Ernst Kreneks Reisebuch op.62 im Muth

Mitwirkende

Gesang: Rainer Trost – Tenor, Klavier: Julian Zeman, Lesung: Joseph Lorenz

Hätte man vorher den Text genau gelesen und vor allem auch behalten, dann hätte man den Abend eher genießen können. So litt man unter der Wortundeutlichkeit des Sängers. Rainer Trost hat eine schöne Tenorstimme, die eher zum Bariton neigt. Er bemühte sich auch, das Liedgeschehen mit Mimik und dezenter Gestik zu unterstreichen. Aber das genügte nicht. Schade, denn der junge Pianist Julian Zeman spielte mit Verve, viel Einsatz und perfektem Tempogefühl. Ernst Kreneks Reisebuch ist sowohl musikalisch als auch sprachlich eine gelungene Komposition – so weit man es an diesem Abend beurteilen konnte.

Alle, die gekommen waren, Joseph Lorenz zu erleben, wurden ein wenig enttäuscht. Denn er las nur zwei Kurztexte von Ernst Krenek. Im ersten ging es um die Verantwortung des Einzelnen im politischen Geschehen, also sehr aktuell. Der zweite Text enthielt eine von Krenek verfasste Werkbiografie. Allerdings lüftete Joseph Lorenz ein wenig den Vorhang, den er an diesem Abend über sein Talent gelegt hatte, und ließ uns als Zugabe das Rilke-Gedicht „Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß“ erleben. Und wenn ich „erleben“ schreibe, dann meine ich: Was in diesem Gedicht an Elan, Leben und Furor steckt, das vermittelte Joseph Lorenz mit seiner Interpretation. Es war „Rilke neu gelesen und erlebt!“ Vielleicht gibt es ja einmal: „Joseph Lorenz liest Rilke“!?

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