Wiener Konzerthaus: Brüder Capucon unter Vasily Petrenko: Brahms und Berlioz

Es war ein Ereignis der Sonderklasse. Eine musikalische „Kostbarkeit“!! Wie ich dieses Wort liebe! Es soll ja bereits aus der Mode gekommen sein, hörte ich unlängst auf Ö1.Warum? Weil es keine Kostbarkeiten mehr gibt? Und daher auch kein Wort mehr? Das ist absolut unmöglich. Denn dieser Abend war eine Kostbarkeit. Das Konzert für Violine, Violoncello und Orchester wir man so bald nicht mehr so dicht, so packend hören. Renaud auf einer Geige von Guarneri aus dem Jahre 1737 und Gautier auf einem Instrument von Matteo Goffriller aus dem Jahre 1701 brachten das Werk zum Klingen. Unter dem präzisen, aufregenden Dirigat von Petrenko wurde es zu einer atemberaubenden „Kostbarkeit“.

Nach der Pause war der aus Petersburg stammende „Jungdirigent“ – als solcher wird er trotz seiner 38 Jahre noch immer bezeichnet – in seinem Element. Wie er da die Wiener Symphoniker durch die Hölle und Todeshalluzinationen von Berlioz führte, war wohl einmalig!! Kein Getöse, wenn das Gewitter aufzieht, sondern präzis geführte Schläge, feines Gespinst, wenn die Geliebte erscheint, liebliches Hirtenlied und dann die Walpurgisnacht mit all ihren Verzerrungen und Ängsten des Komponisten, der da Berlioz heißt.