Mozart "Titus" (La clemenza di Tito). Eine Aufführung des Opernstudiojahrganges 2026.
- Silvia Matras
- vor 22 Stunden
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Musikalisches Arrangement von Ricardo Vendramin Ross. Dialogfassung von Maurice Lenhard, der auch Regie führte.
Musikalische Leitung: Michael Papadopoulos
Bühne und Kostüme: Christina Geiger
Alle zwei Jahre führen Studierende des Opernstudios der Volksoper im "Muth" eine Oper auf. Dieses Jahr also Mozarts "( La Clemenza di ) Titus".
Maurice Lenhard schrieb eine verkürzte Fassung und ersetzte die Rezitative durch sehr heutig wirkende Dialoge. Christina Geiger schuf einen Raum in Mintgrün, der Salon und Büro zugleich sein kann. Auch die Kostüme waren von einer amerikansich anmutenden Gegenwart inspiriert.
Während des Vorspiels sieht man den Sänger des Titus Seyoung Kim auf der Videoleinwand, dahinter läuft in roter Schrift sein Name - ohne clemenza. Das lässt vermuten, dass die legendäre Milde des Kaisers kritisch hinterfragt wird. Die Intrige und alles rund um den Aufstand ist nur Anlass, um dann am Ende den Kaiser in einer sehr fragwürdigen Milde agieren zu sehen.
Vitellia (Misa Alkhovik - stimmlich und schauspielerisch überzeugend) ist eine stolze, selbstbewusste Frau, die sich um die ihr zustehende Machtposition als Kaiserin betrogen fühlt. Denn Titus ist unschlüssig, wählt unter den Frauen, als ginge es um die Bestellung einer Bürovorsteherin und nicht um die Wahl seiner Ehefrau. Macht regiert über Menschen wie Objekte. Aber Titus versteht es, mit Hilfe der Medien - ja wir sind im heutigen Amerika - sich als milder Herrscher verehren zu lassen. Seyoung Kim wird diesem zwiespätigen Charakter nicht ganz gerecht. Zu sehr bemüht er sich noch, seine Arien sprachlich lupenrein über die Bühne zu bringen. Camila Aguilera Yanez ist ein überzeugender Sesto, stimmlich als auch schauspielrisch. In manchen Szenen gelingt es ihm/ihr, dieser Rolle einen ironischen Anstrich zu geben. Chelsea Guo als Servilia und Aleksandra Dimic geben ihren Figuren einen passend ironischen Unterton. Smelo Malangu gibt mit seinem vollen Bassbariton einen perfekt servilen Bodygard und Geheimdienstler .
Alles in allem eine gelungene Aufführung , die besonders mit diskreter Ironie punktet.


