Franz Welser-Möst und die Wiener Philharmoniker: Musik von Wagner, Strauss und Schostakowitsch

Salzburger Festspiele – Großes Festspielhaus

Ein Konzertabend, der reich an Verblüffung war. Zuerst das Vorspiel zu Wagners „Parsifal“ – Welser-Möst lässt die Philharmoniker in Weihetönen schwelgen, anschwellen, er schreitet durch das Leben Parsifals. Dann schließt er die Tondichtung „Tod und Verklärung“ von Richard Strauss direkt, ohne Pause an. Etwas eigenartig, aber die beiden Werke haben viel gemeinsam – wahrscheinlich war das der Grund für die ungewöhnliche Vorgangsweise.

Gerade als man denkt, jetzt ist es aber genug mit der feierlichen Sentimentalität, erlöst die Pause von so viel Erlösungsmusik. Danach die große Spannung! – durchgehalten durch alle elf Lieder, die Schostakowitsch zur Symphonie Nr. 14 verband. (1969 Uraufführung in Leningrad). Nichts mehr von süßen Todestönen. Schostakowitsch vertonte Gedichte von Garcia Lorca, Rilke, Apollinaire und Wilhelm Küchelbecker. Sie haben alle eines gemeinsam: Sie verherrlichen den Tod nicht, sondern zeigen alle bitteren Varianten auf: Selbstmord, Tod auf dem Schlachtfeld, immer wieder den Tod des Dichters, stellvertretend für alle Künstler, die unter Stalin gefährdet waren. Düster, aber nie schwarz. Asmik Grigorian und Matthias Görne singen über den Tod mit selten erlebter Intensität. Gregorian von heller Schärfe in feine Klarheiten wechselnd, Görne bestimmt, forsch bis fordernd gegen den Tod antretend. Obwohl Russisch gesungen wurde, konnte man Gedicht für Gedicht, Zeile für Zeile mitleben. Erschütternd die Vertonung von Apollinaire: Im Kerker der Santé, gesungen von Matthias Görne. Er führt die Zuhörer in die Verzweiflung eines lebendig Begrabenen, eines Hoffnungslosen. Zauberhaft „Loreley“ nach Clemens Brentano: Grigorian lässt ihren Sopran leicht, luftig in den Raum klingen, dazwischen Görne als brummiger Bischof.

Die zweite Hälfte des Konzertes entschädigte voll und ganz für den all zu süß(lich)en ersten Teil.

Lang anhaltender Applaus und Bravorufe! http://www.salzburgerfestspiele.at