Arthur Sullivan und W. S. Gilbert: "Die Piraten von Penzance"
- Silvia Matras
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Musik: Arthur Sullivan. Libretto: W.S. Gilbert
Dirigentin: Chloe Rooke, Regie: Spymonkey,Bühnenbild und Kostüme: Julian Crouch

In englischer und deutscher Sprache mit englischen und deutschen Übertiteln
Die Geschichte ist ziemlich wirr-komisch, so dass sich der neue Intendant (Marcel Mohab, etwas gewollt witzig) selbst nicht auskennt und Erklärungen braucht. Der Handlungsdurcheinander ist jedoch beabsichtigter Teil des Konzeptes: So undurchsichtig und unlogisch geht es in den Opern zu, die in diesem Stück ordentlich auf die Schaufel genommen werden.
Der Abend brilliert vor allem durch die bunten, einfallsreichen Kostüme. Wie Julian Crouch es geschafft hat, für gefühlte hundert Personen witzige und phantasiereiche Kostüme zu kreieren, ist schon einer ganz besonderen Erwähnung wert: Da tanzen Polizisten mit Merestieren am Kopf über die Bühne, die Töchter des Generalmajors Stanley (köstlich Jakob Semotan) brillieren in bunten, ausladenden Krinolinen, die Piraten (übrigens nach der in der Volksoper schon üblichen Denkungsart: alles Frauen) sind ein ziemlich verwegen aussehender Haufen.
Das andere Atout dieses Abends sind die tollen Darsteller, die stimmlich und schauspielerisch ihr Bestes geben, und das Beste ist wirklich herausragend: Katja Ledoux bringt in der Rolle des Piratenkönigs ihr tolles Stimmvolumen mit Ironie gespickt geschickt zur Geltung. Ganz bezaubernd ist Johanna Arouas als die Nanny aus der Schweiz. Die Szene im schwankenden Boot mit ihrem Schützling Frederic entwickelt szenisch richtig gute, verquere Komik! Den Piratenlehrling Federic gestaltet Timothy Fallan mit selbstverachtender Ungeschicklichkeit, Kleinmut und Scheinmoral! Seine "Arien" strotzen nur so opernhafter Heldenhaftigkeit!.
Zur Komik dieses Stückes: Wiener Schmäh darf man nicht erwarten - die ganze Aufführung ist von englischer Komikauffassung (wie immer die aussieht) geprägt: Viel Slapstick, manchmal ermüdend viel, nicht immer "lustig", aber das ist Geschmacksache. Ein gelungener Hit ist derAuftritt der feigen Soldaten, die absolut nicht in den Krieg ziehen wollen. Sie ernteten auch lautstarken Szenenapplaus! Nicht unbedingt geschmackvoll sind die Seitenhiebe auf das anwesende Publikum über 80!
Insgesamt ist es ein Abend zum Schmunzeln und ein Fest fürs Auge und Ohr. Die Musik ist supereingängig, flott von Chloe Rocke dirigiert.


