Giuseppe Verdi: Simon Boccanegra. Salzburger Festspiele 2019.

Es war ein Fest für alle Sinne: Großartige Stimmen, ein in die Gegenwart transportiertes Bühnenbild, klare Regie.

Der Regisseur Andreas Kriegenburg versetzte sehr geschickt und stimmig das Geschehen in die Jetztzeit: Patrizier und „populo“, als Rechte und Linke dezent festgemacht, agieren als Heutige: Sie korrumpieren und manipulieren per Handy und Demos die jeweilige Gegenpartei.. All das nicht simpel vordergründig, sondern in einer Parallelität, die für alle Zeiten gilt, egal, ob Vergangenheit oder Gegenwart, und für alle Länder, egal ob USA, Frankreich, Italien oder Österreich. Harald B. Thor schuf dazu das passende Bühnenbild: Auf der rechten Seite agiert die Macht in einer Architektur, die ziemlich eindeutig faschistoide Merkmale aufweist: Pompös, furchteinflößend, kalt. Von dort oben spricht der Doge, bewacht von seiner Leibgarde. Links die Gegenwelt der Liebe, der Sehnsucht, verkörpert durch ein Klavier, blauen Himmel und eine Palme. Diese Idylle ist jedoch durch einen riesigen Balken bedroht, der in der Mitte auseinander gebrochen ist. Fast wie ein Hinweis auf die eingestürzte Brücke von Genua. Oder vielleicht einfach der drohende Krieg zwischen den Parteien.

Ein großartiges Ensemble und hervorragende Stimmen machten den Abend für mich zu DEM Ereignis der Salzburger Festwochen 2019. Die gr0ße Überraschung war für mich und das Publikum Charles Castronovo. Seine geschmeidige Stimme stieg locker in die Höhe, ganz ohne Mühe, war sicher und weich in der Mittellage. Die Rolle des Liebhabers Gabriele Adorno erfüllte er ohne Sentimentalität, aber doch innig berührend. In den letzten Tagen konnte man ihn ebenso erfolgreich an der Wiener Staatsoper als Alfredo in der Traviata erleben!

Dass Luca Salsi ein berührender Simon Boccanegra und René Pape ein fantastischer Fiesco war, war zu erwarten. Einzig Marina Rebeka als Amelia hatte in Höhe ihre Mühe, die Töne kamen allzu schrill. In der Mittellage dafür umso schöner.

Valery Gergiev ließ den Violinen ihren schmerzlichen Ton, gab den Sängern Zeit zur Gestaltung und brachte die musikalische Sprache Verdis, der in dieser Oper die Kälte der Politik und des Krieges und die Sehnsucht nach Frieden komponierte, voll zu Geltung.

Lang anhaltender Applaus, viele Bravorufe und Standing Ovation.

Hier meine persönliche Reihung der von mir besuchten Vorstellungen der Salzburger Festspiele 2019

1.Verdi, Simon Boccanegra

2. Verdi, Messa da Requiem unter dem einfühlsamen Dirigat von Riccardo Muti. Mit den Stimmen von Krassimira Stoynaova, Anita Rachvelishvili. Francesco Meli, Ildar Abdrazakov.

3. Welser-Möst und die Wiener Philharmoniker: Wagner, Strauss und Schostakowitsch ex aequo mit Händels Alcina.

5. Molnar: Liliom

6. Walser: Die Empörten

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