflanzen und uralten Bäumen eingerahmt ist. Die Stunden verrinnen lassen, lesend im Garten direkt am Ufer des Sees, oder auf dem Tretboot über den See tuckernd -all das hat etwas Beruhigendes.

Ruhige Stunden am Ufer des Mattsees (Foto: Silvia Matras)

Wenn um 7h morgens die Glocken vom nahen Kirchturm läuten, dann heißt es raus aus den Federn, runter zum See, hinein ins Wasser. Ganz ohne Kälteschock, denn der Mattsee erreicht im Sommer gute 25-26 Grad. Nach dem Frühstück im Garten lange Zeitung lesen, vielleicht ins Dorf schauen, wo es nicht allzu viel zum Schauen gibt: Was ein Dorf so halt braucht: einen Wirt, eine Bank, Apotheke, kleine Modeläden und eine Konditorei mit dem besten Mohn- und Nussgebäck. Oder auch hausgemachtes Eis.

An manchen Tagen hat man von der Faulenzerei genug. Eine Wanderung rund um den nahen Grabensee ist angesagt. Vorbei an der kleinen Wallfahrtskirche Zellhof aus dem 17. Jahrhundert umrundet man in zwei Stunden den kleinen Grabensee, der mit dem Mattsee und dem Obertrumersee durch den Fluss Mattig verbunden ist.

Die kleine Wallfahrtskirche am Grabensee (Foto: Silvia Matras)

Einen Abend spaziert man durch den Hauptort Obertrum. Im Zentrum stehen die Zeugen mächtiger Bierbrauer, die Brauerei Sigl, der Braugasthof Sigl, in dem 1949 eine Anzahl von Filmen unter anderem mit Attila Hörbiger gedreht wurde. Im Gastgarten stehen alte Kastanienbäume, unter denen man am Abend die ausgezeichnete Küche genießen kann.

Im Teufelsgraben bei Seeham

Im Ortsteil Matzing (Obertrum) biegt man ab zum Teufelsgraben. Bei dieser Wanderung kommen KInder und Erwachsene auf ihre Rechnung. Gleich am Beginn warten neugierige Ziegen darauf, von den begeisterten Kindern gestreichelt zu werden. Über Holzbrücken steigt man hinauf zum Wildkar Wasserfall. Am Weg haben Kinder die Sage um den Teufel und die schlauen Müller bebildert und beschriftet. Eine Wanderung mit hohem Spaßfaktor!

Im Teufelsgraben (Fotos: Silvia Matras)

Henndorf am Wallersee – Künstlertreff einst und heute

Man staunt über die Vielzahl der bekannten Künstler, die sich in dem damals kleinen – heute durch einen Ring von gesichtslosen Bauten vergrößerten – Henndorf trafen. Am besten beginnt man den Spaziergang im „Literaturhaus Henndorf“ – nahe an der Kirche. Das Geburtshaus von Johannes Freumbichler, des Großvaters von Thomas Bernhard, ist heute ein kleines, aber feines Museum, wo man alles über die literarische Vergangenheit dieses Dorfes erfährt, das einst mehr Künstler anzog als Salzburg. 1926 erwarben Carl Zuckmayr und seine Frau Alice das Anwesen „Wiesmühl“. Das Haus wurde bald zum Zentrum für Literaten. Ödön von Horvath, Stefan Zweig, Johannes Freumbichler und auch der Knabe Thomas Bernhard waren hier häufig zu Gast. Wer die Wiesmühl, die jetzt im Besitz von Wichard und Johanna von Schöning ist, besuchen möchte, der meldet sich am besten im Literaturhaus an. Auf einem Literatur-Spaziergang durch Henndorf kann man unter anderem auch die Wiesmühl besichtigen. Im Literaturhaus lebt aber nicht nur die Vergangenheit, hier stellen auch Künstler und Künstlerinnen aus der Gegenwart aus. Beeindruckend zum Beispiel die Bilder der jungen Malerin Eva Baker oder das auf Holzpanelen gemalte Dschungelbild von Max Pfeiffer-Watenpuhl (1896-1976). Es wurde erst kürzlich im Zuge einer Restaurierung freigelegt.

Die Wiesmühl von Carl Zuckmayer (Foto Silvia Matras)
Literaturhaus Henndorf (Foto: Silvia Matras)
Eva Baker: Sonntagsfrauen (Foto: Silvia Matras)
Max Pfeiffer-Wartenphul: Dschungel (Foto: Silvia Matras)

Natürlich auch Salzburger Festspiele!

Es gab Karten! Für den ausgezeichneten Bariton Matthias Goerne. Er sang mit der Intensität, die einem unter die Haut geht, Lieder von Beethoven. Begleitet wurde er von dem jungen, congenialen Pianisten Jan Lisiecki. Was für ein Festabend! Einziger Wermutstropfen: Es gab nur einen Waschzettel mit den Titeln. Warum kein Programm mit allen Texten, wie sonst auch? Sparmaßnahmen am falschen Platz.

Literatur und Informationen

Siegfried Hetz, Erlebnis Salzburger Land. Band 1 Flachgau. Verlag Anton Pustet. Ein äußerst brauchbarer Ideenspender für Wanderungen abseits der Massen, die es im Flachgau ohnehin nicht gibt!

Silvia Bengesser, Literatur-landschaft Flachgau. Edition Eizenbergerhof 45, Salzburg 2017. Gut recherchiert, unabdingbarer Begleiter für alle Literaturinteressierte.

Schlosshotel Iglhauser: http://www.schlosshotel-igl.at

Anmeldung für Literatur-Spaziergang in Henndorf: Mobil: 0660/79 660 54 oder literaturhaus-henndorf@sbg.at

Ausführliches über Wiesmühl: Schriftenreihe „Wiesmühl“ Heft 3. Hrsg Tagebucharchiv Austria, Wichard und Johanna von Schöning

Das Kappel am Kietzeck über dem Sausaltal.

Blick am Morgen vom Zimmer des Hotels „Weinhof Kappel“

Alle Fotos: Silvia Matras

Ich verrate eines meiner Lieblingshotels: Der Weinhof Kappel am Sausal, im Ort Kietzeck, dem höchsten Weinort Mitteleuropas. Vom Balkon meines Zimmers schweift der Blick über die steilen Abbhänge, auf denen ein kräftiger Weißer wächst, zum Beispiel der berühmte Morillon, bis hinunter ins Tal. Da fühle ich mich „wie über der Welt schwebend“.

Die hellen Zimmer mit Naturholzmöbel und Holzboden, ein großzügiges Bad (für die Bedienung der Dusche braucht es eine Anleitung und starke Arme), ein gemütlicher Balkon für die Morgen- oder Abendmeditation lassen keine Wünsche offen. In der Früh gleich einmal ab in den geheizten Pool. Statt Chlor sorgt Salzwasser für Hygiene und Wohlbefinden. Dann geht es zum Frühstück: Ich kann den von Frau Kappel gekochten Marmeladen nicht widerstehen und koste alle durch.

Am Vormittag ist eine kurze Wanderung angesagt – zum Beispiel zum Lavendelhof in Wunsum:

Der frisch geerntete Lavendel wird zu verschiedenen Ölen, Seifen oder Säften verarbeitet. Ich kaufe viele kleine Säckchen, mit getrockeneten Blüten gefüllt. Sie halten die Motten und anderes Ungeziefer im Kasten fern.

Dann begebe ich mich auf Fotosafari nach den schönsten Blumengärten und Blumenhäusern. In der ganzen Südsteiermark gilt offensichtlich ein Gesetz: Nur wer Blumen vor dem Haus hat, gilt etwas. Je mehr und bunter, desto angesehener ist der Besitzer. Diese Regel habe ich für mich so ausgedacht, aber vielleicht gilt sie wirklich – halt ungeschrieben!

Zufrieden mit meiner Ausbeute, kehre ich zurück ins Kappel und rüste mich für das Abendessen. Ich weiß, ich muss einen ordenttlichen Hunger mitbringen, denn der Herr des Hauses bereitet ein fünfgängiges Menü vor. Da will ich keinen Gang auslassen.

Danach eine „Abendmeditation“ auf dem Balkon:

Abendliche Nebel steigen auf

Trotz der Hitze- und Nebelschwaden weiß ich, dass es am nächsten Tag Sonnenschein geben wird.

http://www.daskappel.at

http://www.wunsum.com

Im Hotel „Seefischer“ am Millstättersee

Statt Meerwasser – kühler See (aktuell 21-22°) , statt Sand – grüne Wiese. statt Betonklotz – Haus in typischer Landesarchitektur.

Der Millstättersee ist für mich der schönste See Kärntens, weil Wald und Felsen bis an die Ufer reichen und daher der Verbauung und Verhüttelung Grenzen gesetzt sind. Weil kein „Veldenbetrieb“ und kein Maskenzwang drohen – Stand 14. Juli.

Das stilvolle Hotel „Seefischer“ bietet wirklich alles, was zu einem geglückten Urlaub gehört: Eine große Wiese direkt am Ufer, daher genügend Liegen und Distanz zum Nachbar. Für Romantiker und Schattensucher lockt der Rosengarten, der seinem Namen alle Ehre macht. Ruderboote, Wasserski, Golf- und Tennisplätze in Hotelnähe stehen den Sportlern zur Verfügung . Wem der See zu kalt ist, der nützt den Innen- und Außenpool (29°), oder er wärmt sich im Saunahäuschen dirket am See auf und springt von dort gleich ins kühl-kalte Wasser.

Die schönsten Momente: Frühstücken direkt am Wasser, wenn die Schwäne mit ihren Kopfständen die Gäste entzücken, wenn die Entenmutter ihre sieben Kleinen vorführt, wenn der See spiegelglatt in der Morgensonne ruht. Apropos Frühstück: Da gibt es keine offenen Wünsche: Teesorten für jeden Gusto, Prosecco, Fruchtsäfte, Himbeeren, saftige Melonen, Käse aus der Region und vieles mehr. Vor allem aber: hausgemachte Marmeladen, die selbst Marmeladegegner überzeugen!

Abends wird bei Schönwetter auf der Terrasse mit Blick zum See serviert, meist mit dezenter Livemusik. Wenn die Sonne ihre Goldbahn über den See legt und das letzte Licht den Nachthimmel erhellt, dann ist das ein weiterer Glücksmoment.

Kultur in Millsttatt

Millstatt bezaubert durch seine Villenarchitektur aus der Jahrhundertwende, besonders aber durch das eindrucksvolle Benediktinerstift, wo im romanischen Kreuzgang regelmäßig Wechselausstellungen stattfinden. Aktuell stellen Barabara Essl ihre spannenden Verfremdungen alter Gemäuer und Hermann Staudinger seine geheimnisvollen Goldlicht-Gemälde aus.

Barbara Essl (Foto: Silvia Matras)
Hermann Staudinger (Foto Silvia Matras)

Im Kreuzgang des Stiftes (Foto: Silvia Matras)

Im Zentrum liegt die Galerie „August“ des Künstlers Jens August. Zu sehen sind unter anderem seine spannenden Wolfsfotos, seine faszinierenden Porträts alter Menschen aus dem Maltatal.

Jens August: Aus der Serie der Wolfsfotos (Foto: Silvia Matras)

Im „Kunstcafé“ am Hauptplatz bekommt man den besten italienischen Espresso. Es lohnt sich, einen Blick ins Innere zu werfen. Bunte, handbemalte Sessel und farbenfroh-witzige Tische und Sofas lockern bei Regenwetter die schlechte Laune auf.

Im Kunstcafé (Foto: Silvia Matras)

Webseiten:

http://www.seefischer.at

http://www.millstatt.at

http://www.galerie-august.com

http://www.hermannstaudinger.at

Weimar ist Erinnerungsort. Kein Haus, in dem nicht irgendein Großer aus dem Lexikon wohnte. Goethe, Schiller – klar. Vor diesen aber schon Bach, Herder, Wieland. Nach ihnen Liszt, Nietzsche, und neuerdings reiht sich auch Walter Gropius unter die großen Namen. 

Eigentlich begann alles…

Eigentlich begann alles mit Goethe, der in Weimar eine Bilderbuchkarriere hinlegte, von der ein Politiker heute nur träumen kann:  Vom Erzieher des jungen Prinzen zum Hofdichter, Minister für alles Mögliche bis zum Hofrat und Baron. Der Fall ist klar: Goethe war ein genialer Draufgänger mit dem unwahrscheinlichen Gespür für Chancen. Als er sich entschloss, aus der Großstadt Frankfurt, wo er es bestenfalls zum dichtenden Rechtsanwalt gebracht hätte, in das Operettenherzogtum Weimar zu ziehen, das auf der politischen Bühne Deutschlands nicht einmal eine Statistenrolle spielte, lachten und wunderten sich alle. Er aber wusste: In diesem Ministaat würde er den Freiraum haben, sein Image vom pubertierenden Wertherrevoluzzer abzustreifen und sich zum Künstler mit einer Prise Erhabenheit, die man später Klassik oder Klasse nennen sollte, zu  wandeln. Dass diese Erhabenheit ihn als Büstenheros in die Vitrinen der Bildungsbürgerwohnzimmer bannen wird, konnte er damals natürlich nicht ahnen. Wer weiß, vielleicht hätte ihm diese Rolle sogar gefallen.

Goethe omnipräsent in Weimar

Neuer Büstenanwärter

Anfang des 20. Jahrhunderts, genauer gesagt im April 1919, meldet ein gewisser Walter Gropius einen Anspruch auf Büste und Verehrung an. Noch ist es nicht so weit. Denn er ist eigentlich ein Noname: Sein Architekturstudium hat er abgebrochen, gebaut hat er auch nichts Nennenswertes. Außer der Glasfassadenbeschmückung für eine Schuhleistenfabrik in Alfeld kann er nichts auf seine „Werkliste“ setzen. Seine Ehe mit Alma (geschiedene Mahler) beschert ihm zwar Kontakte, ist aber im Zerbröckeln. Wahrscheinlich war es Alma, die ihn auf die Idee brachte, sich in Weimar zu bewerben. Denn eines wollte dieses ehrgeizige Sexidol ganz sicher nicht: einen unbedeutenden Ehemann in ihrer Liste der erlegten  Opfer führen.

Also reist Walter Gropius nach Weimar. Zuvor informiert er sich noch ausführlich im „Deutschen Werkbund“ und im „Arbeitsrat für Kunst“, was so an neuen Ideen im Umlauf ist. Mit diesen im Gepäck gelang ihm mit Hilfe eines einflussreichen Offiziers vom alten Adel das Husarenstück, die von Henry van de Velde gegründete Kunstgewerbeschule zu übernehmen und sie unter dem Titel „Bauhaus“ von 1919 bis 1925 als Direktor zu leiten. Van de Velde verließ bald darauf Weimar, er hatte eingesehen, dass er neben dem Organisations- und Redetalent Gropius keine Chance hatte.  Gropius‘  Stärke war auch in Weimar nicht das Bauen – außer einem Entwurf für ein Kriegerdenkmal hat er nichts Handfestes vorzuweisen. Er war Direktor, der die Fäden und die Laufbahn der Lehrer – in der Bauhaussprache mit „Meister“ angeredet – und die der Schüler bestimmte. An dieser Stelle muss unbedingt darauf hingewiesen werden, dass fast 50% der Studierenden Frauen waren. Die aber nie – auch nicht in dem jüngst eröffneten Bauhausmuseum – so richtig gewürdigt wurden.  

Flachdach gegen Giebel: Haus am Horn

Gropius weiß zu überzeugen, Sponsoren und Gelder aufzustellen, um berühmte Künstler, wie Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Schlemmer oder Gertrud Grunow, die „Meisterin“ für Tanz und Harmonielehre, an die Schule zu holen. Schwierigkeiten spielt er mit Glanzreden oder Glanzfesten hinweg. Mag sein, dass diese Feste, bei denen es nach der Vorstellung der Weimarer unziemlich zuging, zur Vertreibung des Bauhauses beitrugen. Ein weiterer Riss ging durch die heile Welt der Weimarer, als der Architekt Georg Muche „Am Horn“, dem Hügel über dem Illpark, neben die honorigen Villen in neoklassizistischen Stil eine weiße Schachtel hinbaute. Noch dazu mit Flachdach! Das war Provokation pur. Mit diesem „Musterhaus“ änderte sich die Ausrichtung des Bauhauses: Statt wie vorher Handwerk und Kunst in den einzelnen Disziplinen zu vereinen, setzte Walter Gropius mehr auf industrielle Produktion. Der moderne Mensch im Aufbruch braucht neue Wohnformen, für jeden leistbar, lautet nun die Bauhausdevise. Diesen Richtungswechsel konnten viele Meister nicht mitmachen und verließen das Bauhaus. Unter anderem Johannes Itten, der für die künstlerische Seite des Bauhauses zuständig war.  Als die national-konservativen Kräfte immer stärker wurden, sah sich Walter Gropius gezwungen, das Bauhaus mit Sack und Pack nach Dessau zu übersiedeln, wo er und die wenigen, die ihm folgten, (vorerst) mit offenen Armen aufgenommen wurden. In Dessau manifestierte er den Spruch: „Das Bauhaus bin ich!“

Museum statt Büste

„Das Bauhaus feiert sein hundertjähriges Bestehen!“ Weimar, Dessau und Berlin übertreffen einander mit neuen Museen und Festivitäten. Die Weimarer überlegten, was sie ihren Besuchern anlässlich des Bauhausgeburtstages zeigen könnten. Die Schule – natürlich, besonders das „Gropius-Zimmer“, für das er selbst die Möbel entworfen hatte. Doch es gibt einen Haken: Man darf es fotografieren, aber nicht veröffentlichen, es sei denn, man zahlt. So an die hundert Euro werden gemunkelt. Das kommt bei den Medien vielleicht nicht so gut an. Also warum nicht gleich ein neues Bauhaus-Museum. Um 27 Millionen stellte die Architektin Heike Hanada einen hellgrauen Betonkubus ins Feld. Auf die versprochene Glasarchitektur wurde aus welchen Gründen auch immer verzichtet. Heike Hanada erklärt ihr uninspiriertes Konzept so: „Indem sich der Körper nach außen abschließt, gibt er der Idee Halt. Das Gebäude selbst ist reduziert auf einen einfachen geometrischen Körper.“ Über die Ästhetik des Bauwerkes kann man unterschiedlicher Meinung sein. Ein objektives Urteil wird erst möglich sein, wenn Erdhaufen auf der Rückseite und Baumaschinen auf dem Vorplatz verschwunden sein werden und Bäume den grauen Block behübschen. Im etwas düsteren Inneren zeigt man über drei Geschoße Werke aus der Schule: Entwürfe zum Thema „Der neue Mensch im Industriezeitalter“, Pläne für die Zukunftsindustrie, Keramik, Möbel, Videos mit dem „Triadischen Ballett“ von Oskar Schlemmer und natürlich die Wiege von Peter Kaler in den typischen Bauhausformen und -farben: Blauer Kreis, gelbes Dreieck und rotes Viereck. Sie wurde zum Weimar – Bauhauslogo erhoben, das nun als Fotografie die Auslagen diverser Designgeschäfte ziert.

Bauhaus Museum Weimar

Und welche Spuren hat das Bauhaus sonst in dem nach wie vor von Schiller und Goethe regierten Städtchen hinterlassen? In den Werkstätten der „Bauhaus Universität Weimar“ wie sich die Schule heute nennt, ist Rainer Reisner Werkmeister und Herr über viele Hämmer, Zangen und Seilzüge. „Hier lernen die Studenten, mit den Händen zu arbeiten und nicht nur Computertasten zu betätigen. Das Handwerk soll hier seinen alten Stellenwert zurückbekommen“, bekennt sich Rainer Reisner zum ehemaligen Postulat des Bauhauses. Fragt man in der Stadt nach „Alumni“ (korrekter Name der Schüler) des Bauhauses, so bekommt man die Adresse der Schmuckwerkstatt von Nane Adam. Sie kreiert Ringe, deren Innenseite mit flexiblem Material ausgekleidet ist, wodurch sich der Ring den unterschiedlichen Stärken des Fingers anpasst. Ihr Motto: Funktion vor Form! Auch die Hutdesignerin und ehemalige Bauhausschülerin Claudia Köcher „baut“ ihre Hüte nach diesem Motto: „Zuerst muss die Funktion stimmen. Erst wenn die Hüte perfekt sitzen. Dann kommt die Form, die ich mit meiner Fantasie gestalte.“

„Weimar hat Brennglasfunktion zwischen Klassik und Aufbruch in die Moderne“, erklärte Wolfgang Holler, Direktor der „Klassik Stiftung Weimar“ anlässlich der Eröffnung des Museums und trifft damit genau die ambivalente Positionierung der Stadt. Klarer Sieger nach Punkten bleibt dennoch Goethe. Er dominiert das Stadtbild: Gemeinsam mit Schiller thront er auf einem Sockel vor dem Stadttheater, ein Warenhaus trägt seinen Namen, die Auslagen der Buchhandlungen sind voll mit Werken von und über ihn, in der Auslage des Perückenmachers darf er als Toupetträger herhalten, das Theater im Gewölbe spielt fast ausschließlich Stücke „aus dem Leben Goethes oder Schillers“ und nicht zuletzt wacht das Klassikduo über den Schlaf der Gäste im schicken „Dorinthotel“. Und bei Einheimischen und Touristen ist der nach den Plänen von Goethe gestaltete  Landschaftspark an der Ill noch immer Hotspot Nummer eins.  Ein Aufbruch in die Moderne?

Literatur

Bernd Polster, Walter Gropius. Der Architekt seines Ruhms. Hanser 2019. Für alle, die sich für das Bauhaus und insbesondere für dessen Gründer interessieren – ein wichtiges Buch. Der Autor rückt das Bild von Walter Gropius zurecht

 Hajo Düchting, Wie erkenne ich Bauhaus? Belser Verlag, 2. Auflage 2019. Eine gute Einführung in die künstlerischen Merkmale der Bauhaus-Produktionen.

Tom Saller, Wenn Martha tanzt, Ullstein Verlag 2019. IN einem Rückblick wird das Leben von Martha Wetzlaff geschildert, die zunächst im Weimarer Bauhaus unter Oskar Schlemmer am „Triadischen Ballett“ mitarbeitet und nach dem 2. Weltkrieg in New York große Karriere macht.

Andreas Hillger, gläserne zeit, Osburg Verlag 2019. Ein Bauhaus Roman aus der Dessauer Zeit. Geschickt eingebettet in eine Liebesgeschichte erfährt man viel über die Schwierigkeiten, die das Bauhaus auch in seinem neuen Domizil in Dessau hatte.

Informative Webseiten

http://www.naneadam.de

http://www.zwilingsnadeln.de

http://www.thueringen-entdecken.de

http://www,klassik-stiftung.de

Lanzarote ist eine Herausforderung. Die Insel aus Lava und Asche fasziniert mit ihrer herben Schönheit nicht jeden, zumindest nicht auf den ersten Blick. Doch wer einmal durch die karge Vulkanlandschaft gewandert ist, verspürt die Kraft, die diese Insel ausströmt.

Vor  vielen Millionen Jahren formten sich aus den glühenden Lavamassen die Vulkane, die nie zur Ruhekamen. Der letzte große Ausbruch war 1824. Seither lebte man „auf glühenden Kohlen“, immer in Erwartung der nächsten Katastrophe. Trotzdem blieben die Menschen. Das Leben war zwar hart, aber wirkliche Armut lernten die Lanzarotenos erst zwischen den beiden Weltkriegen kennen. Damals emigrierten viele nach Amerika, und die Insel vereinsamte.

Blick auf eines der vielen weißen Dörfer im Landesinnerenj

Teguise – die ehemalige Hauptstadt – ist denkmalgeschützt und ein Architekturjuwel

César Manrique – Hexenmeister oder Zauberlehrling?

1919 in der Hauptstadt Arrecife geboren, in Madrid Malerei, bald schon international erfolgreich. 1968 kehrt er nach Lanzerote zurück und träumt von einer Symbiose zwischen Kunst, Natur und Tourismus. Er beginnt die Insel zu einem „Schatzkästlein“ zu gestalten und stellt dafür Regeln auf:

Die alte Bausubstanz muss erhalten werden. Neue Häuser dürfen nicht höher sein als eine Palme. Die Fassaden weiß, die Türen und Fenster blau oder grün und natürlich aus Holz. Reklame ist verpönt. Als künstlerische Hotspots entstehen der Kaktusgarten, die Jameos del Agua, Cueva de los Verdes, Restaurants mit wunderbaren Ausblicken wie Mirador del Rio, Museen – unter anderem sein erstes Haus in Teguise. Und vieles mehr. Und plötzlich ist der segenbringende Tourismus zur Plage geworden. Aus dem Hexenmeister Manrique ist ein Zauberlehrling geworden, der den Strom nicht mehr eindämmen kann. 2018 kamen über drei Millionen Touristen, viele von den Kreuzfahrtschiffen, die in Riesenbussen über die Insel gekarrt werden und ihren Mist auf der Insel lassen. Wenn Kunst und Schönheit ein Lockmittel für Massen werden, verlieren sie ihren Wert.

Das Atelier Manriques in Haria

Tourismus – Segen oder Fluch?

Die Installation des englischen Künstlers im Hafen von Arrecife, direkt vor dem Kreuzfahrtmonster, zeigt eindrucksvoll die Bedrohung des Massentourismus.

Hoteltipps

Das elegante Seaside Hotel “ Los Jameos Playa“ liegt direkt am öffentlichen Strand „Playa de los Porcillos“. Architektur und Gartengestaltung weisen den Einfluss César Manriques auf. Info: www.los-jameos-playa.com

Die Feuerberge im Nationalpark Timanfaya

Die Besichtigung durch diese Wunderwelt der Vulkane ist nur mit dem Autobus des Nationalparks möglich. Die Türen bleiben während der halbstündigen Fahrt geschlossen. Fotografieren ist nur durch die ebenfalls geschlossenen Fenster möglich. W

Wanderungen

Am besten lernt man die Insel zu Fuß kennen. Stephan Isenmann lebt seit vielen Jahren auf Lanzarote und führt Wikinger-Kleingruppen in die schönsten Ecken. ( Infos unter: www.wikinger-reisen.de und www.ikarus-dodo.at)  Die Wanderungen sind leicht, maximale Gehzeit :4 Stunden. Die Werke César Manriques sind Schwerpunktthema.

Mein Hoteltipp für den Sommer im Salzkammergut: Schlosshotel Iglhauser am Mattsee

Als beruflich und privat Vielreisende ist mir eine schöne, angenehme Unterkunft besonders wichtig.  Es muss kein Luxushotel sein. Eher bevorzuge ich kleine, von  Familien geführte Hotels. Für meinen Aufenthalt während der Salzburger Festspiele fand ich den idealen Platz: Das Schlosshotel Iglhauser am Mattsee. Frau Iglhauser Senior kocht fantastisch, Herr Iglauser Senior versorgt die Gäste mit Bonmots und ist im Garten aktiv und Christiane Iglhauser ist für die Logistik verantwortlich. Die dicken, mittelalterlichen Mauern erzählen von einer langen Geschichte, als noch Adelige und Jäger in die Taverne einkehrten. Heute sorgt Frau Iglhauser für eine feine Küche. Ihre Spezialität sind gebratene Fische und Pilze aus der Region.

Jedes Zimmer ist anders eingerichtet  und erzählt von der langen Geschichte des Schlosses. Für mich besonders reizvoll ist der große gepflegte Garten direkt am Ufer des Mattsees. Iglhauser Senior hegt und pflegt seine Pflanzen, schmückt den Frühstücks- und Restaurantbereich jedes Jahr neu mit vielen weißen Blumen. Und von diesem wunderbaren Garten direkt in den warmen Mattsee zu springen, ist ein ganz besonderer Pluspunkt. Nach Salzburg sind es gerade einmal 20-25 Autominuten. Was auch sehr fein ist: Man bekommt nach der Abendvorstellung immer noch eine Mahlzeit.

Das Schlosshotel Iglhauser ist Mitglied der Vereinigung „Schlosshotels& Herrenhäuser: www.schlosshotels.co.at

Webseite: www.schlosshotel-igl.at

 

Hoteltipp für die Salzburger Festspiele: Schloss Iglhauser am Mattsee

Ich stelle ja selten einen Hoteltipp in meinen Blog. Aber der Aufenthalt im Schlosshotel Iglhauser mit ganz typisch österreichischem Flair hat mich begeistert. Schon die Lage direkt am Mattsee mit eigenem Badeplatz und schönem Garten ist ein Plus, das nur wenige Hotels rund um Salzburg aufweisen. Das Hotel wird von der Familie Iglhauser geführt: Tochter Christiane ist die Chefin, Vater Jakob kassiert und führt Schmäh, die Mutter steht von der Früh bis spät abends – auch noch nach Ende der Festspielaufführungen – in der Küche. Frau Eder ist die „Frühstückskoordinatorin“ – sie weiß um die Vorlieben ihrer Gäste. Herr Alfred ist ein österreichisches Faktotum, lang gedient und die Ruhe in Person. Alle Zimmer sind unterschiedlich groß und verschieden eingerichtet. Der durchgehende Stil: gemütlich.
Silvia Matras empfiehlt dieses Hotel.

Thema Dresscode

Auf die Gefahr hin, als völlig uncool zu gelten, stelle ich dennoch die Frage:Gibt es noch so etwas wie Dresscode? In den meisten Theatern Wiens müssen Mäntel und Rucksäcke abgegeben werden, z.B. im Theaer an der Wien, Kammeroper, Theater Akzent u.v.a.m. Nicht so in der Oper, der Burg und im Akademietheater. Da sieht man im Publikum Ladies im Nerzmantel oder im Skianorak sitzen,Männer im karierten Flanellhemd oder in T-Shirts, die besser an den Strand von Jesolo passen. Gibt man allerdings seinen Mantel in der Garderobe ab mit der Bitte, ihn auf einen Kleiderbügel zu hängen, so erhält man die Antwort: „Hams an mitbracht?“ -So geschehen in der im Untergeschoß liegenden Garderobe in der Oper (am 22.1.)
Rucksäcke werden gern mit in den Zuschauerraum genommen, damit man in der Pause Trinkflasche und Burger auspacken kann.Auf den Stufen zu jausnen gilt als cool.

Pavia – eine italienische Stadt „comme il faut“!

PAVIA

Pavia ist „meine“ schönste, typisch ittalienische Stadt, wie ich sie immer suche, nur selten finde: Lebendig, kultiviert! Die Altstadt als Fußgängerzentrum ist für die Pavesi ein riesiger Wohnsalon, den sie besonders abends frequentieren. Ein Highlight: Die Certosa! Unbedingt sehenswert. Also mein Tipp: Nicht in Mailand hängen bleiben, sondern mit dem Zug nach Pavia.