Ursula Overhage: Die Schauspielerin Maria Orska

Untertitel: Sie spielte wie im Rausch

Verlag Henschel

Maria Orska war eine ungewöhnliche Frau und als Schauspielerin soll sie das Publikum zu Begeisterungsstürmen hingerissen haben. Daher verwundert es ein wenig, dass sie fast vergessen ist. In Wien, wo sie in den Kammerspielen oft aufgetreten ist und in der Maria Theresienstraße eine feudale Wohnung besaß, ist sie heutigen Theaterbegeisterten kein Begriff, und das in einer Stadt, die ihre Lieblinge, auch wenn sie schon längst verstorben sind, noch immer verehrt.

Rahel Blindermann, wie sie mit dem bürgerlichen Namen hieß, wurde an der Schwarzmeerküste geboren. Ihre Familie war begütert und ihre Kindheit unbeschwert. Ein Onkel entdeckte das Talent des sechzehnjährigen Mädchens und brachte sie mit Einverständnis der Eltern nach Wien, wo sie Schauspielunterricht nahm. 1910 startet sie ihre Karriere am Mannheimer Nationaltheater und nennt sich ab nun Maria Orska. Ihre frische und freche Art begeisterte das Publikum. Sehr bald boten ihr die Theater in Berlin, Hamburg, München Engagements an. Mit ihrer Paraderolle als Lulu wird sie international bekannt. Privat genießt sie das Leben in vollen Zügen, Party, Champagner und später auch Kokain und Morphium ruinieren ihre Gesundheit. Entziehungskuren helfen nur kurzfristig. Sie stirbt 1930 in Wien und wird in ihrer Wohnung in der Maria Theresienstraße aufgebahrt.

Die Fotos zeigen eine Frau mit großen Augen, einem siegessicheren Lächeln und mit dem deutlichen Ausdruck des Extravaganten. Extravagant soll auch ihr Spiel gewesen sein. Obwohl sie auch durchaus ernste und tragische Figuren bewegend spielen konnte, hatte sie sich immer mehr auf Lulu – ähnliche R ollen fixiert, was gegen Ende ihres kurzen Lebens beim Publikum nicht immer gut ankam. Ihr Tod, so schreibt die Autorin, ist dem übermäßigen Drogenkonsum geschuldet. Sie brauchte Kokain und Morphium, um sich in die von ihr selbst und vom Publikum geforderte Ekstase hineinzuspielen.

Ursula Overhage hat fleißig recherchiert. Jede Aufführungsserie wird eingehend besprochen. Das ist sehr löblich, aber auch manchmal ermüdend. Aufschlussreich und interessant sind die Schilderungen der Gesellschaft während des Ersten Weltkrieges und in der Zwischenkriegszeit in Wien, Berlin oder Hamburg. Obwohl der Großteil der Bevölkerung unter großer Armut leidet, werden Theater und Kino gestürmt. Die Reichen genießen ihr Leben, obwohl Millionen Soldaten im Krieg sterben. Tod und Genuss schließen einander nicht aus. Die Todesnähe scheint den Genuss noch erhöht zu haben.

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