Theresia Walser: Die Empörten. Salzburger Festspiele 2019

Vielschreiberin Theresia Walser hat wieder einmal eine Leiche im Köcher, pardon in der Truhe. Die steht im Rathaus. Die Leiche in der Truhe ist der Halbbruder der Bürgermeisterin (mit vergeblicher Verve von Caroline Peters dargestellt). Besagter Halbbruder fuhr mit seinem Auto in eine Menschenmenge. Dabei kamen einige Menschen ums Leben, darunter ein Muslim. Er auch. Attentat oder Unfall? Peinlich jedenfalls für die Bürgermeisterin. Wahlen stehen bevor. Weg mit der Leiche! Ab in die Truhe.

So die einigermaßen witzige Ausgangslage. Was aber dann kommt, ist schlichtweg langweilige Politcharade. Dem mutigen Anfang folgen nur seichte politische Witzchen, Reden, schon oftmals so gehört, deswegen fad. Aus der zu erwartenden grotesken Komödie wird Wortgeklingel, das sich im Kreis dreht. Wer sich so ein aktuelles Thema vornimmt, der muss Mut zum Angriff, zur Übertreibung, zu Zuspitzung haben. Wenn das fehlt, bleibt Plattheit über. Wer sind nun die Empörten? Sicher nicht das Publikum, das gefälligen Applaus leistete.

Inszeniert hat das Ganze der Stuttgarter Schauspielintendant Burkhard Kosminski, der aber aus dem seichten Wortsalat auch keine spannende Komödie, schon gar keine Tragödie schaffen konnte. Schade!

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