Nestroy: Höllenangst. Theater Scala

Genau so muss man Nestroy spielen! Frech, unbekümmert, bewusst übertrieben und da und dort für die nötigen Watschen gegen die Oberen sorgend. Unter der bewährten Regie von Bruno Max, in dem nur leicht angedeutet historischen Bühnenbild von Markus Ganser spiegeln sich das Gestern – 1849, ein Jahr nach der missglückten 48-er Revolution – und das Heute – mit eindeutig erkennbaren Figuren wie Strache und Kikkl.. In den Kostümen von Anna Pollack bewegen sich die Schauspieler zwischen damals und heute gerade so, als hätten sie nie etwas anderes als Nestroy gespielt.

Bernie Feit und Matthias Tuxar. Foto: Bettina Frenzel

Um den damals üblichen und von der Zensur verlangten versöhnlichen Schluss zu unterlaufen, fügte Bruno Max in Eigenregie ein Vorspiel und ein Nachspiel hinzu: Gleich zu Beginn fabrizieren die Schauspieler in einem blau ausgeleuchteten Graben Schuhe am Fließband und klagen über die schlechte Bezahlung und die Gier der Mächtigen. Dasselbe nochmals am Schluss – es hat sich also nichts geändert, auch wenn die fiesen reichen Typen eingelöchert wurden!

Wendelin Pfrim ist ein gutmütiger Tor, wie es immer einen bei Nestroy geben muss und wie es immer einen in der heutigen Gesellschaft gibt – einer, der hilft, dabei immer draufzahlt. Herrlich naiv spielt Philipp Stix diesen „tumben Tor“, der glaubt seine Seele an den Teufel verkauft zu haben. Der Teufel ist ausgerechnet der Oberrichter Thurming, dem Matthias Tuzar seine schlaksigen, über Leiter und Dächer turnende „Teufelsgestalt“ gekonnt verleiht. Zusammengehalten wird die ganze Geschichte von dem ewig durstigen und daher immer beduselten Vater Pfrim, von Bernie Feit mit umwerfender Komik dargestellt.

Philipp Stix als Wendelin. Foto: Bettina Frenzel

Natürlich dürfen auch Couplets nicht fehlen. Bruno Max hat aber Einsehen mit dem Publikum und serviert nur zwei. Darin teilt er einen heftigen Seitenhieb auf die aktuelle Wiener Theaterszene aus, die das Publikum über Rechtsextremismus, Brexit und Machtpolitiker aufklären und mit theatralischer Macht erziehen möchte. und darin die einzige Daseinsberechtigung sieht. So manch einer im Publikum wird leiderfahren vor sich hin seufzen, der in den diversen jüngsten Inszenierungen die moralische Keule allzu deutlich zu spüren bekam. Dankbarer und lang anhaltender Applaus für das ganze Team und wohl auch für einen Theaterabend ohne moralische Knute!

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