Julia Kröhn, Das Lächeln der Kinder. Gmeiner Verlag

Julia Kröhn greift ein Thema auf, das in der heutigen Gesellschaft teils verschwiegen, teils unbekannt und nicht aufgearbeitet ist: Was geschah und geschieht bis heute mit den Kindern, die im 2. Weltkrieg Eltern und Verwandte verloren haben oder von den Nazis geraubt und in Umerziehungslager gebracht wurden. -Ein sehr wichtiges Thema und ein sehr wichtiges Buch! Das geschieht heute noch immer - in der Ukraine werden Kinder nach Russland entführt und umerzogen.
Die Autorin schildert auf zwei verschiedenen Zeitebenen das Schicksal zweier junger Frauen, die sich dieser Kinder annahmen: Da ist die junge Lori, die bei Anna Freud (Tochter von Sigmund Freud) 1945 in London lernt, wie man mit traumatisierten Kindern umgeht und ihnen durch Liebe und Fürsorge Heilung bringen kann.
Polen heute: Milena arbeitet in einem Sommercamp, wo sich traumatisierte Kinder von den Schrecken des Ukraine-Krieges erholen können. Milena kümmert sich intensiv um den schwer traumatisierten Nikolay.
Das Buch oszilliert zwischen "Roman" und historisierender Aufarbeitung des Themas. Störend ist die heute so Usus gewordene Erzählung auf zwei Zeitebenen, Der Leser hat sich gerade in die Figuren der einen Ebene (Loris Erfahrungen) eingelesen, da springt Julia Kröhn in die Gegenwart mit ganz anderen Protagonisten. Dadurch verliert der Leser leicht die Übersicht (und die Geduld). Straffung und klarere Erzählhaltung hätten dem Buch genützt, Nichts desto weniger bleibt es ein wichtiges Thema und ein wichtiges Buch.
Dieses Thema behandelt auch Susanna Abel in ihrem äußerst berührenden Roman: "Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104" (dtv-Verlag)


