George Tabori: Mein Kampf. Burgtheater.

Regie: Itay Tiran, Bühne: Jessica Rockstroh, Kostüme: Su Sigmund

Ich habe eine leise, unsentimentale, aber starke Inszenierung im Männerheim in der Meldemannstraße gesehen. Obwohl schon mehr als 2 Jahrzehnte vergangen sind, ist mir die Aufführung in ERinnerung. Gerade wegen ihrer Schlichtheit. Dann erinnere ich mich an die Aufführung von 2008 in der Josefstadt mit Florian Teichtmeister als schüchterner Hitlerbub aus der Provinz, der sich nach und nach zum Politmonster entwickelt.

Der Regisseur Itay Tiran macht aus der fein gesponnenen Farce eine Holtertipolter- Komödie ohne Tiefgang. Man sieht dem Treiben ein wenig irritiert, ja orientierungslos zu. Immer wieder fragt man sich, ist das jetzt noch das Stück von George Tabori. Wo der feine Humor und die scharfe Ironie Taboris auf den Horrorhumor von Itay Tiran treffen, wird man verunsichert, weil das Spiel in eine vordergründige „Haudraufkomödie“ ausartet. Zu Beginn, wenn Schlomo Herzl (Markus Hering) mit Gott (Oliver Nägele) spricht, ihm Vorwürfe macht und ihn zum Koch Lobkowitz degradiert, ist man noch von der Taborischen Spiegelfechterei entzückt, lächelt und leidet mit Schlomo mit, der sich nicht zum ersten Satz seines Buches durchringen kann. Nur der Titel steht fest: „Mein Kampf“. Ab dem Augenblick, wo Marcel Heuperman als Hitler hereinpoltert, gerät das Stück in Schieflage. Der dicke, schwerfällige Hitler furzt, speibt und entleert sich in den Kübel. Man darf sein Hinterteil bewundern. Da wird Schlomos Nächstenliebe, mit der er Hiter umsorgt, bereits unglaubwürdig. Die Bilder überschlagen sich, bis Rainer Galke als „Himmlisch“ der Gewalt eine fürchterliche Gestalt gibt, alles kurz und klein schlägt und genüßlich und ausführlich schildert, wie man ein Huhn tötet, ausnimmt und kocht. Gott sei Dank bleibt das Bühnenrhetorik. Das echte Bühnenhuhn bleibt verschont – da fürchtete man wohl den Aufstand der Tierschützer. In Taborische Humortemperatur kehrt das Stück erst am Schluss wieder, als der geschundene und gekreuzigte Schlomo Gott alias Koch zur Rechenschaft zieht. Denn der hat dem grausamen Geschehen den Rücken zugedreht und wie ein in die Ecke gestelltes Kind eine gute Stunde die Wände angestarrt. So viel Unbetroffenheit am menschlichen Leid lässt Schlomo an Gott zweifeln. Der jedoch richtet alles mit einem jüdischen Witz ins Lot.

Markus Hering als Schlomo und Oliver Nägele als Gott/ Lobkowitz wirken authentisch. Marcel Heupermann fügt sich mit heroischer Selbstüberwindung in die schwierige und teils unappetitliche Rolle des Hilter. Hanna Hilsdorf ist der Rolle des Gretchen nicht ganz gewachsen. Was will sie sein? Sie schwankt zwischen leicht debiler Verführerin und geistig verwirrter Seele, die Trost braucht. Sylvie Rohrer als Tod hat ein paar tiefgründige Sätze, die sie wie ein androgyner Conférencier herunterredet.

Ich weiß schon, jeder hat eine andere Vorstellung von Humor. Mit der Zeit begreift man als häufiger Besucher des Burgtheaters, was hierorts unter Humor verstanden wird.

http://www.burgtheater.at

Wo der feine Humor und die scharfe Ironie Taboris auf den Holzhammerhumor des Regisseurs, trifft, wird es unstimmig.