Kapka Kassabova, Die letzte Grenze. Paul Zsolnay Verlag

Untertitel: Am Rand Europas, in der Mitte der Welt.

Aus dem Englischen: Brigitte Hilzensauer

Kapka Kassabova reist in die Region ihrer Kindheit – das geheimnisvolle Land, das einst Thrakien hieß. Thrakien – wo Gold so reichlich vorhanden war wie anderswo Brot. Heute liegt das Land in der Türkei, Griechenland und Bulgarien und ist von der Welt vergessen und die Menschen von Armut und Depression geprägt sind.

Wer einmal so wie ich das griechische Thrakien bereist hat, der weiß, welche Faszination ein Land ohne Touristen ausübt. Doch Romantizismus und Klischeeschwärmerei ist nicht Sache der Autorin. Im Gegenteil: Sie recherchiert mit kühlem Kopf, aber mit teilnehmender Seele.

Kapka Kassabova fasst ihre Recherchen zu einzelne Erzählungen. Es entstand ein Sachbuch über eine vergessene Region. Sie reist durch menschenleere oder fast menschenleere Dörfer im Rhodopen Gebirge oder in der Strandscha, begegnet Schmugglern, Aussteigern, Plünderern und ehemaligen Grenzsoldaten. An der Grenze zu dienen war gefürchtet. Denn in der Isolation ohne Kontakt zur Außenwelt wird der Mensch zum willfährigen Befehlsempfänger. Die Narben aus der DDR-Zeit sind in der Landschaft und in der Seele der Menschen geblieben.

Ein Buch, das man nicht ein einem Zug durchliest. Von Erzählung zu Erzählung dringt man langsam in diese durch Isolation und Politterror geprägte Landschaft.

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