Aroa Moreno Durán: Die Tochter des Kommunisten. btb verlag

Aus dem Spanischen von Marianne Gareis

Endlich ein Roman, der anderen Art!!! Über eine Frau, die aus der DDR in den Westen flieht. Aber sich dort gar nicht zurechtfindet. Wo gehört sie hin: In ihr altes Leben kann sie nicht zurück, in dem neuen will sie nicht sein.

Katjas Eltern sind in den 1940er Jahren als überzeugte Kommunisten aus Spanien nach Berlin geflohen. Dort wird ihre Tochter Katja geboren. Sie sieht sich als Mensch der DDR, versteht ihren Vater, der an den Kommunismus glaubt. Sie lebt das Leben ohne politische Reflexion. Bis eines Tages ein Mann aus dem Westen sie immer wieder umkreist, geheimnisvoll. Eines Tages redet er sie an, sie kommen einander näher. Er möchte, dass sie zu ihm in den Westen flieht. Er würde alles vorbereiten, es sei ganz einfach. Sie zögert lange. Dann ist es die erotische Anziehung, die Sehnsucht nach diesem Mann. Sie flieht, buchstäblich bei Nacht und Nebel. Die Eltern und ihre Schwester wissen nicht, wo sie geblieben ist. Sie wissen nichts von der Flucht.

„Drüben“ angekommen, heiratet sie, bekommt zwei Mädchen. Doch immer nagt an ihr die Frage: Was denken meine Eltern, wie haben sie die Flucht aufgenommen. Eines Tages erreicht sie ein Anruf: Der Vater ist gestorben. Ab dem Zeitpunkt entschließt sie sich zur Rückkehr. Die Ehe wird geschieden. Sie reist inzwischen in das neue Berlin, 1992. Die Mutter ist im Rollstuhl, die Schwester verbittert. Im Tagebuch ihres Vaters liest sie die schreckliche Wahrheit….Der Vater wurde verhaftet, starb im Gefängnis. Die Familie wurde rundum von der Stasi bespitzelt. Katja erkennt, sie hat auch hier kein Leben – obwohl sie davon träumt, ihre beiden Töchter im neuen, alten Berlin aufwachsen zu lassen. Um ihnen zu zeigen, was alles geschehen ist, „alles nur ein notwendiges Übel“.

Mit sezierender Sprache beschreibt die Autorin die Vorgänge, ohne irgendetwas zu beschönigen. Es ist keine kalte Sprache, sondern eine, die mit der Protagonistin mitgeht, sie begleitet. Ohne Sozialromantik wird sowohl das Regime in Ostdeutschland kritisch unter die Lupe genommen, als auch das allzu satte, langweilige Leben im „goldenen Westen“. Die punktgenauen Beobachtungen, knapp, treffend machen den Reiz des Romanes aus.