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NEST (Neue Staatsoper im Künstlerhaus): Maarten Seghers, Lee Miller in Hitlers Bathtub

Silvia Matras
vor 11 Minuten
2 Min. Lesezeit


Komposition: Maarten Seghers

Libretto, Regie, Choreografie: Jan Lauwers

Musikalische Leitung: Dan K. Kurland



Musikensemble. Romy Louise Lauwers, Kate Lindsay © Vibe Stalpaert
Musikensemble. Romy Louise Lauwers, Kate Lindsay © Vibe Stalpaert

Klavier, Violine: Georg van Dam, Kontrafagott: Johannes Kafka, Posaune: Franz Geroldinger, Cello: Jan Ryska, Schlagzeug: Michael Kahlig


Lee Miller/ Schauspielerin: Romy Louise Lauwers

Lee Miller/ Mezzospran: Kate Lindsay

Man Ray: George van Dam


In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln


Neugierig war ich, wie das neue Nest denn so ist, neugierig, wie das Buch von Serena Dandini, "Die Frau in Hitlers Badewanne" umgesetzt wird, Der Abend überraschte mich in zweierlei Hinsicht: die frische unprätentiöse Architektur des " Nest" fand ich gut, die Aufführung selbst machte mich ein wenig ratlos In diesem fiktiven Kontext, wie das Stück sich präsentierte, musste ich mich erst langsam zurechtfinden. So peu à peu begriff ich, dass ich mich von der Biografie verabschieden und auf eine performative Interpretation der Lee Miller einstellen musste. Es gab vieles, was sich nicht leicht enträtseln ließ; Warum mussten die Musiker in schwarzen Bärenfellen auftreten, warum musste sich die Tänzerin Lee (Romy Louise Lauwers) am Ende ebenso in eine Bärin, genauer in eine Tanzbärin verwandeln und von Miller 2, der Sängerin (Kate Lindsay), heftig getreten werden?

Soweit ich es verstehen konnte, legte Lauwers mehr Wert auf das Faktum, dass Lee Miller (aufgrund ihrer aufregenden Schönheit?) mehrmals vergewaltigt wurde. Die Auswirkungen werden deutlich hörbar durchlitten. Für mich und wahrscheinlich auch für viele andere im Saal nur schwer ertragbar!

Im Zentrum des Abends ist die Leistung der beiden Lee-Darstellerinnen: Zur hoch expressiven und manchmal unerträglichen Musik zu tanzen (Romy Louise Lauwers) und in krassen Hochtönen zu singen (Kate Lindsay), forderte den vollen Einsatz der beiden Performerinnen, Während die von den Männern (Picasso, Man Ray) Begehrte im Glitzerkleid tanzt, singt die andere Lee in Uniform von Kriegshorror und Vergewaltigung. Gebannt schaue ich auf diese Doppel-Lee, deren Leben nach außen hin schillert, nach innen aber voller Schreckensbilder zu zerbrechen droht . Die Fotografie wird zur Schutzmauer gegen die Grausamkeit des Krieges. Stark die Szene, in der sich die Fotografin fragt, wie sie das aushielt, stundenlang ein sterbendes Baby zu fotografieren? Fotografie als sakraler Auftrag oder als Dokument oder gar als Lust am Voyeurismus?

Und warum der Titel? Welche Bedeutung hatte es für Lee, in der Badewanne des toten Monsters zu sitzen. Triumph! Sie be - sitzt seine Wanne, wirft sein Foto ins Wasser, zertrümmert es, somit auch die Zeit.

So oder so ähnlich mag der Titel wohl gedacht sein.


 
 
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